Powered By Blogger

Donnerstag, 25. Oktober 2007

... das muss man mir dann doch erklären

Man gibt in GOOGLE die Worte "Bamberg" und "Kassiber" ein - und der erste Treffer ist dann der komplette Text des Junius Briefes (mit Transkriptions-Erklärungen).

Diesen Brief sollte meiner unwesentlichen Meinung nach jeder Bamberger Schüler kennen - doch was sagt mir folgende Tatsache: es gibt in Bamberg wirklich eine JUNIUS-Strasse: allerdings ist das die ANNA MARIA JUNIUS-STRASSE - und in der Strassennamen-Erklärung findet man dann auch die Jahreszahlen von Geburt und Tod der ANNA MARIA JUNIUS - einer Ordensschwester, die als HEXENCHRONISTIN einige wertvolle Handschriften über den Hexenwahn und den Fuchs von Dornheim hinterlassen hat.

Es fällt mir leider kein passender Vergleich ein, aber mein Verstand ist wahrscheinlich zu klein um diesen Zusammenhang zu verstehen: für die Chronistin gibt es also ein Andenken - einen Strassennamen - für ihren Vater - der 22 Jahre die Geschicke dieser Stadt leitete und dann grausam denunziert, gefoltert und verbrannt wurde gibt es gar kein Gedenken .... wer kann mir das erklären?

Montag, 22. Oktober 2007

"Unterm Sternenmantel" - die Ausstellung


Gerade noch rechtzeitig die Ausstellung im DIÖZESAN-MUSEUM besucht, die die Geschichte des 1000-jährigen Bistumsjubiläums darstellt: gar nicht schlecht gemacht und wenn man den LOBPREISUNGS-Filter im Hirn vorschaltet und sich die dargestellten Fakten neutral betrachtet, dann kann man sogar von einer beginnenden Aufarbeitung der Massenmorde in Bamberg sprechen: im HISTORISCHEN MUSEUM in der "Alten Hofhaltung" gibt es einen Ausstellungs-Raum mit 4 Bildern der Täter, einer Bambergensis, ein paar Daumenschrauben, dem Verhörprotokoll von Bürgermeister Johannes Junius und 3 Schautafeln, die die damaligen Vorgänge "skizzieren".

Das ist ja zumindest mal ein Ansatz für die Zukunft - viel interessanter war das Zusammentreffen mit einem Mitarbeiter des Stadtplanungsamts: endlich mal ein Ansprechpartner, der sich mit der Materie auskannte und deshalb entwickelte sich ein extrem interessanter Dialog, der schon einige brennende Fragen beantwortete.

Wir wollen uns vielleicht noch einmal treffen und austauschen...

Samstag, 20. Oktober 2007

Weltkulturerbe: die Definition



"Jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört, bedeutet eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit, weil jedes Volk seinen Beitrag zur Kultur der Welt leistet." So steht es geschrieben in den Statuten der U.N.E.S.C.O., der Organistation, die das kulturelle Erbe unserer Menschheit schützt und "verwaltet".

Bamberg hat seit 1992 den Status "WELTKULTURERBE" - aber anscheinend gilt das ja lediglich für einen Teil des ERBES - wo bleibt das Andenken für über 1000 Tote Bürger, die der Inquisition zum Opfer fielen - es gibt weder einen Strassennamen, noch ein Mahnmal ....


Ich habe ein paar Helfer, von denen mir Einer eine kleine Auswahl an historischen Büchern zum Studium überlassen hat: alte Chroniken der Stadt Bamberg aus den Jahren 1899 - 1903 - herausgegeben von "BAMBERGER TAGBLATT". In diesen Büchern wird die Geschichte der Hexenverfolgung in einer Art und Weise beschrieben, die ich als ziemlich neutral und vollständig bezeichnen möchte (Auszüge gibt es in den nächsten Posts).

Die Frage, die sich aufdrängt: wann ging das WISSEN um diese historischen Ereignisse verloren? Und wer ist dafür verantwortlich?

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Die Halsgerichtsordnung von 1507 - die BAMBERGENSIS


war das erste offizielle Strafgesetzbuch in Deutschland - herausgegeben von Johann Freiherr zu Schwarzenberg aus Bamberg, dem Reichsstatthalter Kaiser Karls V.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Originalexemplar der BAMBERGENSIS aus dem Jahr 1570 in der Hand. Allein der Geruch und die Haptik ergeben ein leichtes Gefühl des Schauderns - die Texte sind zu 90 % verständlich - es geht ums Vierteilen, Verbrennen, Rädern, Zunge herausreissen, das Reissen mit glühenden Zangen, etc. etc.

Meine persönliche Umfrage nach dem MALEFIZ HAUS hat in der Stadt nach einer Woche folgendes Ergebniss: von den bis jetzt befragten 96 Menschen (allesamt BAMBERGER) habe ich bereits 2 Leute getroffen, die Informationen über dieses Foltergefängnis hatten: einer war eine älterer Mann, der die Hexenführung der Nürnberger Universität mitgemacht hatte - der andere ein Lektor einer Bamberger Verlagsanstalt.

Niemand anderes konnte mit diesem Begriff etwas anfangen - und es hat alle Befragten interessiert, denn eigentlich wollte wohl jeder genauere Informationen über die wahre Vergangenheit unserer Stadt: gefragt habe ich 2 Architekten, einen Richter am Landgericht Bamberg, einen Symphoniker und ansonsten in erster Linie Geschäftsleute und Freunde.

Bis mein Flieger geht, werde ich weitere Personen ansprechen - das Ergebnis gibts dann - natürlich auf diesem Blog und da diese Abstimmung noch bis September 2008 läuft, kann jeder interessierte Besucher dieser Seite, seine Stimme zu dieser Umfrage abgeben.

Montag, 8. Oktober 2007

Was soll dieser BLOG bewirken?


Ich bin mir darüber im Klaren, dass sich einige Leute in Bamberg an dieser Publikation reiben werden. Diesen Menschen möchte ich folgendes sagen: auf Grund meiner persönlichen ambivalenten Geschichte mit der Stadt Bamberg klingt es zwar wie eine irrwitzige Pointe des Schicksals, dass ausgerechnet ich diesen Blog erstelle, aber das ist wohl kaum der Skandal.

Angesichts der historischen Fakten um das Malefiz Haus stellt sich wohl eher die Frage, wie es sein kann, dass kaum ein Mensch in dieser Stadt weiss, was sich sich damals wirklich abgespielt hat - und anscheinend möchte es auch gar kein Mensch wissen. Trotzdem bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass sich keine Institution - aus welchen Gründen auch immer - das Recht herausnehmen darf, bewusst Tatsachen von historischer Relevanz zu unterdrücken.

Bamberg ist U.N.E.S.C.O.-Weltkulturerbe - und das finde ich auch gut so - ich liebe diese Stadt und es ist schließlich auch meine Heimat: trotzdem sollte alles getan werden um die kompletten Zusammenhänge der damaligen Zeit lückenlos aufzuklären und darzustellen - die ersten Schritte sind getan - doch jetzt geht es darum zu klären, was alles in den 54 Monaten in diesem "HEXENHAUS" geschah, wie es dazu kommen konnte und wie die Auswirkungen der Inqusition auf die weitere Entwicklung Bambergs waren.

Der Zeitrahmen für die Anmeldung zum "TAG DES OFFENEN DENKMALS 2008" beginnt am 28 Februar 2008 - bis dahin wird ja dann wohl entschieden sein, welche Institutionen und Personen sich in dieses Projekt einbringen werden ....

Sonntag, 7. Oktober 2007

Die Vorlage aus dem Jahr 1628



existiert als Kupferstich von Matthäus Merian d.Ä. aus dem Jahr 1628. Auftraggeber dieses Kupferstichs war niemand anderes als der Erbauer des Malefiz Haus - Fürstbischof Johann Georg II Fuchs von Dornheim. Der Grund für diese Aufragsarbeit war die Tatsache, dass es vor dem Reichgerichtsrat in Wien 15 Beschwerden über die unmenschlichen Foltermethoden im Erzbistum Bamberg gab. Mit der Reproduktion von Matthäus Merian wollte der Fuchs von Dornheim in Wien beweisen, dass die Bamberger Folterpraxis allen damaligen Vorstellungen von geltendem RECHT entsprach.

In den nächsten Posts wird es weitere Einzelheiten um das Malefiz Haus geben ....