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Mittwoch, 5. März 2008

Das Buch von Dr. Britta Gehm



ist dann doch noch einen Zacken härter, als ich zuerst dachte - und dabei bin ich noch nicht einmal ganz damit fertig.


Trotz der akribischen Aufarbeitung von Dr. Gehm wird schon im Vorwort klar gestellt, dass die aufgefundenen Akten nicht komplett sind, was eine noch größere Opferzahl als die dokumentierten 884 Aktensätze ausweisen, vermuten läßt.

Folgende Fakten sind belegt:

Noch vor der ersten Folter wurden einer Delinquentin entgegen dem ausdrücklichen
Verbot in Art. 56 Carolina und Art. 68 Bambergensis Suggestivfragen gestellt.

Entgegen strengster Anordnung in der BAMBERGENSIS und der CAROLINA wurden in Bamberg auch schwangere Frauen inhaftiert und gefoltert.

Ein Henkersknecht hat zwei inhaftierte Frauen geschwängert und ist mit den beiden Frauen geflohen - was eindeutigt beweist, dass die inhaftierten Frauen auch sexuell gefoltert wurden.

Entgegen der gängigen Folterpraxis, dass ein Delinquent nicht öfters als 3 mal gefoltert werden durfte, wurde dies in Bamberg mit folgendem Trick umgangen: die Folter wurde nicht an einem tag "beendet" sondern nur "unterbrochen", was den Folterknechten somit eine unbegrenzte Folterdauer gewährte.

Das sind also ganz klar definierte und aus den Akten beweisbare Rechtsbrüche - und ich habe erst die Hälfte des Buches gelesen.

Deshalb wird die abschliessende Analyse noch ein paar Tage auf sich warten lassen.

Bemerkenswert ist vielleicht noch folgender Satz von Dr. Gehm im Vorwort: "Die Veröffentlichung der Arbeit wurde durch Druckkostenzuschüsse des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg und des Bürgermeisters der Stadt Bamberg erleichtert. "

Friedrich Spee von Langenfeld (Kritiker der Hexenprozesse und Schriftsteller)

schrieb folgendes über die Chancen der angeklagten Hexenopfer:


Sie (die Verhaftete) kann sich ja niemals,
wie die Gesetze es haben wollten, durch Überstehen
der Tortur reinigen und das ihr einmal angehängte Verbrechen abschütteln.

Es wäre beschämend für die Inquisitoren, eine einmal
gefangene Person so wieder heraus zu lassen.
Wen sie erst einmal gefangen haben, der muß um jeden Preis schuldig sein.

Wenn sie so umkommen muß, ob sie ein Geständnis abgelegt
hat oder nicht, dann möchte ich um der Liebe Gottes willen wissen,
wie hier irgend jemand, er sei noch so unschuldig, soll entrinnen können?

Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht gleich beim ersten Betreten des Kerkers für schuldig erklärt? Törichtes, verblendetes Weib, warum willst du den Tod so viele Male erleiden, wo du es nur einmal Zu tun brauchtest?

Nimm meinen Rat an, erkläre dich noch vor aller Marter für schuldig und stirb.
Entrinnen wirst du doch nicht.

Das ist letzten Endes die unselige Folge des frommen Eifers Deutschlands.



Dienstag, 12. Februar 2008

It´s a beautiful day...

denn heute hat das Projekt MALEFIZ-HAUS eine ganz wichtige Hürde genommen - ich behaupte sogar: zwei wichtige Hürden.

In den vergangenen ca 10 Tagen haben wir in vielen Diskussionen und Modellen eine konkrete Vision entwickelt, wie so eine Ausstellung wirklich aussehen könnte.

Ich möchte mich also vor allem bei den Leuten ganz herzlich bedanken, die hier in meiner Küche sitzen und sich am Telefon oder im WWW stundenlang mit mir über die verschiedenen Aspekte der Ausstellung, des Films, etc unterhalten und mir somit geholfen haben, dieses Projekt zu entwickeln.

Aus einem dieser Meetings hatte sich damals, durch eine ganz banale Beobachtung eines Freundes, der genaue Standort des MALEFIZ HAUSES errechnen lassen - und sonst sind es manchmal Bücher, Links, Fotos und weitere Kontakte die wieder neues Material liefern.

Bitte schickt mir weiter Alles, was Euch zu diesem Thema einfällt.

Trotzdem war gerade mein letzter Aufenthalt in Bamberg ein echter Haupt-Gewinn für dieses Projekt, denn ich habe mehrere wichtige Menschen kennen gelernt, bzw. wieder getroffen, die maßgeblich für die Umsetzung verantwortlich sein könnten.

Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Karin Dengler Schreiber, die mit ihrem gestrigen Artikel ein wichtiges Ausrufezeichen gesetzt hat: erstmals wurde den Lesern des FRÄNKISCHEN TAGS in kurzen Worten mitgeteilt, was da evtl schon bald auf die Stadt Bamberg zu kommt.

Damit ist die öffentliche Diskussion eröffnet - mal sehen, was die die Leserbrief-Seite des FT in den nächsten Wochen so liefern wird. Doch viel wichtiger ist, dass wir nun schon bald in eine konkrete Phase eintreten können - Projektierung, Finanzierung und Marketing einer Ausstellung, die es so nicht gegeben hat.

Es sind noch knapp 200 Tage ...

Mittwoch, 16. Januar 2008

Gute Nachrichten aus Wien

Das ist ein Kupferstich der den Reichshofrat in Wien darstellt.

An genau 15 Sitzungstagen hatte sich das höchste Gericht des heiligen römischen Reiches mit der Inquisitionspraxis im Fall Bamberg auseinanderzusetzen.

Alle Angaben zu den 15 Sitzungstagen wurden aus den Originalakten der reichshofrätlichen Resolutionsprotokolle gewonnen und in einem Buch verarbeitet, das von Frau Dr. Britta Gehm herausgegeben wurde:

Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung

Nach unserer Korrespondenz mit Frau Dr. Eva Ortlieb vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv wissen wir jetzt, dass es keine weiteren Akten in Wien gibt, die nicht in diesem Buch abgehandelt werden ...

Donnerstag, 10. Januar 2008

18 Seiten Konzept fertig ...


und auf den Weg gebracht ... Schlussendlich ist dieser Plan mal wieder "generell unmöglich" - "viel zu wenig Zeit" - "blödsinnige Zeitverschwendung", etc. etc.

Kann schon sein, dass es knapp wird - aus eigener Erfahrung kann ich darauf aber nur Eines antworten: wenn es 1987 möglich war, dass wir in 220 Tagen (mehr waren es nicht) eine private Rundfunkstation (Fun Boy Radio 88.5 mHz) mit anfänglich 32 Mitarbeitern und 3 Studios in Bamberg "installiert haben" - dann behaupte ich: es muß möglich sein, diese Aufgabe zu lösen.

Da ich bis jetzt nicht einen Cent verdient habe - und ich im Gegenzug dazu ein paar Tausend Stunden mit dieser "Geschichte" verbracht habe - stellt sich wirklich die Frage, warum ich mir diesen "Schuh anziehe"?

Aber da wir ja noch knappe 9 Monate Zeit haben, wird der Leser dieses Blogs schon noch mitbekommen, warum es - zumindest für mich - im M oment keinen interessanteren Job geben kann, als die verschwundene Geschichte meiner Heimatstadt zu erforschen ...


Eines der letzen technischen Probleme ist für mich seit gestern gelöst, denn APPLE hat endlich seine neuen MAC PRO WORKSTATIONS vorgestellt: damit wird es uns möglich sein die gewünschten Animationen und Kameraflüge um, und in das MALEFIZ HAUS in photorealistischer Qualität (HDTV 1920) zu produzieren.

Der Rechner wird in 2 Wochen geliefert und dann kanns von unserer Seite aus losgehen ...

Bis dahin gibts mal aussnahmsweise kein historisches Bild zum Thema, sondern einen kleinen Einblick in das OPTIMOOD STUDIO - so heisst diese Location hier im Fachjargon ...

... das Konzept wird Bamberg also die nächsten Tage erreichen ...

Mittwoch, 2. Januar 2008

Der 4-Punkte Plan für das Jahr 2008


wird gerade ausgearbeitet - das Grobkonzept steht und da es eine feste Deadline gibt (der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr am 14. September statt) wird das gesamte Projekt genau auf dieses Datum ausgerichtet - das ist der definierte Starttermin.


Der 4-Punkte Plan umfasst folgende Maßnahmen


> VORTRAG zum TAG des offenen Denkmals

> Ausstellung zum Thema

> Website

> Dokumentarfilm


Einzelheiten und beteiligte Institutionen werden hier in Kürze bekannt gegeben.

Link zur DEUTSCHEN STIFTUNG DENKMALSCHUTZ:

http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/thema

Dienstag, 18. Dezember 2007

Weihnachten und das Hexenhaus


In den ca 54 Monaten in denen im Malefizhaus "gearbeitet" wurde, gab es ja bestimmt auch so eine Art Alltag, der an den kirchlichen Feiertagen mit ziemlicher Sicherheit abgeändert wurde.

In den Kapellen wurden spezielle Gebete zur Geburt Jesu Christi verlesen und vielleicht gab es während der Feiertage auch so etwas wie eine "FOLTERPAUSE". Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass es ein richtiges Festessen gab, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Gefangenen für ein paar Tage ein wenig besser behandelt wurden, als im Rest ihrer Folterhaft.

Trotzdem wussten die Gefangenen wohl seit dem ersten Tag ihrer Inhaftierung, dass sie den Inquisitionswahnsinn im HEXENHAUS nicht überleben würden, und obwohl es laut dem Aufrissplan von 1628 minestens sechs Heiz-Öfen im Erdgeschoss und im ersten Stock gegeben hatte, war das Leben in den 26 Einzelzellen sicherlich kalt, feucht und stinkend.

Dutzende unschuldiger Bamberger Bürger "feierten" so also an mindestens 4 Weihnachtsfesten (1627-1631) ihr letzes Weihnachten, unschuldig eingekerkert in dunkle Zellen, auf dreckigem Stroh liegend in ihren eigenen Exkrementen, mit faulenden Wunden, kahlgeschoren, entehrt und gedemütigt und brutal gefoltert .... .

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Wie umfangreich nun die Aufarbeitung dieser Bamberger Katastrophe wird - das hängt von einer Handvoll Menschen ab, die das schwierige Thema gemeinsam im Jahr 2008 anpacken wollen.

Ich bin wirklich optimistisch, dass es UNS dann gemeinsam gelingen kann, die Gründe und die Abläufe der Bamberger Inquisitionsgeschichte komplett aufzuarbeiten: mit wissenschaftlicher Akribie und mit vollem Engagement.

Diese Aktion wird dem Ansehen der Stadt Bamberg gut zu Gesicht stehen - alles andere wäre wirklich unter dem Niveau einer Stadt, die eine wirklich einmalige Geschichte hat - im Guten, wie im Bösen.

Wer immer sich also berufen fühlen sollte, die Wahrheit über UNSERE HEIMATSTADT kennenlernen zu wollen - der sei hiermit herzlich eingeladen mitzuhelfen und die Aktion zu unterstützen. Es kann hier nicht im persönliche Eitelkeiten oder parteipolitische Klüngeleien gehen - sondern es geht um die Basis einer gemeinsamen Tradition - das ist unsere Kultur und unsere Geschichte - und deshalb freue ich mich sehr auf die Zusammenarbeit mit allen Institutionen und wünsche allen Lesern dieses Blogs

ein frohes Fest und ein spannendes Jahr 2008.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Die Angst der Inquisitoren


manifestiert sich in dieser Zeichnung, die eine Angeklagte im Hexenhaus zeigt. Diese Frau ist mit einem massiven Geschirr aus Ketten und Eisen sitzend auf einem Holzblock dargestellt. Ihre Fussfesseln sind mit einer Kette an dem Geschirr befestigt, dass seinerseits widerum an einem Haken mit der Wand verbunden ist. Damit die "HEXE" nicht trotzdem entfliehen kann, ist ihr Oberkörper in einer Art Harnish aus Metall eingepackt.

Hintergrund: Der Vorwurf gegen diese Angeklagte lautete auf "Buhlschaft mit dem Teufel" - man befürchtete also wirklich, dass sich der Teufel nachts seine Geliebte wieder zurück holen wollte. Um dies zu verhindern, wurde die Angeklagte eben fest mit der Wand des Hauses verbunden und musste so - wahrscheinlich jede Nacht - bis zu ihrer Hinrichtung in diesem Harnish und in dieser Haltung leiden. Man muss sich selbst einmal vorstellen, wie und ob man eine einzige Nacht unter diesen Umständen erleben würde.

Dennoch zeigt sich an diesem Beispiel wie die Bürger der Stadt und ihre Scharfrichter in dem von der Obrigkeit veranlassten Hexenwahn lebten und diese Horrorgeschichten auch wirklich glaubten.

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