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Sonntag, 16. März 2008

… ein Mindestmaß an Reverenz

Aus dem Vorwort von Dr. Britta Gehm:


"Die Fülle des Materials und die große Anzahl der namentlich überlieferten Opfer machte es unmöglich, jedes Schicksal so zu würdigen, wie es die betroffenen Menschen verdient hätten. Um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen und den Opfern trotzdem ein Mindestmaß an Reverenz zu erweisen, wurde im Anhang eine chronologische Liste aller namentlich zu ermittelnden Opfer im Hochstift Bamberg angefügt (insgesamt 884 Personen).

Diese Liste enthält in aller Kürze die wichtigsten Prozeßdaten, - verläufe und Angaben zur Person des jeweiligen Opfers. Weiter gibt sie die archivalischen Fundstellen an. Sie diente als Grundlage der statistischen Auswertungen und trägt hoffentlich zur besseren Erschließung der Archivbestände in Bamberg bei, um potentiellen zukünftigen Bearbeitern den Zugang zu den Prozeßakten zu erleichtern. "

Aus den über 800 Inquisitionsopfern haben wir eine erste Auswahl getroffen, die wir für "representativ" halten. In der angesprochenen Datenbank kann man natürlich ALLE Akten nachlesen, doch es geht jetzt darum, Fälle herauszusuchen, die stellvertretend für gewisse Vorgehensweisen der BAMBERGER INQUISITOREN sind.

Deshalb wurden 26 (nach der Anzahl der Zellen im Hexenhaus) Schicksale ausgewählt, die wir hier namentlich vorstellen:

1. Haan, Dr. Georg

2. Junius, Johannes

3. Neudecker, Georg

4. Cötzner, Michael

5. Eder, Georg

6. Morhaubt, Hans

7. Zerrer, Georg

8. BitteI, Georg Daniel

9. Flock, Dorothea

10. Peßlerin, Ottilia

11. Beehrin, Anna

12. Haan, Ursula

13. Haan, Maria Ursula

14. Schadin, Anna

15. Schlauchin, Barbara

16. Neüdeckerin, Magdalena

17. Babel, Anna

18. Marrin, Maria Rosina

19. Schüblin, Anna

20. Breunin, Margreth

21. Ripel, Margretha

22. Höpflerin, Gertraut

23. Düßlin, Anna

24. Rehm, Adam

25. Richter, Albert

26. Schwartzin, Barbara

Die Nennung der ersten Opfer ist klar - zumindest, wenn man schon ein wenig Einblick in die Materie hat. Hinter jedem weiteren Namen steht ein Schicksal, dass sich von den Anderen durch gewisse Prozess-, Gefangenschafts- bzw. Foltermethoden unterscheidet.

Sicherlich kann man auch andere Schicksale in Betracht ziehen, doch wir haben jetzt eben diese Auswahl getroffen (die sich auf verschiedenen Posten auch noch durchaus ändern kann).

Diese 26 Fälle wollen wir mit allen Daten als interaktive Kompostion in das digitale MALEFIZ- HAUS implementieren, damit man nach dem Studieren dieser Schicksale den bestmöglichen Überblick über die Bamberger Gesamtsituation gewinnen kann.

Grundvorraussetzung dafür wäre logischerweise, dass man uns die angeforderten Datensätze rechtzeitig zugänglich macht ...

Samstag, 15. März 2008

Datenbank eingerichtet

Was kann eine Datenbank der Opfer für das weitere Verständnis für uns tun?

Zuallererst macht so eine Datenbank ja nur dann Sinn, wenn man hinterher auch etwas damit anfangen will - doch die Arbeit könnte sich lohnen, denn sobald so eine Datenbank von mehreren Seiten gefüttert und gewartet wird, kann sich diese Sammlung gut für eigene Forschungen oder Mitarbeit anbieten.

Unter

http://www.murphys-outlaw.com/opferliste.pdf

kann man sich also erstmal eine einfache PDF-Opferliste herunterladen, die zumindest die Namen aller bakannten Opfer enthält. Das ist also die einfachste Form einer Datenbank.

Die Zwischenstufen lassen wir erst einmal weg und widmen uns gleich der endgültigen Ausbaustufe dieser Software - und was die dann auch mindestens können muss:


Als Beispiel: wenn wir die durchschnittliche Haftdauer der Opfer aus den Akten auslesen - dann die Anzahl der Zellen mit der Anzahl der Monate (die das Malefiz Haus existierte) multipliziert - und dem anderen Koeffizienten dividiert, dann kommt man so auf einen Wert, der die Anzahl der wirklichen Gefangenen angibt. (ähnlich Hotelsoftware)

Der richtige Clou einer solchen historischen Datenbank wäre aber ein ganz Anderer:

Man nehme die Original-Akten aus den Archiven (die es erfeulicherweise schon gescanned auf CD/DVD gibt) und verknüpfe diese Tausende von Originalakten (mit Transkription, so vorhanden) mit diesen Namen. Dann hat man mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand eine Art Mini-Wikipedia (man möge mir auch diesen Vergleich verzeihen) geschaffen, die nur noch auf einem anständigen Server (wie wäre es mit der UNI/Bamberg oder der Server der STADT BAMBERG) öffentlich gepostet werden muß.

Wäre das nicht spannend?

Sonntag, 9. März 2008

Welterbe-Dokumente als Packpapier



Die 3 wichtigsten wissenschaftlichen Quellen zur Erforschung der Bamberger Inquisitionsgeschichte sind:

1. der JUNIUS-Brief (im Original im Staatsarchiv Bamberg)

2. der Kupferstich von Mathäus Merian (der im Auftrag des Fürstbischof Johann Georg II Fuchs von Dornheim angefertigt wurde)

3. ein zwar nicht vollständige Sammlung der Akten des Landgerichts Bamberg, die wir nur einem "Zufall" zu verdanken haben, den Frau Dr. Britta Gehm in Ihrem Buch:
Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung
beschreibt.

Das Zitat aus dem Forschungsvorwort dieses Buches:

"Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, daß mehrere tausend Folioseiten Prozeßakten, Testamente, Speisezettel und Briefwechsel erhalten blieben.

Diese Papiere wurden zwischen 1830 und 1840 vom Landgericht Bamberg anläßlich einer Entrümpelungsaktion auf dem Schrannenplatz versteigert. Dort erwarb sie ein Seifensieder und Spezereiwarenhändler namens Bayer, der sein Geschäft in der Dominikanergasse 7 hatte.

Er legte sie auf seinen Tresen, um sie als Einwickelpapier für seine Waren zu verwenden.

Ein Kunde, der historisch interessierte Johann Adam Messerschmidt, stellte kurz darauf fest, daß seine gerade gekauften Nägel in alte Hexenprozeßakten verpackt waren. Er kehrte daraufhin zu dem Händler zurück und kaufte den gesamten noch vorhandenen Aktenstoß auf.

Seine Erben vermachten diese Akten später der Staatsbibliothek Bamberg, wo sich noch heute der ganz überwiegende Teil der Prozeßunterlagen befindet. Ein kleiner Teil der überlieferten Aktenbestände befindet sich im Staatsarchiv Bamberg und im Stadtarchiv Bamberg, insbesondere die meisten Unterlagen zu den Prozessen gegen die Kanzlerfamilie Haan.

Darüber hinaus standen Materialien der Handschriftensammlung in der Cornell University Library in Ithaca, New York zur Verfügung. Diese Unterlagen wurden 1905 von dem Münchener
Antiquariat Emil Hirsch an Georg Lincoln Burr in Ithaca verkauft, mit dessen Nachlaß sie in die dortige Universitätsbibliothek eingingen.

Wie das Münchener Antiquariat in den Besitz dieser Stücke kam, ist nicht bekannt.

Graf von Lamberg benutzte diese Dokumente noch für seine Arbeit aus dem Jahre 1835. Bereits 1883 waren sie aus den Bamberger Beständen verschwunden, da Pius Wittmann nur noch auf die Zitate des früheren Bearbeiters Graf von Lamberg zurückgreifen konnte. Um so wertvoller ist es, daß auch diese Bestände nun, dank der Initiative der Staatsbibliothek Bamberg, als MikrofIlm in Deutschland wieder zugänglich sind.

Das Tagebuch des Zeiler Bürgermeisters Hans Langhans befindet sich im Staatsarchiv Würzburg.

Die Fülle des Materials und die große Anzahl der namentlich überlieferten Opfer machte es unmöglich, jedes Schicksal so zu würdigen, wie es die betroffenen Menschen verdient hätten.

Um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen und den Opfern trotzdem ein 'Mindestmaß an Reverenz zu erweisen, wurde im Anhang eine chronologische Liste aller namentlich zu
ermittelnden Opfer im Hochstift Bamberg angefügt (insgesamt 884 Personen)."

Auch alle weiteren von Dr. Gehm beschriebenen Quellen sollten uns zur Vorbereitung des Vortrages und der Ausstellung ohne großen bürokratischen Aufwand zur Verfügung stehen ...
doch wie und wann wird jetzt ernsthaft über die logistischen Rahmenbedingungen dieses Projekts verhandelt werden?

Mittwoch, 5. März 2008

Das Buch von Dr. Britta Gehm



ist dann doch noch einen Zacken härter, als ich zuerst dachte - und dabei bin ich noch nicht einmal ganz damit fertig.


Trotz der akribischen Aufarbeitung von Dr. Gehm wird schon im Vorwort klar gestellt, dass die aufgefundenen Akten nicht komplett sind, was eine noch größere Opferzahl als die dokumentierten 884 Aktensätze ausweisen, vermuten läßt.

Folgende Fakten sind belegt:

Noch vor der ersten Folter wurden einer Delinquentin entgegen dem ausdrücklichen
Verbot in Art. 56 Carolina und Art. 68 Bambergensis Suggestivfragen gestellt.

Entgegen strengster Anordnung in der BAMBERGENSIS und der CAROLINA wurden in Bamberg auch schwangere Frauen inhaftiert und gefoltert.

Ein Henkersknecht hat zwei inhaftierte Frauen geschwängert und ist mit den beiden Frauen geflohen - was eindeutigt beweist, dass die inhaftierten Frauen auch sexuell gefoltert wurden.

Entgegen der gängigen Folterpraxis, dass ein Delinquent nicht öfters als 3 mal gefoltert werden durfte, wurde dies in Bamberg mit folgendem Trick umgangen: die Folter wurde nicht an einem tag "beendet" sondern nur "unterbrochen", was den Folterknechten somit eine unbegrenzte Folterdauer gewährte.

Das sind also ganz klar definierte und aus den Akten beweisbare Rechtsbrüche - und ich habe erst die Hälfte des Buches gelesen.

Deshalb wird die abschliessende Analyse noch ein paar Tage auf sich warten lassen.

Bemerkenswert ist vielleicht noch folgender Satz von Dr. Gehm im Vorwort: "Die Veröffentlichung der Arbeit wurde durch Druckkostenzuschüsse des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg und des Bürgermeisters der Stadt Bamberg erleichtert. "

Friedrich Spee von Langenfeld (Kritiker der Hexenprozesse und Schriftsteller)

schrieb folgendes über die Chancen der angeklagten Hexenopfer:


Sie (die Verhaftete) kann sich ja niemals,
wie die Gesetze es haben wollten, durch Überstehen
der Tortur reinigen und das ihr einmal angehängte Verbrechen abschütteln.

Es wäre beschämend für die Inquisitoren, eine einmal
gefangene Person so wieder heraus zu lassen.
Wen sie erst einmal gefangen haben, der muß um jeden Preis schuldig sein.

Wenn sie so umkommen muß, ob sie ein Geständnis abgelegt
hat oder nicht, dann möchte ich um der Liebe Gottes willen wissen,
wie hier irgend jemand, er sei noch so unschuldig, soll entrinnen können?

Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht gleich beim ersten Betreten des Kerkers für schuldig erklärt? Törichtes, verblendetes Weib, warum willst du den Tod so viele Male erleiden, wo du es nur einmal Zu tun brauchtest?

Nimm meinen Rat an, erkläre dich noch vor aller Marter für schuldig und stirb.
Entrinnen wirst du doch nicht.

Das ist letzten Endes die unselige Folge des frommen Eifers Deutschlands.



Dienstag, 12. Februar 2008

It´s a beautiful day...

denn heute hat das Projekt MALEFIZ-HAUS eine ganz wichtige Hürde genommen - ich behaupte sogar: zwei wichtige Hürden.

In den vergangenen ca 10 Tagen haben wir in vielen Diskussionen und Modellen eine konkrete Vision entwickelt, wie so eine Ausstellung wirklich aussehen könnte.

Ich möchte mich also vor allem bei den Leuten ganz herzlich bedanken, die hier in meiner Küche sitzen und sich am Telefon oder im WWW stundenlang mit mir über die verschiedenen Aspekte der Ausstellung, des Films, etc unterhalten und mir somit geholfen haben, dieses Projekt zu entwickeln.

Aus einem dieser Meetings hatte sich damals, durch eine ganz banale Beobachtung eines Freundes, der genaue Standort des MALEFIZ HAUSES errechnen lassen - und sonst sind es manchmal Bücher, Links, Fotos und weitere Kontakte die wieder neues Material liefern.

Bitte schickt mir weiter Alles, was Euch zu diesem Thema einfällt.

Trotzdem war gerade mein letzter Aufenthalt in Bamberg ein echter Haupt-Gewinn für dieses Projekt, denn ich habe mehrere wichtige Menschen kennen gelernt, bzw. wieder getroffen, die maßgeblich für die Umsetzung verantwortlich sein könnten.

Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Karin Dengler Schreiber, die mit ihrem gestrigen Artikel ein wichtiges Ausrufezeichen gesetzt hat: erstmals wurde den Lesern des FRÄNKISCHEN TAGS in kurzen Worten mitgeteilt, was da evtl schon bald auf die Stadt Bamberg zu kommt.

Damit ist die öffentliche Diskussion eröffnet - mal sehen, was die die Leserbrief-Seite des FT in den nächsten Wochen so liefern wird. Doch viel wichtiger ist, dass wir nun schon bald in eine konkrete Phase eintreten können - Projektierung, Finanzierung und Marketing einer Ausstellung, die es so nicht gegeben hat.

Es sind noch knapp 200 Tage ...

Mittwoch, 16. Januar 2008

Gute Nachrichten aus Wien

Das ist ein Kupferstich der den Reichshofrat in Wien darstellt.

An genau 15 Sitzungstagen hatte sich das höchste Gericht des heiligen römischen Reiches mit der Inquisitionspraxis im Fall Bamberg auseinanderzusetzen.

Alle Angaben zu den 15 Sitzungstagen wurden aus den Originalakten der reichshofrätlichen Resolutionsprotokolle gewonnen und in einem Buch verarbeitet, das von Frau Dr. Britta Gehm herausgegeben wurde:

Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung

Nach unserer Korrespondenz mit Frau Dr. Eva Ortlieb vom Haus-, Hof- und Staatsarchiv wissen wir jetzt, dass es keine weiteren Akten in Wien gibt, die nicht in diesem Buch abgehandelt werden ...

Donnerstag, 10. Januar 2008

18 Seiten Konzept fertig ...


und auf den Weg gebracht ... Schlussendlich ist dieser Plan mal wieder "generell unmöglich" - "viel zu wenig Zeit" - "blödsinnige Zeitverschwendung", etc. etc.

Kann schon sein, dass es knapp wird - aus eigener Erfahrung kann ich darauf aber nur Eines antworten: wenn es 1987 möglich war, dass wir in 220 Tagen (mehr waren es nicht) eine private Rundfunkstation (Fun Boy Radio 88.5 mHz) mit anfänglich 32 Mitarbeitern und 3 Studios in Bamberg "installiert haben" - dann behaupte ich: es muß möglich sein, diese Aufgabe zu lösen.

Da ich bis jetzt nicht einen Cent verdient habe - und ich im Gegenzug dazu ein paar Tausend Stunden mit dieser "Geschichte" verbracht habe - stellt sich wirklich die Frage, warum ich mir diesen "Schuh anziehe"?

Aber da wir ja noch knappe 9 Monate Zeit haben, wird der Leser dieses Blogs schon noch mitbekommen, warum es - zumindest für mich - im M oment keinen interessanteren Job geben kann, als die verschwundene Geschichte meiner Heimatstadt zu erforschen ...


Eines der letzen technischen Probleme ist für mich seit gestern gelöst, denn APPLE hat endlich seine neuen MAC PRO WORKSTATIONS vorgestellt: damit wird es uns möglich sein die gewünschten Animationen und Kameraflüge um, und in das MALEFIZ HAUS in photorealistischer Qualität (HDTV 1920) zu produzieren.

Der Rechner wird in 2 Wochen geliefert und dann kanns von unserer Seite aus losgehen ...

Bis dahin gibts mal aussnahmsweise kein historisches Bild zum Thema, sondern einen kleinen Einblick in das OPTIMOOD STUDIO - so heisst diese Location hier im Fachjargon ...

... das Konzept wird Bamberg also die nächsten Tage erreichen ...