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Dienstag, 1. April 2008

Bamberg bekennt sich zu seiner Vergangenheit - im Jahr 2016

Der Durchbruch in der Aufarbeitung der Bamberger Hexenverfolgung ist geschafft - hier nun die ersten - fast noch geheimen - Details, was die Stadt Bamberg in den Jahren bis 2016 auf die Beine stellen wird, um eine der größten Mordserien des Mittelalters standesgemäß und wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Fest steht: es wurde von Seiten des Kulturamts anerkannt, dass es bei Vergangenheitsbewältigung Bambergs gravierende Lücken gibt, die nur mit wissenschaftlicher Akribie in ca 7 Jahren abgearbeitet werden können, um dann eben im Jahr 2016 eine Ausstellung über die Bamberger Inquisitionsgeschichte auszurichten - diese Aussage gibt es schriftlich.

Jetzt wird sich mancher Bamberger Bürger fragen, aus welchem Grunde für diesen Plan ganze 8 (acht) Jahre benötigt werden, doch dieser BLOG bringt den ganzen Plan ans Licht der Öffentlichkeit.

Die geplanten Maßnahmen mögen auf den ersten Blick vielleicht etwas radikal erscheinen, doch das "heikle Thema" und über 1000 unschuldigen Folteropfer fordern ihren Tribut. Man kann diese vergessenen Morde nicht mit ein paar Akten an einer weissen Wand ehren - man muß die Atmosphäre der damaligen Zeit und die damit verbundenen Zustände "erlebbar machen", weshalb man sich seitens der Stadt erfreulicherweise dafür entschieden hat, dieses Thema mit allen zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Forschungsmaßnahmen zu erforschen um dann eine einmalige Installation zu errichten.

Der Plan

Schritt 1: es werden Verhandlungen geführt mit den Besitzern der Anwesen Franz Ludwig Strasse 7 und den beiden umliegenden Häusern.
Die Besitzer müssen ihre Häuser an die Stadt verkaufen, da diese Gebäude im Rahmen archäologischer Ausgrabungen schon im Jahr 2009 abgerissen werden.

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Methoden, die bei der Erforschung des Terrains zum Einsatz kommen: Magnetresonanzverfahren, Boden- bzw. Erdverdichtungsanalsen, Genanalysen von Bodenablagerungen etc. die nach ihrer Auswertung eine millimetergenaue Lokalisierung aller Gebäudeteile des Malefizhauses erlauben.

Schritt 2: da die Sandsteine des Malefizhauses nach dessen Abriss im Jahr 1635 im nahe liegenden Jesuitenkloster verbaut worden sind, hat sich die Stadt Bamberg schweren Herzens dazu durchgerungen, auch dieses Kloster, Stein für Stein abzutragen, um die entsprechenden Sandsteine nach Spuren der Opfer und Einritzungen zu untersuchen. Nach Auswertung aller forensischen Untersuchungen kann das Kloster im jetzigen Originalzustand wieder aufgebaut werden. Einzelne aussagekräftige Steinfunde werden durch anzufertigende Replikas ersetzt.
Dieser Projektteil ist konzipiert für die Jahre 2012 bis 2014.

Diese Maßnahmen werden sicherlich für einige Behinderungen im Strassenverkehr nach sich ziehen, doch jeder Bamberger Bürger, der wirklich an der wahren Geschichte unserer Heimatstadt interessiert ist, wird die entstehenden Unannehmlichkeiten mit Sicherheit ohne Murren ertragen - es geht schließlich um unser gemeinsames Welterbe und damit um unsere Geschichte.

Schritt 3: Der Brief von Johannes Junius wird beim UNESCO - Memory of the World-Register zur Aufnahme in die Liste vorgeschlagen.

Schritt 4: Auch das Malefiz-Haus wird im Programm „Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit“ bei der UNESCO als weltweit einmaliges Folter-und Isolationsgefängnis eingereicht - nur noch einmal zu Erinnerung: es gab nirgendwo auf der Welt ein vergleichbares Gebäude.

Schritt 5: Um den Opfern nach mehr als 300 Jahren endlich ein standesgemäßes Mahnmal zu widmen, standen in den letzten Wochen verschiedene Modelle zur Auswahl: Die Vorschläge der Stadt Bamberg waren zuerst mehr als frugal: es wurden die "VILLA DESSAUER" und der "Keller des historischen Museums" als Standort für die Ausstellung ins Spiel gebracht, was angesichts der heiklen Thematik einfach nicht in Frage kommt.

Unser Vorschlag eine begehbare Installation in Form einer Zeltkonstruktion auf dem Maxplatz zu errichten, war zumindest in der richtigen Größenordnung - trotzdem in Wirklichkeit eine aus der Not geborene Lösung, da diese Installation ja lediglich auf 2 Monate ausgelegt war.

Fazit: Um den Opfern eine wahrhaft ehrwürdige und langfristige Referenz zu erweisen hat die Stadt Bamberg ein wirklich sensationelles Konzept entwickelt, dass bei genauer Betrachtung die einzige würdige Realisation wiedergibt.

Die angesprochenen Gebäude in der Franz-Ludwig-Strasse werden deshalb nach Beendigung der Ausgrabungen nicht wieder aufgebaut.

An ihrer Stelle wird in den Jahren 2014-2016 ein maßstabsgetreuer Nachbau des MALEFIZ HAUSES entstehen, der dem Original in allen Details nachempfunden ist - inklusive Folterhaus und Teilen der alten Stadtmauer.

Beschreibungen und dem Kupferstich von Matthäus Merian zu Folge, war das MALEFIZ HAUS ein prunkvolles Gebäude. Somit wird der Nachbau eine deutliche Aufwertung der ungeliebten Promenade sein - und ein einmaliger Tourismus-Magnet, der die entstehenden Kosten langfristig mehr als einspielen wird - als eigenständiges Museum über die katholische Inquisitionsfolter und die Hexenverfolgung.

Das läßt den Verlust der jetzigen Häuser an dieser Stelle geradezu marginal erscheinen. Dieses Projekt wird die Stadt Bamberg auch medientechnisch weit nach Vorne bringen, denn nur durch diese umsichtige langfristige Planung kann das hehre Ziel einer adequaten Vergangenheitsbewältigung auch wirklich nachvollziehbar umgesetzt werden.

Alles andere wäre eine nicht zu verantwortende Flickschusterei - ein Frevel an der Geschichte - eine Geringschätzung der Wahrheit und somit inakzeptabel.

Die Bevölkerung hat schließlich lange genug auf eine verantwortungsvolle Aufarbeitung dieser mörderischen Geschichte warten müssen.

Um das MALEFIZ-HAUS jetzt schon an seinem zukünftigen Originalschauplatz zu begutachten, wurde ein virtueller Nachbau dieses Gebäudes bei GOOGLE EARTH eingestellt - bitte klicken Sie auf den nachfolgenden LINK um das KMZ-File direkt bei der GOOGLE EARTH-Community herunter zu laden.

http://bbs.keyhole.com/ubb/showflat.php/Cat/0/Number/993470/an/0/page/0/gonew/1#UNREAD







Dann einfach Doppelklicken auf das KMZ-File auf dem Schreibtisch Ihres Computers und schon fliegen Sie direkt in die Franz-Ludwig-Strasse 7 in Bamberg, und blicken somit nicht nur in die Vergangenheit der Jahre 1627 bis 1635, sondern gleichzeitig auch in die Zukunft einer historischen Universitätsstadt, die sich langsam aber sicher von den Fesseln einer verleugneten Vergangenheit befreit.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wenn Sie den Button (ATOM-FEED) ganz unten auf dieser Seite aktivieren, dann bekommen Sie alle Nachrichten über dieses sensationelle Ausstellungsprojekt in Bamberg, sofort nach deren Veröffentlichung.

Ich bedanke mich schon jetzt für Ihren Kommentar.

Herzlichst

Ihr

R.J. Kloos

Donnerstag, 20. März 2008

Was ein Anruf nicht alles bewirken kann...

Wenn man sich schon das 10-te Jahr mit der Erforschung der Inquisitionsgeschichte (zugegebenermaßen "hobbymäßig") beschäftigt, dann meint man durchaus, "die wesentlichen Fakten einigermaßen zu kennen", doch nach der Lektüre dieses angesprochenen Buches von Dr. Britta Gehm, wurde ich eines Besseren belehrt.

Fakt ist, dass mich dieses Buch geradezu gefesselt hat - die wissenschaftliche Arbeit der Autorin mit hunderten von Quellenangaben ist schwer zu verdauen, was nicht nur an den zahllosen Namen und den lateinischen Aktenzitaten liegt, sondern vor Allem an der Tatsache, dass mir persönlich regelrecht schlecht wurde.

Aus den Akten wird ersichtlich, dass 2 kaiserliche Mandate des Reichshofgerichtsrates vom Fürstbischof Dornheim ignoriert wurden - selbst ein päpstlicher Schutzbrief blieb im Fall Dorothea Flock (22 Jahre) ohne Wirkung, und so ist es eigentlich kein Wunder, dass es wegen keiner Stadt im gesamten HEILIGEN RÖMISCHEN REICH mehr Beschwerdeprozesse wegen begangener Foltergrausamkeiten und Korruption vor dem kaiserlichen Reichshofrat in Wien gab, als wegen Bamberg ( 15 Prozesse ) - auf Platz 2 liegt dann abgeschlagen mit 8 Beschwerden die Stadt Vaduz (Liechtenstein).

Diese und viele weitere Tatsachen werden ausführlich in dem angesprochenen wissenschaftlichen Sachbuch "Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung" behandelt, was mich zu dem Vergleich veranlasst, dieses Buch als die
Bibel der Bamberger Inquisitionsgeschichte zu bezeichnen:

Wer auch immer in Bamberg, den Begriff WELTERBE guten Gewissens in den Mund nimmt, der sollte vorher wirklich dieses Buch lesen - alles andere ist - meiner unwesentlichen Meinung nach - reine Bigotterie.

Doch wo kann man dieses Buch eigentlich erwerben?

Antwort: Nirgendwo, denn die 2 Auflagen von je 500 Einheiten sind seit langem vergriffen, weshalb ich weder bei AMAZON, BUCH.DE, beim Georg Olms-Verlag noch in 4 Bamberger Buchläden fündig wurde.

Deshalb war es umso erbaulicher, heute ein Gespräch mit Frau Dr. Doris Wendt vom Olms-Verlag zu führen.

Fazit: es wird schon in wenigen Tagen eine dritte Auflage dieses Werkes von Dr. Britta Gehm geben - und das ist doch wirklich eine sehr positive Entwicklung, denn auch Frau Dr. Wendt findet die Anmeldung zum DEUTSCHEN DENKMAL ein "UNTERSTÜTZENSWERTES PROJEKT". Vielen Dank.

Jetzt müssten es nur noch all jene Menschen lesen, die mit dem Begriff WELTERBE Geschäfte machen, Eindruck schinden, Informationen manipulieren und somit tagtäglich jeden Schüler, Studenten, Touristen und Einheimischen über die "WAHRE GESCHICHTE DER STADT BAMBERG"

Sonntag, 16. März 2008

… ein Mindestmaß an Reverenz

Aus dem Vorwort von Dr. Britta Gehm:


"Die Fülle des Materials und die große Anzahl der namentlich überlieferten Opfer machte es unmöglich, jedes Schicksal so zu würdigen, wie es die betroffenen Menschen verdient hätten. Um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen und den Opfern trotzdem ein Mindestmaß an Reverenz zu erweisen, wurde im Anhang eine chronologische Liste aller namentlich zu ermittelnden Opfer im Hochstift Bamberg angefügt (insgesamt 884 Personen).

Diese Liste enthält in aller Kürze die wichtigsten Prozeßdaten, - verläufe und Angaben zur Person des jeweiligen Opfers. Weiter gibt sie die archivalischen Fundstellen an. Sie diente als Grundlage der statistischen Auswertungen und trägt hoffentlich zur besseren Erschließung der Archivbestände in Bamberg bei, um potentiellen zukünftigen Bearbeitern den Zugang zu den Prozeßakten zu erleichtern. "

Aus den über 800 Inquisitionsopfern haben wir eine erste Auswahl getroffen, die wir für "representativ" halten. In der angesprochenen Datenbank kann man natürlich ALLE Akten nachlesen, doch es geht jetzt darum, Fälle herauszusuchen, die stellvertretend für gewisse Vorgehensweisen der BAMBERGER INQUISITOREN sind.

Deshalb wurden 26 (nach der Anzahl der Zellen im Hexenhaus) Schicksale ausgewählt, die wir hier namentlich vorstellen:

1. Haan, Dr. Georg

2. Junius, Johannes

3. Neudecker, Georg

4. Cötzner, Michael

5. Eder, Georg

6. Morhaubt, Hans

7. Zerrer, Georg

8. BitteI, Georg Daniel

9. Flock, Dorothea

10. Peßlerin, Ottilia

11. Beehrin, Anna

12. Haan, Ursula

13. Haan, Maria Ursula

14. Schadin, Anna

15. Schlauchin, Barbara

16. Neüdeckerin, Magdalena

17. Babel, Anna

18. Marrin, Maria Rosina

19. Schüblin, Anna

20. Breunin, Margreth

21. Ripel, Margretha

22. Höpflerin, Gertraut

23. Düßlin, Anna

24. Rehm, Adam

25. Richter, Albert

26. Schwartzin, Barbara

Die Nennung der ersten Opfer ist klar - zumindest, wenn man schon ein wenig Einblick in die Materie hat. Hinter jedem weiteren Namen steht ein Schicksal, dass sich von den Anderen durch gewisse Prozess-, Gefangenschafts- bzw. Foltermethoden unterscheidet.

Sicherlich kann man auch andere Schicksale in Betracht ziehen, doch wir haben jetzt eben diese Auswahl getroffen (die sich auf verschiedenen Posten auch noch durchaus ändern kann).

Diese 26 Fälle wollen wir mit allen Daten als interaktive Kompostion in das digitale MALEFIZ- HAUS implementieren, damit man nach dem Studieren dieser Schicksale den bestmöglichen Überblick über die Bamberger Gesamtsituation gewinnen kann.

Grundvorraussetzung dafür wäre logischerweise, dass man uns die angeforderten Datensätze rechtzeitig zugänglich macht ...

Samstag, 15. März 2008

Datenbank eingerichtet

Was kann eine Datenbank der Opfer für das weitere Verständnis für uns tun?

Zuallererst macht so eine Datenbank ja nur dann Sinn, wenn man hinterher auch etwas damit anfangen will - doch die Arbeit könnte sich lohnen, denn sobald so eine Datenbank von mehreren Seiten gefüttert und gewartet wird, kann sich diese Sammlung gut für eigene Forschungen oder Mitarbeit anbieten.

Unter

http://www.murphys-outlaw.com/opferliste.pdf

kann man sich also erstmal eine einfache PDF-Opferliste herunterladen, die zumindest die Namen aller bakannten Opfer enthält. Das ist also die einfachste Form einer Datenbank.

Die Zwischenstufen lassen wir erst einmal weg und widmen uns gleich der endgültigen Ausbaustufe dieser Software - und was die dann auch mindestens können muss:


Als Beispiel: wenn wir die durchschnittliche Haftdauer der Opfer aus den Akten auslesen - dann die Anzahl der Zellen mit der Anzahl der Monate (die das Malefiz Haus existierte) multipliziert - und dem anderen Koeffizienten dividiert, dann kommt man so auf einen Wert, der die Anzahl der wirklichen Gefangenen angibt. (ähnlich Hotelsoftware)

Der richtige Clou einer solchen historischen Datenbank wäre aber ein ganz Anderer:

Man nehme die Original-Akten aus den Archiven (die es erfeulicherweise schon gescanned auf CD/DVD gibt) und verknüpfe diese Tausende von Originalakten (mit Transkription, so vorhanden) mit diesen Namen. Dann hat man mit verhältnismäßig überschaubarem Aufwand eine Art Mini-Wikipedia (man möge mir auch diesen Vergleich verzeihen) geschaffen, die nur noch auf einem anständigen Server (wie wäre es mit der UNI/Bamberg oder der Server der STADT BAMBERG) öffentlich gepostet werden muß.

Wäre das nicht spannend?

Sonntag, 9. März 2008

Welterbe-Dokumente als Packpapier



Die 3 wichtigsten wissenschaftlichen Quellen zur Erforschung der Bamberger Inquisitionsgeschichte sind:

1. der JUNIUS-Brief (im Original im Staatsarchiv Bamberg)

2. der Kupferstich von Mathäus Merian (der im Auftrag des Fürstbischof Johann Georg II Fuchs von Dornheim angefertigt wurde)

3. ein zwar nicht vollständige Sammlung der Akten des Landgerichts Bamberg, die wir nur einem "Zufall" zu verdanken haben, den Frau Dr. Britta Gehm in Ihrem Buch:
Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung
beschreibt.

Das Zitat aus dem Forschungsvorwort dieses Buches:

"Einem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, daß mehrere tausend Folioseiten Prozeßakten, Testamente, Speisezettel und Briefwechsel erhalten blieben.

Diese Papiere wurden zwischen 1830 und 1840 vom Landgericht Bamberg anläßlich einer Entrümpelungsaktion auf dem Schrannenplatz versteigert. Dort erwarb sie ein Seifensieder und Spezereiwarenhändler namens Bayer, der sein Geschäft in der Dominikanergasse 7 hatte.

Er legte sie auf seinen Tresen, um sie als Einwickelpapier für seine Waren zu verwenden.

Ein Kunde, der historisch interessierte Johann Adam Messerschmidt, stellte kurz darauf fest, daß seine gerade gekauften Nägel in alte Hexenprozeßakten verpackt waren. Er kehrte daraufhin zu dem Händler zurück und kaufte den gesamten noch vorhandenen Aktenstoß auf.

Seine Erben vermachten diese Akten später der Staatsbibliothek Bamberg, wo sich noch heute der ganz überwiegende Teil der Prozeßunterlagen befindet. Ein kleiner Teil der überlieferten Aktenbestände befindet sich im Staatsarchiv Bamberg und im Stadtarchiv Bamberg, insbesondere die meisten Unterlagen zu den Prozessen gegen die Kanzlerfamilie Haan.

Darüber hinaus standen Materialien der Handschriftensammlung in der Cornell University Library in Ithaca, New York zur Verfügung. Diese Unterlagen wurden 1905 von dem Münchener
Antiquariat Emil Hirsch an Georg Lincoln Burr in Ithaca verkauft, mit dessen Nachlaß sie in die dortige Universitätsbibliothek eingingen.

Wie das Münchener Antiquariat in den Besitz dieser Stücke kam, ist nicht bekannt.

Graf von Lamberg benutzte diese Dokumente noch für seine Arbeit aus dem Jahre 1835. Bereits 1883 waren sie aus den Bamberger Beständen verschwunden, da Pius Wittmann nur noch auf die Zitate des früheren Bearbeiters Graf von Lamberg zurückgreifen konnte. Um so wertvoller ist es, daß auch diese Bestände nun, dank der Initiative der Staatsbibliothek Bamberg, als MikrofIlm in Deutschland wieder zugänglich sind.

Das Tagebuch des Zeiler Bürgermeisters Hans Langhans befindet sich im Staatsarchiv Würzburg.

Die Fülle des Materials und die große Anzahl der namentlich überlieferten Opfer machte es unmöglich, jedes Schicksal so zu würdigen, wie es die betroffenen Menschen verdient hätten.

Um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen und den Opfern trotzdem ein 'Mindestmaß an Reverenz zu erweisen, wurde im Anhang eine chronologische Liste aller namentlich zu
ermittelnden Opfer im Hochstift Bamberg angefügt (insgesamt 884 Personen)."

Auch alle weiteren von Dr. Gehm beschriebenen Quellen sollten uns zur Vorbereitung des Vortrages und der Ausstellung ohne großen bürokratischen Aufwand zur Verfügung stehen ...
doch wie und wann wird jetzt ernsthaft über die logistischen Rahmenbedingungen dieses Projekts verhandelt werden?

Mittwoch, 5. März 2008

Das Buch von Dr. Britta Gehm



ist dann doch noch einen Zacken härter, als ich zuerst dachte - und dabei bin ich noch nicht einmal ganz damit fertig.


Trotz der akribischen Aufarbeitung von Dr. Gehm wird schon im Vorwort klar gestellt, dass die aufgefundenen Akten nicht komplett sind, was eine noch größere Opferzahl als die dokumentierten 884 Aktensätze ausweisen, vermuten läßt.

Folgende Fakten sind belegt:

Noch vor der ersten Folter wurden einer Delinquentin entgegen dem ausdrücklichen
Verbot in Art. 56 Carolina und Art. 68 Bambergensis Suggestivfragen gestellt.

Entgegen strengster Anordnung in der BAMBERGENSIS und der CAROLINA wurden in Bamberg auch schwangere Frauen inhaftiert und gefoltert.

Ein Henkersknecht hat zwei inhaftierte Frauen geschwängert und ist mit den beiden Frauen geflohen - was eindeutigt beweist, dass die inhaftierten Frauen auch sexuell gefoltert wurden.

Entgegen der gängigen Folterpraxis, dass ein Delinquent nicht öfters als 3 mal gefoltert werden durfte, wurde dies in Bamberg mit folgendem Trick umgangen: die Folter wurde nicht an einem tag "beendet" sondern nur "unterbrochen", was den Folterknechten somit eine unbegrenzte Folterdauer gewährte.

Das sind also ganz klar definierte und aus den Akten beweisbare Rechtsbrüche - und ich habe erst die Hälfte des Buches gelesen.

Deshalb wird die abschliessende Analyse noch ein paar Tage auf sich warten lassen.

Bemerkenswert ist vielleicht noch folgender Satz von Dr. Gehm im Vorwort: "Die Veröffentlichung der Arbeit wurde durch Druckkostenzuschüsse des Erzbischöflichen Ordinariats Bamberg und des Bürgermeisters der Stadt Bamberg erleichtert. "

Friedrich Spee von Langenfeld (Kritiker der Hexenprozesse und Schriftsteller)

schrieb folgendes über die Chancen der angeklagten Hexenopfer:


Sie (die Verhaftete) kann sich ja niemals,
wie die Gesetze es haben wollten, durch Überstehen
der Tortur reinigen und das ihr einmal angehängte Verbrechen abschütteln.

Es wäre beschämend für die Inquisitoren, eine einmal
gefangene Person so wieder heraus zu lassen.
Wen sie erst einmal gefangen haben, der muß um jeden Preis schuldig sein.

Wenn sie so umkommen muß, ob sie ein Geständnis abgelegt
hat oder nicht, dann möchte ich um der Liebe Gottes willen wissen,
wie hier irgend jemand, er sei noch so unschuldig, soll entrinnen können?

Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht gleich beim ersten Betreten des Kerkers für schuldig erklärt? Törichtes, verblendetes Weib, warum willst du den Tod so viele Male erleiden, wo du es nur einmal Zu tun brauchtest?

Nimm meinen Rat an, erkläre dich noch vor aller Marter für schuldig und stirb.
Entrinnen wirst du doch nicht.

Das ist letzten Endes die unselige Folge des frommen Eifers Deutschlands.



Dienstag, 12. Februar 2008

It´s a beautiful day...

denn heute hat das Projekt MALEFIZ-HAUS eine ganz wichtige Hürde genommen - ich behaupte sogar: zwei wichtige Hürden.

In den vergangenen ca 10 Tagen haben wir in vielen Diskussionen und Modellen eine konkrete Vision entwickelt, wie so eine Ausstellung wirklich aussehen könnte.

Ich möchte mich also vor allem bei den Leuten ganz herzlich bedanken, die hier in meiner Küche sitzen und sich am Telefon oder im WWW stundenlang mit mir über die verschiedenen Aspekte der Ausstellung, des Films, etc unterhalten und mir somit geholfen haben, dieses Projekt zu entwickeln.

Aus einem dieser Meetings hatte sich damals, durch eine ganz banale Beobachtung eines Freundes, der genaue Standort des MALEFIZ HAUSES errechnen lassen - und sonst sind es manchmal Bücher, Links, Fotos und weitere Kontakte die wieder neues Material liefern.

Bitte schickt mir weiter Alles, was Euch zu diesem Thema einfällt.

Trotzdem war gerade mein letzter Aufenthalt in Bamberg ein echter Haupt-Gewinn für dieses Projekt, denn ich habe mehrere wichtige Menschen kennen gelernt, bzw. wieder getroffen, die maßgeblich für die Umsetzung verantwortlich sein könnten.

Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Karin Dengler Schreiber, die mit ihrem gestrigen Artikel ein wichtiges Ausrufezeichen gesetzt hat: erstmals wurde den Lesern des FRÄNKISCHEN TAGS in kurzen Worten mitgeteilt, was da evtl schon bald auf die Stadt Bamberg zu kommt.

Damit ist die öffentliche Diskussion eröffnet - mal sehen, was die die Leserbrief-Seite des FT in den nächsten Wochen so liefern wird. Doch viel wichtiger ist, dass wir nun schon bald in eine konkrete Phase eintreten können - Projektierung, Finanzierung und Marketing einer Ausstellung, die es so nicht gegeben hat.

Es sind noch knapp 200 Tage ...