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Samstag, 12. Juli 2008

BAMBERGER ERFINDUNGEN - Teil 1

Das gefaltete Stüblein ( auch "Linsten-Stüblein" genannt - Deutsches Rechswörterbuch)

Diese Foltermethode ist zweifellos eine "Bamberger Erfindung" - es gibt in der gesamten historischen Literatur keinen Hinweis darauf, dass diese Foltermethode noch an anderen Orten praktiziert wurde (vergleiche: Bamberger Durstfolter, Bad im Kalkwasser, Bamberger Betstuhl). Zeil am Main gehörte zum Bistum Bamberg.

Nach unserer Recherche hatte die besagte Kammer eine Kantenlänge von 110 mal 110 Zentimeter - also etwas mehr als einen Quadratmeter. Der Boden bestand aus rautenförmigen Holzpyramiden - sonst war diese Zelle komplett leer.

Die Größe dieser Folter-Zelle ist alles andere als zufällig: wäre sie nur ca 20 cm größer (Kantenlänge), dann wäre es den Delinquenten unter Umständen möglich gewesen, sich diagonal - z.B. auf den Rücken zu legen und die Muskulatur dadurch einigermassen zu entspannen, in dem das Körpergewicht auf möglichst viel Fläche verteilt wird.

Bei einer durchschnittlichen Körpergröße der damaligen Menschen von ca 160 cm ist das flache Liegen in dieser Zelle also nicht möglich.

Wäre die Kammer dagegen ca 20 - 30 cm kleiner (Kantenlänge), dann wäre es unter Umständen möglich, sich zwischen den Mauern "zu verkeilen" - also einen Teil des eigenen Körpergewichts gegen die Wand zu verlagern (vergleiche: Schlot-Klettern)

Wie den Akten zu Entnehmen ist, sind manche Folteropfer schon nach einer Stunde in diesem Raum "zerbrochen" und haben ALLES ZUGEGEBEN, was man von ihnen verlangt hat.

Das gefaltelt stüblein (so linsten stüblein genent.) zimblichen effect thuet, und gestern ein starkhen gar ungehorsamen malefactorn, in einer stundt ferttig gemacht.
Datierung: 1628 Region/Autor/Textsorte: Bayern Fundstelle: v.Lamberg,HexProz. Beil. 18

Andere, vorherrschend weibliche Folteropfer, waren nach Aktenlage, aber mehr als 7 Stunden (!) in dieser Zelle eingesperrt.

Ausschlaggebend für die unvorstellbare Qual ist wahrscheinlich in erster Linie der so genannte Body-Mass-Index: ein schwerer Mann wird mehr Eigengewicht auf die Pyramidenspitzen des Fussbodens ausüben, als zum Beispiel eine vielleicht schon ausgemergelte weibliche Gefangene.

Eine moderne Gummizelle in psychatrischen Anstalten dient bekanntlich dazu, gefährdete Patienten "kalt zu stellen" - zu verhindern, dass diese Menschen sich selbst verletzen. Das "gefaltet Stüblein" ist so ziemlich genau das Gegenteil davon: gesunde Menschen wurden in diese Zelle gesteckt "damit sie darin wahnsinnig werden" und sich bis zu einem gewissen Grad selbst verletzen - und dann natürlich auch selbst belasten.

Zudem wurden die Opfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nackt in diese Zelle gesperrt. Sonst hätten sie wohl sofort ihre Kleidung ausgezogen (Drudenkittel) und als zusammengerolltes Sitzkissen zur dämpfenden Unterlage benutzt. Wie es in dieser Zelle nach den ersten Einsätzen aussah, will man sich gar nicht vorstellen... (Blut, Fäkalien).

Es gab demnach in dieser Folterkammer nur zwei "Aggregatzustände":

entweder schrie und wand sich das Opfer vor unerträglichen Schmerzen

oder es wurde irgendwann ohnmächtig.

Das es in dieser Zelle natürlich vollkommen unmöglich war, zu Schlafen, könnte man im weitesten Sinne auch behaupten, dass es sich bei dieser Folter um eine Form von Schlafentzug handelt. Da die Opfer aber nur zwischen 60 Minuten und 7.5 Stunden in dieser Zelle eingesperrt waren (und nicht über mehrere Tage), ist diese Theorie unsinnig.

Aus den Original-Akten ist zu entnehmen, dass z.B. einige der darin gefangenen Frauen blutende Verletzungen an den Unterschenkeln und Beinen erlitten hatten, was vielleicht den Rückschluss erlaubt, dass die gemarterten Opfer nach einer gewissen Zeit zusammengebrochen sein müssen und entweder hockend oder auf Knien verharrten und so auf ihre Entlassung aus dieser HORROR-Zelle warteten.

Je mehr man sich auf diesem Boden bewegt hat, umso schmerzhafter muss diese Folter gewesen sein, aber sie erfüllte anscheinend ihren Zweck.

Denn im Gegensatz z.B. zum Bad in gekalktem Wasser, dass kaum eine Delinquentin länger als einige Tage überlebte, war diese Folter zumindest nicht tödlich - wenn man davon absieht, dass die geständigen Hexen und Zauberer ziemlich zeitnah nach ihrer Einzelhaft im "gefaltet Stüblein" sowieso auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Weitere Informationen über das "gefaltet Stüblein" gibt es am 14.September 2008 - am TAG DES OFFENEN DENKMALS.

Mittwoch, 21. Mai 2008

Dienstag, 6. Mai 2008

Ein Rätsel für alle Bamberger WELTERBE-Fans

Hier ist eine wirklich spannende Aufgabe - ein Rätsel, dass sich erst vor ein paar Tagen gestellt hat.

Unter folgender Adresse kann sich Jedermann den digitalisierten Original-Kupferstich des Malefiz Hauses bei der bayerischen Staatsbibliothek herunterladen und auch ausdrucken.


http://mdzx.bib-bvb.de/amira/images/original/09_x_09_110.JPG


Wir behaupten: es gibt einen wirklich signifikanten Fehler in diesem Kupferstich.

Dieser Fehler besteht nicht darin, dass irgendwo eine Kleinigkeit fehlt oder falsch dargestellt wurde, sondern es ist wirklich ein grober nachvollziehbarer Fehler, den man trotzdem erst einmal finden muss.

Ich gebe zu: es ist bis vor ein paar Tagen weder mir, noch meinen Helfern aufgefallen, dass wir alle auf "Etwas" herein gefallen sind, dass nur durch 3 Möglichkeiten enstanden sein kann:

a) aus purem Zufall (eher unwahrscheinlich)

b) Unvermögen des Künstlers bei der technischen Ausführung (dann seht Euch einmal ein paar andere Arbeiten von Meister Matthäus Merian d.Ä. an)

c) aus politischem Kalkül - was natürlich direkt mit dem Auftraggeber dieses Kupferstichs zu tun hätte. (siehe vorangegangene Posts in diesem Blog).

So - mehr soll nicht verraten werden, denn jetzt ist es doch wirklich spannend, ob irgend ein geschichtsbewußter Logiker aus Bamberg erkennen wird, um welchen groben Fehler es sich handelt.

Falls dieses Rätsel bis zum 14.September 2008 ungelöst sein sollte, dann wird die Auflösung natürlich im Rahmen des Vortrags zum TAG DES OFFENEN DENKMALS vorgenommen werden.

Wenn ein Leser dieses Blogs allerdings schon vorher die korrekte Antwort einsenden sollte, dann wird die richtige Lösung selbstverständlich umgehend veröffentlicht.


Ob der dar gestellte Umstand für unser Geschichtsverständniss bezüglich der BAMBERGER HEXENVERFOLGUNG relevant ist? Wenn es um wirkliche Informationskompetenz geht - JA!

Vor allem wenn es sich um Fall "C" handelt, was bedeuten würde, dass sich die damaligen Empfänger dieses Kupferstich genauso "täuschen" lassen mussten, wie z.B. Wir und alle anderen Betrachter dieses Kupferstichs.

Und nichts anderes hat der Auftraggeber dieser Arbeit, Johann Georg II Fuchs von Dornheim beabsichtigt.

  • ICH WETTE, DASS NIEMAND DIESES RÄTSEL LÖSEN KANN ...


AUFLÖSUNG: (gepostet 23.09.2008)


Die folgende Grafik kann die Auflösung des Rätsels wohl am Besten erklären: Unter einer Darstellungsperspektive versteht man die "Sichtweise einer Darstellung". So wurden (und werden auch heute noch) unschöne Dinge gerne "kleiner dargestellt", während man besonders positive Merkmale gerne "vergrösserte".

Bei der digitalen Rekonstriktion des Malefiz Haus haben wir gemerkt, dass der milimetergenau rekonstruierte Grundrissplan mit keinem Trick auf die Größe der vogelperspektivischen
Darstellung des Hauses hat anwenden lassen. Nur durch das "Stauchen des Objekts" konnten wir das hinbekommen, aber das ist eben ein technischer "Trick" aus der 3D-Welt, der sich mit Sicherheit nicht auf die Realität des Jahres 1628 anwenden lässt.

Fazit: das Malefiz-Haus war so groß, wie es in der unteren Darstellung der Grafik zu sehen ist.

Weiterhin ist es nicht möglich, die "Anzeigung der Kapellen" aus der Perspektive des "realen Malefiz Haus" von irgend einem möglichen Darstellungswinkel zu sehen (es verschwindet mit den realen Baumaßen komplett hinter dem Dachfirst).

Es gibt auch weiterhin die Künstler-Diskussion: während Frau Dr. Gehm Matthäus Merian als Urheber des Kupferstichs angibt, haben mehrere Wissenschaftler den Stecher Peter Isselburg
im Sinn. Da es letztendlich noch keine endgültige Expertise über diese Streitfrage gibt, werden wir ab sofort beide Künstler zur Auswahl angeben - nur diese beiden Kupferstecher haben in der damaligen Epoche derartige Qualität abliefern können.







Dienstag, 29. April 2008

Eine Korrektur und eine Frage



In unserem ersten Konzept wurde in der Grafik der Startseite folgender Fehler begangen: anstelle von Fürstbischof Neidhard von Thüngen haben wir aus Versehen seinen Nachfolger Johann Philipp von Gebsattel abgebildet: das war falsch.


Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger regierte Bischof Gebsattel auf eine sehr tolerante Weise: "Es wiille der bischove (Gebsattel) durchaus nicht, daß man hinfürthers iemanden zur religion zwingen, sondern ainen ieden solleglauben lassen, was er wiille."

Was sich wie folgt übersetzen lässt: Bischof Gebsattel lehnte es ab, irgend jemanden zur Religion zu zwingen - ein jeder solle glauben, was er will.


Es war also trotz der damit verbundenen Gefahren auch für einen fränkischen Fürstbischof möglich, sich nicht am allgemein üblichen HEXENBRENNEN zu beteiligen, was im Umkehrschluss die These unterstützt, dass die Fürstbischöfe von Thüngen, von Aschhausen und von Dornheim ein persönliches Interesse (Geld, Macht) an der Hexenverfolgung hatten.


Und jetzt zur Frage:

Das folgende Bild zeigt einen Stadtplan (Ausschnitt) von der LANGEN GASSE (heute Lange Strasse) und eine Verteilung der Hexenopfer und wo in der Langen Strasse sie damals nach Aktenlage wohnhaft waren.



Das rot umrandete Grundstück hatte damals die Hausnummern 46 und 48 und war der Garten der Kanzlerfamilie Dr. Haan - heutezutage steht da Filiale einer Kreditgesellschaft.

Was ich mich frage: nachdem die komplette Familie des Dr. Haan (inklusive Schwiegersohn) im Jahr 1628 gefoltert und hingerichtet wurden, ging das Grundstück des Kanzlers wohl in den Besitz seines erbitterten Gegners Fuchs von Dornheim über, der es, soweit ich weiss, weiter verschacherte, bis es eben heutzutage in den Besitz der besagten Kreditanstalt überging.

Das heutige Besitzverhältniss basiert also auf einem belegten Diebstahl der katholischen Kirche an den damaligen Besitzern? Es gab ja keine Erben.

Ist das juristisch korrekt?

Mittwoch, 16. April 2008

Mittwoch, 9. April 2008

Sooo schlecht war diese Idee gar nicht

meinten ein paar Leser dieser Publikation, aber um es klar und deutlich zu sagen:

der letzte Post (vom 1.April) war ein lupenreiner Aprilscherz -

es werden also (erstmal?) keine Gebäude abgerissen und auch kein permanentes Museum in Form des MALEFIZ HAUSES in Bamberg gebaut ... schade eigentlich.







Trotzdem gibt es weitere Informationen über das Foltergefängnis in der Franz-Ludwig Strasse 7 , die sich aus dem Studium der verschiedenen Quellen ergeben haben:

Abgesehen davon, dass im MALEFIZ HAUS verschiedene Bürger an den Folgen der brutalen Folter gestorben sind, gab es auch dokumentierte Hinrichtungen - siehe den Fall der Dorothea Flock - ein besonders grausames Schicksal, das sehr umfangreich dokumentiert ist.

Die 22 jährige Dorothea war schwanger, wurde deshalb zur "Hafterleichterung" in das Verlies in der Alten Hofhaltung verbracht und kam nach der Entbindung wiederum ins MALEFIZ HAUS, wo sie in aller Eile geköpft wurde, bevor dem Fürstbischof Fuchs von Dornheim der päpstliche Schutzbrief übergeben wurde.

Wie groß aber die Angst der Büttel und Bediensteten des Fürstbischofs war lässt sich sehr gut am Schicksal eines anderen Bamberger Bürgermeisters erkennen.

Wie aus den Akten zu erkennen, wurde BM Georg Neudecker ziemlich zeitgleich mit verschiedenen Ratsherren, der Kanzlerfamilie und den anderen Bürgermeistern gefangen genommen. Das war bereits im Jahr 1628. Danach blieb Georg Neudecker verschwunden, doch aus verschiedenen Verpflegungslisten wird offensichtlich, dass Bürgermeister Neudecker bis in das Jahr 1630 noch gelebt zu haben scheint, bevor er dann wahrscheinlich an Entkräftung und seinem schlechten Gesundheitszustand im Kerker verstorben ist.

Warum man Georg Neudecker eine Sonderstellung einräumte - denn er wurde zwar gefoltert, aber dann doch nicht verurteilt, bzw. verbrannt - wird dann verständlich, wenn man weiss, dass Georg Neudecker die unglaubliche Summe von mehr als 100.000 Goldstücken besessen haben soll und angeblich der reichste Bürger der Stadt war. So konnten die Inquisitoren anscheinend noch mehr Geld aus Georg Neudecker herauspressen, doch wichtiger ist wohl die Erkenntnis, dass die Mauer des Schweigens, die das MALEFIZ HAUS vom Rest der Stadt abtrennte, ziemlich undurchdringlich gewesen sein muß - damit war das MALEFIZ HAUS auch per se ein hermetisch abgeriegeltes Isolationsgefängnis.

Ein weitere erschreckende Paralelle zur Neuzeit ergibt sich aus der mehrmaligen Erwähnung des sogenannten Hexenofens (siehe auch: http://histor.ws/hexenforschung/arc/arc05a.htm), den es z.B. im unterfränkischen Gerolzhofen und im schlesischen Ort Neisse gegeben haben soll: diese Öfen wurden deshalb erbaut, weil jede Hexenverbrennung eine große Menge Holz erfolderlich machte, denn der Leib des Verurteilten musste beim Hexenbrand vollständig verbrennen, damit der Teufel aus den übrig gebliebenen Knochen nicht eine neue Hexe erschaffen konnte.

In einem geschlossenen Ofen wurde naturgemäß sehr viel weniger Holz zur Einäscherung einer Hexe benötigt. Da es darüber hinaus keinerlei Begräbnisstätte für die Opfer geben durfte, ist jede errechnete Opferzahl eigentlich rein hypothetisch.

Im Bamberg gibt es zwar eine große Menge an Original-Prozessakten, doch auch hier wurde wegen der drohenden Konsequenzen durch den Reichshofrat in Wien mit allen Tricks gearbeitet.

So genannte "Tintenflußanalysen" vieler Akten haben folgenden Betrug aufgedeckt:
wenn es einen über mehrere Tage dauernden Prozess gab, dann muß die verwendete Tinte zwangsläufig verschiedene Charackteristika aufweisen. Nicht so, wenn die gesamt Akte aber an einem Tag - sozusagen "nachgeschrieben" bzw. geschönt wurde.

In welche Richtung diese illegale "Rechtskosmetik" ging war klar, denn in den Abschriften wurden Aussagen verändert, Summen manipuliert, etc. etc. - um die Bamberger Folterpolitik
als rechtlich einwandfrei darzustellen.

Der Reichshofrat hatte dabei eindeutig um die Übersendung der Original-Akten gebeten, bzw gefordert.


Das sind also eine Menge neuer Erkenntnisse über das MALEFIZ HAUS und ich bin so frei anzukündigen, dass da noch so Einiges ans Licht kommen wird.

Es gibt glücklicherweise neue Kontakte und weitere Informationsquellen - ich danke deshalb allen Leuten, die dieses Projekt unterstützen.