Donnerstag, 26. März 2015
Zeit für eine kleine Anekdote
Montag, 16. März 2015
"Eine Zensur findet in Bamberg nicht statt ... wir gehen ehrlich mit dem schwierigen Thema um."
Donnerstag, 5. März 2015
Mehr als 4000 Leser in 24 Stunden ... Wir danken Euch
Montag, 12. Juli 2010
Sie waren keine Hexen, sondern sie sind unsere Schwestern und Brüder

und wenn man es nicht ganz so christlich betrachtet, so waren diese gemordeten Märtyrer ja auch die Vorfahren der Menschen, die teilweise noch heute in dieser Gegend leben …
Auszug aus der Predigt von Pfarrer Hartmut Hegeler zum
Gedenkgottesdienst für die Opfer der Hexenprozesse am
2. Ökumenischer Kirchentag in München, Mai 2010
" Inmitten von 100 000 Christen auf dem Ökumenischen Kirchentag in München bekennen wir:
Sie waren keine Hexen, sondern sie sind unsere Schwestern und Brüder.
- Sie sind unschuldig verfolgt worden. Sie gehören zur Gemeinschaft der Heiligen.
- Ihr Name wurde mit Füßen getreten, ihre Körper geschunden, ihre Leiber verbrannt, ihre Asche in alle Winde verstreut.
- Sie wurden hingerichtet. Gott will sie aufrichten.
- Deswegen heben wir ihr Andenken aus dem Schmutz der Asche auf.
- Deswegen nehmen wir sie wieder in unserer christlichen Mitte auf.
- Deswegen bekennen wir: Aufleben soll euer Herz für immer. (Psalm 22, 27)
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.
Amen. "
Was diese Predigt so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass zum Beispiel auch ein Teil des Briefes von Bürgermeister Johannes Junius verlesen wurde.
Dem Andenken der "Bamberger Hexenopfer" wird also nicht am Ort ihres Lebens und Leidens gedacht, sondern in der Landeshauptstadt München - und dummerweise ist es dann auch noch die "falsche Kirche", (denn die evangelische Kirche hat in Bamberg niemanden zu Tode gefoltert ) die sich der undankbaren Aufgabe der Aufarbeitung verschrieben hat.
Dass es auch anders ginge, zeigt der aktuelle folgende Fall eines katholischen Erzbischofs:
Stellungnahme von Erzbischof Dr. Alois Kothgasser zum Prozess um die „Hexe“ von Mühldorf 1749/50
SALZBURG (eds – wk/ 18. 6. 2009) / Zur heutigen Pressekonferenz im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer zum Thema „Die Mühldorfer Hex“ wird nachfolgende Stellungnahme des Salzburger Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser veröffentlicht:
- Der Justizmord an Maria Pauer, die im letzten Prozess dieser Art auf dem Boden des damaligen Erzstiftes Salzburg als „Hexe“ verurteilt worden ist, stellt ein entsetzliches Verbrechen dar, in welches auch die Kirche von damals nicht nur aufgrund der handelnden Personen hinein verwoben ist. Es gibt daran nichts zu beschönigen, sondern sich der unmenschlichen geschichtlichen Wirklichkeit zu stellen und Gott und die Menschen um Vergebung für diese Gräueltat zu bitten.
Zugleich geht es darum, eine Lehre daraus zu ziehen und die Verantwortung für die Menschen unserer Tage wahrzunehmen, damit deren Würde als Gottes Ebenbild alle gebührende Achtung zukommt.
- Den Hintergrund für dieses grausame Ereignis bildet ein magisches Gottes- und Menschenbild, das mit der biblisch-christlichen Tradition nicht begründbar ist, sondern heidnische Wurzeln aufweist. Damit ist die Aufgabe verbunden, sich noch mehr für die Verkündigung des christlichen Gottes- und Menschenbildes einzusetzen und alle theologische Mühe aufzuwenden, damit der Glaube an Gott freigehalten wird von irrationalen und menschenverachtenden Elementen.
- Unser ganzer Einsatz muss heute der Verwirklichung der Menschenrechte und – auf deren Basis – einer geordneten Rechtspflege gelten, dies nicht nur in unserem Land, sondern weltweit. Dies anzuerkennen ist Lehre der Kirche und ihrer Soziallehre: „Die Kirche fühlt sich selbst verletzt, wenn die Rechte des Menschen, wer immer es sei und wo immer er sich befinden mag, missachtet und verletzt werden.“[1]
[1] Papst Paul VI. am 4. Oktober 1965 vor den Vereinten Nationen, zit. nach: Putz, Gertraud, Kleiner sozialethischer Ratgeber für die Praxis in Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Berlin 2008, S. 286.
Wer gerne erfahren möchte, wie die katholische Kirche im Erzbistum Bamberg mit diesem Thema umgeht, dem legen wir folgenden Link ans Herz:
http://www.malefiz-haus.de/d-mh/epilog-de.html
Montag, 5. Oktober 2009
Die offizielle Aufarbeitung ... und ihre Fehler

Am vergangenen Freitag wurde erfreulicherweise ein Flyer im Bamberger Rathaus vorgestellt, der erstmals ansatzweise eine Erklärung für diesen vergessenen Massenmord der katholischen Inquisition zu vermitteln versucht.
Download Link zum Flyer
Trotzdem würde ich gerne etwas dazu anmerken und habe zur Sicherheit einen Rechtsanwalt und einen Historiker konsultiert: die letzten 10 Gefangenen wurden nach der Aktenlage erst im Februar 1632 frei gelassen - und mussten deshalb auch die Urfehde schwören (keine Rache am Gericht, Schweigen über die Folterhaft).
Da diese 10 Angeklagten alle unter der Anklage der Hexerei eingefangen wurden und deshalb im MALEFIZ HAUS interniert waren (teilweise mehrere Jahre), sind die Prozesse also definitiv nicht schon im Jahr 1631 beendet gewesen - sondern erst 1632.
Es wäre schön, wenn diese Fakten zumindest in der zweiten Auflage korrigiert werden würden.
Trotzdem: ein erster hoffnungsvoller Schritt zur Aufarbeitung der wahren Geschichte der Stadt Bamberg - weiter so.
Donnerstag, 1. Oktober 2009
Morgen um 10:30 beginnt die offizielle Aufarbeitung der STADT BAMBERG

... denn folgendes passiert im Büro des zweiten Bürgermeisters Hipelius:
Medieninformation der Stadt Bamberg pt 39a / 2009
18.09.2009
Aktueller Termin
Freitag, 2. Oktober 2009
10.30 Uhr Bamberg, Rathaus Maxplatz, 1. Stock, Zi.-Nr. 107
Vorstellung des Flyers „Zu Bamberg wird gebauet für die Hexen ein Hauss den Hexen dafür grauet – Hexenprozesse im Hochstift Bamberg 1595 – 1631“ durch Bürgermeister Werner Hipelius, Tourismusdirektor Andreas Christel und dem Leiter des Stadtarchivs, Dr. Robert Zink
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Allein die Existenz eines solchen "Flyers" ist lange überfällig und deshalb: Respekt.
... aber zuerst sollte man das Elaborat auch gesehen haben ... ein PDF-Download wäre wünschenswert.
Montag, 14. September 2009
Drei gute Nachrichten und eine schlechte

Wer sich für das Phänomen der Hexenverfolgung interessiert, der hat noch bis zum 2.Mai 2010 die Möglichkeit, die erste umfassende Ausstellung zu diesem Thema zu besuchen: das historische Museum der Pfalz Speyer hat gestern die Ausstellung: Hexen - Mythos und Wirklichkeit eröffnet.
Im Umfeld dieser Ausstellung wird es viele Veröffentlichungen geben und somit wird in Deutschland erstmals in einem größeren Öffentlichen Rahmen die Geschichte der Hexen und Hexenjäger in einer Ausstellung präsentiert, die auf 2000 qm 600 Objekte ausstellt.
Weitere Links und Artikel zu dieser Ausstellung werden wir hier in Zukunft präsentieren.
http://museum.speyer.de/de/histmus/ausstellungen/aktuell/Hexen/
In Zeil am Main wurde im Stadtrat am 26. Juli 2009 der Beschluss verabschiedet, ein "Informations- und Dokumentationszentrum zur Hexenverfolgung" zu errichten - direkt neben dem Stadtturm im Stadtzentrum von Zeil.
Wie Bürgermeister Christoph Winkler erklärte, werden ca. 90 Prozent der Investitionssumme von 500.000 € aus öffentlichen Fördergeldern finanziert.
Auch über dieses ambitionierte Aufklärungs-Projekt werden wir unsere Leser und Abonnenten in diesem Blog in Zukunft umfassend informieren.
In Bamberg wurde in der vergangenen Woche nach 12-jähriger Planungsphase das MULTI-DEVELOPMENT-Projekt beerdigt. Vor 11 Monaten wurde es im Stadtrat von Bamberg verabschiedet aber durch die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise wird der Bauträger nicht länger in der Lage sein, dieses ambitionierte Innenstadt-Projekt zu verwirklichen.
Somit gibt es weder die geplante "Kulturgrube" noch die Chance am Originalstandort des MALEFIZ-HAUS eine Gedenktafel oder gar eine Museums-Installation für die Märtyrer der katholischen Inquisition zu errichten.
Wenn Sie dieses Thema wirklich interessiert, dann können Sie die nächsten 8 Monate nach Speyer fahren, oder eben noch etwas warten und dann in Zeil am Main das Dokumentationszentrum besuchen.
Oder aber ... Sie erkunden das MALEFIZ HAUS virtuell ... schon in wenigen Tagen wird auf der Website www.malefiz-haus.de die erste interaktive virtuelle 3-D- Rekonstruktion des schlimmsten Folter-Gefängnisses der frühen Neuzeit eingestellt -
seien Sie gespannt und abonnieren Sie dieses Blog - und/oder das YOUTUBE-Profil von "johannesjunius".
Montag, 17. August 2009
Sonntag, 2. August 2009
Das Malefiz Haus in Bamberg - wo stand es wirklich?
Mittwoch, 6. August 2008
Heute vor 380 Jahren wurde Johannes Junius verbrannt
Es gibt in der gesamten Epoche der Hexenverfolgung kaum ein Schicksal, dass so komplett dokumentiert ist, denn neben den Akten der Inquisitionskommission gibt es ja bekanntermaßen den "Juniusbrief", das Portrait des MALEFIZ HAUS, die Besagungslisten und die Verhörprotokolle.
Mit einem Klick auf das computer generierte Bild von Johannes Junius kommen Sie auf eine YOUTUBE-Seite, die mehrere Videos zum Fall MALEFIZ HAUS anbietet.

Weiterhin haben wir im Internet ein Lizensfreies Buch entdeckt, das wir dem interessierten Leser gerne empfehlen und zum Download anbieten.
"GESCHICHTE DER HEXENPROZESSE" von Dr. Wilhelm Gottlieb Soldan wurde erstmals im Jahre 1843 veröffentlicht.
Damit ist dieses Buch urheberrechtsfrei, von GOOGLE sorgfältig gescannt und vollkommen legal zum Download freigegeben (ca 26 mb).
http://books.google.be/books?id=FCYSAAAAYAAJ&pg=PA260&dq=malefizhaus&hl=fr#PPA260,M1
Das gescannte Exemplar stammt aus der HARVARD COLLEGE LIBRARY und ist trotz der altdeutschen Schrift relativ einfach lesbar. Vieles war schon bekannt, trotzdem haben sich durch dieses Buch weitere Grausamkeiten der Bamberger Inquisition offenbahrt, die Sie ja dann gerne selbst nachlesen können.
Samstag, 12. Juli 2008
BAMBERGER ERFINDUNGEN - Teil 1
Diese Foltermethode ist zweifellos eine "Bamberger Erfindung" - es gibt in der gesamten historischen Literatur keinen Hinweis darauf, dass diese Foltermethode noch an anderen Orten praktiziert wurde (vergleiche: Bamberger Durstfolter, Bad im Kalkwasser, Bamberger Betstuhl). Zeil am Main gehörte zum Bistum Bamberg.
Nach unserer Recherche hatte die besagte Kammer eine Kantenlänge von 110 mal 110 Zentimeter - also etwas mehr als einen Quadratmeter. Der Boden bestand aus rautenförmigen Holzpyramiden - sonst war diese Zelle komplett leer.
Die Größe dieser Folter-Zelle ist alles andere als zufällig: wäre sie nur ca 20 cm größer (Kantenlänge), dann wäre es den Delinquenten unter Umständen möglich gewesen, sich diagonal - z.B. auf den Rücken zu legen und die Muskulatur dadurch einigermassen zu entspannen, in dem das Körpergewicht auf möglichst viel Fläche verteilt wird.
Bei einer durchschnittlichen Körpergröße der damaligen Menschen von ca 160 cm ist das flache Liegen in dieser Zelle also nicht möglich.
Wäre die Kammer dagegen ca 20 - 30 cm kleiner (Kantenlänge), dann wäre es unter Umständen möglich, sich zwischen den Mauern "zu verkeilen" - also einen Teil des eigenen Körpergewichts gegen die Wand zu verlagern (vergleiche: Schlot-Klettern)
Wie den Akten zu Entnehmen ist, sind manche Folteropfer schon nach einer Stunde in diesem Raum "zerbrochen" und haben ALLES ZUGEGEBEN, was man von ihnen verlangt hat.
Das gefaltelt stüblein (so linsten stüblein genent.) zimblichen effect thuet, und gestern ein starkhen gar ungehorsamen malefactorn, in einer stundt ferttig gemacht.
Datierung: 1628 Region/Autor/Textsorte: Bayern Fundstelle: v.Lamberg,HexProz. Beil. 18
Andere, vorherrschend weibliche Folteropfer, waren nach Aktenlage, aber mehr als 7 Stunden (!) in dieser Zelle eingesperrt.
Ausschlaggebend für die unvorstellbare Qual ist wahrscheinlich in erster Linie der so genannte Body-Mass-Index: ein schwerer Mann wird mehr Eigengewicht auf die Pyramidenspitzen des Fussbodens ausüben, als zum Beispiel eine vielleicht schon ausgemergelte weibliche Gefangene.
Eine moderne Gummizelle in psychatrischen Anstalten dient bekanntlich dazu, gefährdete Patienten "kalt zu stellen" - zu verhindern, dass diese Menschen sich selbst verletzen. Das "gefaltet Stüblein" ist so ziemlich genau das Gegenteil davon: gesunde Menschen wurden in diese Zelle gesteckt "damit sie darin wahnsinnig werden" und sich bis zu einem gewissen Grad selbst verletzen - und dann natürlich auch selbst belasten.
Zudem wurden die Opfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nackt in diese Zelle gesperrt. Sonst hätten sie wohl sofort ihre Kleidung ausgezogen (Drudenkittel) und als zusammengerolltes Sitzkissen zur dämpfenden Unterlage benutzt. Wie es in dieser Zelle nach den ersten Einsätzen aussah, will man sich gar nicht vorstellen... (Blut, Fäkalien).
Es gab demnach in dieser Folterkammer nur zwei "Aggregatzustände":
entweder schrie und wand sich das Opfer vor unerträglichen Schmerzen
oder es wurde irgendwann ohnmächtig.
Das es in dieser Zelle natürlich vollkommen unmöglich war, zu Schlafen, könnte man im weitesten Sinne auch behaupten, dass es sich bei dieser Folter um eine Form von Schlafentzug handelt. Da die Opfer aber nur zwischen 60 Minuten und 7.5 Stunden in dieser Zelle eingesperrt waren (und nicht über mehrere Tage), ist diese Theorie unsinnig.
Aus den Original-Akten ist zu entnehmen, dass z.B. einige der darin gefangenen Frauen blutende Verletzungen an den Unterschenkeln und Beinen erlitten hatten, was vielleicht den Rückschluss erlaubt, dass die gemarterten Opfer nach einer gewissen Zeit zusammengebrochen sein müssen und entweder hockend oder auf Knien verharrten und so auf ihre Entlassung aus dieser HORROR-Zelle warteten.
Je mehr man sich auf diesem Boden bewegt hat, umso schmerzhafter muss diese Folter gewesen sein, aber sie erfüllte anscheinend ihren Zweck.
Denn im Gegensatz z.B. zum Bad in gekalktem Wasser, dass kaum eine Delinquentin länger als einige Tage überlebte, war diese Folter zumindest nicht tödlich - wenn man davon absieht, dass die geständigen Hexen und Zauberer ziemlich zeitnah nach ihrer Einzelhaft im "gefaltet Stüblein" sowieso auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.
Weitere Informationen über das "gefaltet Stüblein" gibt es am 14.September 2008 - am TAG DES OFFENEN DENKMALS.
Mittwoch, 25. Juni 2008
Mittwoch, 21. Mai 2008
Bambergs Bürgermeister Johannes Junius verliest seinen Abschiedsbrief
Teil 1 - Teil 2 wird im Rahmen des Tags des offenen Denkmkals am 14 September 2008 veröffentlicht.




