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Samstag, 8. Oktober 2016

TEEREN & FEDERN


2013 hatten die roten Männla bereits ein anderes "new home"


An die verehrten Kunstfreunde, die edlen Spender und Sponsoren von „MEETING“.

Normalerweise könnte es mir absolut Stulle sein, wenn ein paar „Kulturfreunde“ ein modernes Kunstwerk kaufen und in meiner Heimatstadt aufstellen. Allerdings werden im vorliegenden Fall ein paar Grenzen überschritten - und dazu habe ich dann doch ein paar Takte zu sagen.

Der chinesische Bildhauer Wang Shugang hat „MEETING“ extra für den G-8 Gipfel (deshalb acht Figuren) in Heiligendamm im Jahr 2007 konzipiert.

Allerdings konnte sich damals kein Käufer für das Kunstwerk begeistern und so wurde gestern in Bamberg letztendlich nichts anderes als ein kultureller Ladenhüter feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Dazu kommt, dass „MEETING“ selbst in Bamberg nicht den geforderten Preis von 240.000 Euros erzielen konnte - da musste der Besitzer Alexander Ochs schon mal 82161,50 Euro Rabatt gewähren. 

Ähnlich erfolglos waren bereits die vorausgegangenen Akquisitionsversuche in Vancouver (2011) in Melbourne (2013) und in Perth, so dass Meeting auf dem internationalen Kunstmarkt längst als „verbrannt“ gegolten hat.

Das in Bamberg als „Meisterwerk der modernen Kunst im öffentlichen Raum“ angepriesene Oeuvre ist bei näherer Betrachtung leider nicht der versprochene große Wurf. Sonst wäre es wohl auch in London, New York und Paris ausgestellt worden. Wang Shugang ist demnach auch keiner der „heissen Kunstimporte aus China“ sondern eher ein Bildhauer aus der zweiten Reihe.

Auch das kann mir ziemlich egal sein - aber es gibt eine Komponente, die es - wie immer - in keinen der aktuellen Zeitungsartikel und Kommentare geschafft hat: ich protestiere dagegen, dass „MEETING“ ausgerechnet auf dem Rasen des Schönleinplatzes installiert wurde.

In unmittelbarer Nähe wurden dort der größte Teil der über 1000 Menschen verbrannt, die man ungerechterweise als Hexen und Zauberer angeklagt und verurteilt hatte. Zusätzlich wurden viele der meist weiblichen Opfer an diesem Platz grausam gequält und verstümmelt. Ihnen wurden die Brüste mit glühenden Zangen zerrissen (bis zu 15 mal bei einem Opfer), Hände abgehackt und die allerwenigsten wurden gnadenhalber vor der abscheulichen Verbrennung öffentlich geköpft. 

Bis zum Jahr 2008 (Tag des offenen Denkmals) waren diese Tatsachen absolut unbekannt, denn die Täter, sprich die katholische Kirche, hatte es über Jahrhunderte geschafft, die grausamste Epoche dieser Stadt perfekt zu vertuschen. 

Spätestens seit den offiziellen „Hexenwochen“ im Jahr 2012 erfuhr man dann öffentlich in Bamberg welche Form von Justizmorden sich hier ereignet hatten - zumindest wenn man kein kulturbehinderter Geschichtsanalphabet ist. 

Das ist der Grund weshalb ich vehement gegen die Aufstellung von „MEETING“ an diesem historischen Platz protestiere. Meinetwegen kann man die Installation an einer anderen Stelle (vor dem Erzbischöflichen Palais, vor der Brose-Zentrale oder sonst wo) aufstellen … aber eines Tages werden diese bedeutungslosen Sitzchinesen vom Brandplatz der katholischen Inquisition wieder entfernt werden - da halte ich jede Wette.


Wang Shugang - abstracted


Bis dahin hätte ich zwei Fragen an den Künstler: 

Lieber Wang Shugang. 

Hat man Sie eigentlich darüber informiert, das sich im 17ten Jahrhundert ein europaweit einmaliges Massaker an Frauen, Männern und kleinen Kindern abgespielt hat - genau an dem Platz, an dem jetzt Ihre Statuen stehen.

Was sagen Sie zu der Tatsache, oder interessiert es Sie gar nicht, in welchem Umfeld Ihre Kunst wirken soll? 

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Seit dem Jahr 2005 habe ich den eingeschlagenen Kurs der Aufklärung niemals verlassen - viel Zeit und Geld in diese Kampagne investiert und gelte selbst bei meinen Feinden als ausgesprochen hartnäckiger Kämpfer. 

Es existieren im Aktenbestand der lokalen Archive knappe 900 Namen von Opfern - abgeglichen mit dem aktuellen Telefonbuch von Bamberg, könnten bis zu 1200 Bamberger Familien einen potentiellen Vorfahren haben, der im 17ten Jahrhundert von der katholischen Kirche gefoltert und verbrannt wurde. Genau auf dem Schönleinsplatz, auf dem jetzt die acht chinesischen Skulpturen hocken. 

Es mir vollkommen scheissegal, ob ich mich mit diesem Post eventuell strafbar mache, aber ich verspreche Euch eines: WÜRDE DER NAME MEINER FAMILIE AUF DER FOLGENDEN OPFERLISTE STEHEN, DANN WÜRDE ICH EINEN ODER ALLE DER ROTEN RASEN-MÄNNLA EIGENHÄNDIG TEEREN UND FEDERN - und zwar so oft, bis man die Message begreift und die Dinger an einem anderen Ort aufbaut. 



Bis dahin empfinde ich die aktuelle Installation als einen Affront gegen den gesunden Menschenverstand und werde auch weiterhin öffentlich dagegen opponieren. 

Es ist schon traurig genug, dass überhaupt ein „gebildeter Mensch“ auf die Idee gekommen ist, dieses Kunstwerk dort aufzustellen …

Noch ist Bamberg stolze UNESCO-Welterbestadt … aber es ziehen bereits dunkle Wolken auf am Kulturhorizont ...  Vor drei Wochen wurde im geschützten Welterbe ein Vorfall aus dem Jahr 2006 angezeigt, der sich mit der illegalen Vernichtung historischer Bausubstanz aus dem 13ten Jahrhundert befasst. Das könnte böse ausgehen für die verklärten Freunde des kulturellen Welterbes. Dresden lässt grüssen.

Wer mehr über diese und andere unbequeme Wahrheiten über die „Traumstadt der Deutschen“ erfahren möchte, dem empfehle ich mein neues Buch: HEXENPUNK - Wie aus der Traumstadt der Deutschen der Schrein des Grauens wurde. 

Seit dem 3.Oktober bei AMAZON.com erhältlich als E-Book und Paperback. 




Samstag, 19. September 2015

Die Dokumentation zum BRANDMAL 2015



Das folgende Zitat stammt aus der Rede der 1. Vorsitzenden des Bürgervereins Bamberg Mitte, Frau Sabine Sauer: Die „Hexenverfolgung“ in Bamberg – sie war tatsächlich bis vor wenigen Jahren ein vergessener Teil der Stadtgeschichte.

Vielen Bambergern ist es bis heute nicht bekannt – aber: Bamberg war der Ort, an welchem vor allem in den Jahren 1612 bis 1630 die größte deutsche „Hexenverfolgung“, wohl die größte in Europa überhaupt, stattfand. 

Unsere Dokumentation wird erstmals die gesammelten Medien der Jahre 2007 bis zur Enthüllung des Mahnmals zeigen … die Geschichte eines vertuschten Massenmordes … der sich in den Mauern dieser wunderschönen Stadt abspielte und der nur deshalb so lange "unter dem Deckmantel Traumstadt der Deutschen vor sich hin moderte", weil sich in Bamberg kein lokaler Historiker mit der katholischen Kirche anlegen wollte. 

Es gibt keine spannendere Geschichte über das historische Bamberg zu erzählen!

Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen genauen Sendetermin vorhersagen - aber wir werden rechtzeitig bekannt geben, wann es soweit ist - u.A. auf diesem Blog und auf FB.

Donnerstag, 26. März 2015

Zeit für eine kleine Anekdote

Immer wieder gerne fantasieren ein paar der Hardcore-Bamberger davon, dass seit 180 Jahren jedem interessierten Bürger jederzeit freier Zugang zu den Akten ermöglicht wird … 


Als ich im Jahr 2008 - nach telefonischer Voranmeldung - Einsicht in den historischen Aktenbestand der Staatsbibliothek Bamberg nehmen wollte, kam der Leiter dieser Institution wutschnaubend aus seinem Büro und redete in etwa 20 geschlagene Minuten auf mich ein: Der von ihm verwendete Tenor war eindeutig feindlich, denn er warf mir schon kurz nach der Begrüßung „ehrenrühriges Verhalten vor“, weil wir es gewagt hatten, den „Juniusbrief“ von einem professionellen Sprecher vertonen zu lassen und einen animierten Film dazu auf YOUTUBE einzustellen. 

Vollkommen aus dem Häuschen geriet dieser Mann dann aber wegen der vier Seiten Juniusbrief, den wir als Fotographien auf unserer Website www.malefiz-haus.de eingestellt hatten. Diese Fotos wurden in der Amtszeit seines Vorgängers in der Staatsbibliothek angefertigt und gehörten deshalb nicht zum Bestand der Bibliothek - es waren eindeutig Privataufnahmen - und selbstredend habe ich mich geweigert, seinem abstrusen Wunsch nachzukommen und habe die Daten auf unserer Website belassen. 

An die angeforderten Akten lies man mich auch erst dann, als ich damit drohte den zuständigen Redakteur der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über die hiesige Art der Vertuschung zu informieren, denn schliesslich war ich nur aus einem Grund nach Bamberg gekommen: um im Namen der DEUTSCHEN STIFTUNG DENKMALSSCHUTZ einen Vortrag über das Malefizhaus abzuhalten. 

Jetzt können Sie gerne denken, dass es sich hierbei um einen bedauerlichen Einzelfall handeln könnte …

Dann konfrontiere ich Sie jetzt mit der Aussage des TV-Redakteurs Michael Wandt vom Bayerischen Fernsehen, der mir gerne erlaubt hat, seine Worte aus dem Jahr 2012 zu zitieren: „In 20 Jahren Recherche-Arbeit für den BR war es ihm noch niemals passiert, dass man ihm verboten hatte „gewisse historische Akten“ zu filmen - ausser in der Staatsbibliothek Bamberg“. Im konkreten Fall musste ein Ressortleiter des BR telefonisch auf die „Herausgabe der Akten“ bestehen … und man kann nur Danke sagen an den BR, denn gerade die erste Sendung zum Thema mit Pfarrer Hegeler war der sogenannte Durchbruch für die öffentliche Aufklärung in Bamberg. 

Doch es kommt noch besser, denn im Jahr 2013 habe ich in der alten Hofhaltung die Bestseller-Autorin Sabine Weigand kennen gelernt, anlässlich der Dreharbeiten zu „Die Seelen im Feuer“.

An einem der Orte in Bamberg, in denen man quasi „knietief“ im Blut der Opfer steht, entwickelte sich ein hochinteressantes Gespräch über das Buch und dessen aktuelle Verfilmung. Nicht wirklich überrascht war ich dann von ihrer persönlichen Episode mit besagtem Leiter der „Staatsbibi“: selbst der promovierten Historikerin Sabine Weigand wurde die Akteneinsicht bei ihrem ersten Besuch nachdrücklich verweigert. Autsch

Frau Weigand musste also unverrichteter Dinge wieder nach Nürnberg fahren - dort ihren Verlag anrufen, der dann wiederum das Kultusministerium in München einschaltete … und schon in paar Tage später durfte sie dann endlich an den einzigartigen Aktenbestand im Archiv. 

Unter Umständen verstehen Sie als Leser jetzt auch einen Satz im Buch von Frau Weigand erst richtig, den sie in der Beschreibung des männlichen Protagonisten verwendet hat: „Die Rückständigkeit Bambergs war ihm zuwider.“

Frau Weigand ist eine anerkannte Historikerin, die für ihre akribische Recherchen bekannt ist. Deshalb ist dieser Satz eindeutig zweideutig, denn mit dem Malefizhaus, seinen neuen Foltermethoden und dem Hexenofen in Zeil am Main war der Fuchs von Dornheim ein weit gereister Herrscher mit zwei akademischen Titeln, der alles andere als ein rückständiger Hinterwäldler war. Er hatte - ohne zu übertreiben - die modernsten Tötungsmaschinen Europas entwickeln lassen, die teilweise selbst nach heutigen Massstäben als „ökologische Installationen“ gepriesen werden würden, denn der Ofen wurde nur aus einem Grund erfunden und realisiert: um teures Brennholz zu sparen, denn eine Hexenleiche galt erst dann als komplett verbrannt, wenn nur noch Asche und Staub übrig blieben …

Insofern darf man die besagte Textpassage durchaus als unmissverständlichen Wink mit dem Zaunpfahl interpretieren … dann verdankt der meist gelesene historische Bestsellerroman über Bamberg diese kleine Anekdote der Verbohrtheit eines fehlgeleiteten "Rumpelstilzchens" und genau wie das neue Hexenmahnmal handelt es sich hier um eine dauerhafte Qualifizierung und nicht um den „sprichwörtlichen Pickel am Arsch der Geschichte, der eines Tages ganz von alleine wieder verschwindet“… Nein - der Text bleibt für immer in diesem Buch und das Mahnmal für die ca. 1000 Opfer wird auch noch spätere Generationen zum Nachdenken anregen …

Da ist es schon fast nebensächlich, dass auch die Historikerin Birke Grieshammer bereits im Jahr 1985 am Zugang zu den Datensätzen gehindert wurde, denn damals war ja noch der Vorgänger des heutigen Bibliotheksleiters im Amt. 

Das es auch eindeutig weltoffener geht - sogar in Bamberg - beweisen eindrucksvoll andere öffentliche Beamte im Staatsarchiv und im Stadtarchiv, die sich nicht nur wirklich bemüht haben, sondern bei denen man sogar mich zu einem netten Gespräch inklusive Kaffee eingeladen hat …“


Dies ist ein Auszug aus einer neuen Publikation, die voraussichtlich ab Juli 2015 vorbestellt werden kann … Namen verrate ich noch nicht .. .:) 

Montag, 16. März 2015

"Eine Zensur findet in Bamberg nicht statt ... wir gehen ehrlich mit dem schwierigen Thema um."

Immer wieder bekomme ich Mails von Leuten, die es nicht glauben können, was sich in meiner kleinen Heimatstadt abspielt: Diese Menschen wollen wissen, wie sich das Projekt HEXENBRENNER-MUSEUM entwickelt hat … wann es los ging und vor allem: wie sich die aktuelle Situation nach dem ZDF-Themenabend (2. März) darstellt?

Der Einfachheit halber haben wir die gesamten „Events“ die sich während den letzten Jahren ereignet haben, in der folgenden Grafik aufgearbeitet.

Sollten wir ein Event „vergessen haben“ - dann sagen Sie uns bitte Bescheid - wir werden das dann kurzzeitig prüfen und gegebenenfalls ausbessern - bzw. erweitern.

Begonnen hat die „heisse Phase“ mit unserer Entdeckung des Kupferstiches aus dem Jahr 1628 -  das war im Mai 2005. Dann haben wir das Malefiz-Gebäude insgesamt 5 mal digital rekonstruiert und das Ergebnis im Oktober 2007 dem neugewählten Bürgermeister Andreas Starke persönlich vorgestellt. 

Seit dieser Zeit existiert bereits ein BLOG, der die gesamte Entwicklung des Projektes chronologisch begleitet. (malefiz.blogspot.com.es).

Wir stellen diese Daten deshalb zur Diskussion, weil wir öffentlich fragen, welche Daseinsberechtigung ein lokales Printmedium hat, dass zu den größten Verbrechen, die sich in dieser Stadt jemals ereignet haben, nicht einmal eine eigene Meinung hat.

Am 2. März 2015 war Bamberg eine sprichwörtliche Geisterstadt: Man hätte „den Asphalt von den Strassen stehlen können“, denn die gesamte Stadt war während der Ausstrahlung von Film und Doku eine sprichwörtliche „Geisterstadt“: Niemand war auf den Strassen zu sehen und selbst die meisten Kneipen waren menschenleer - ganz Bamberg hat diesen Themenabend regelrecht „aufgesaugt“.

Das lokale „Leitmedium“ hat erneut entschieden, keine eigene Meinung zu diesem Themenabend abzuliefern: dadurch werden Leserbriefe und eine weitere öffentliche Diskussion komplett ausgehebelt obwohl es in Bamberg nach dem ZDF-Themenabend tagelang nur noch EIN EINZIGES THEMA gab.

Die vielzitierte JOURNALISTISCHE SORGFALTSPFLICHT wird durch die Themenverweigerung des FT (und Radio Bamberg) massiv verletzt. Eine Standard-Vorankündigung abzudrucken langt definitiv nicht aus bei einem Thema, dass bis zum Jahr 2008 komplett in-existent war - sprich vertuscht wurde. 

Die Journalisten und die Chefetage, die diese Entscheidungen getroffen haben, sollten sich mMn in Grund und Boden schämen.


Die nachfolgenden Links führen Sie zu Film-Rezensionen anderer Medienunternehmen. 








Donnerstag, 5. März 2015

Mehr als 4000 Leser in 24 Stunden ... Wir danken Euch



Liebe Leser 

auch ich musste ja erst einmal die SEELEN IM FEUER „verdauen“ - ich habe das Buch ja schon 2008 als Vorabversion gelesen - und habe das vorhin mit einer Stunde „Kommentare-Lesen“ getan: Bis auch wenige Dauermeckerer (Billigfilm), christliche Hardliner und ein paar Hyper-Esotheriker (musste ausschalten - konnte das nervlich nicht verkraften) ist der generelle Duktus der Kritiken eindeutig extrem positiv und oftmals wird auch der aktuelle Vergleich gezogen mit ISIS und Nazis …  und genau das zeigt mir, das dieser Film wirklich bahnbrechend für die weitere, aktuelle Aufklärungskampagne sein wird.

Da ich selber schon an einigen Filmproduktionen mitgewirkt habe (zuletzt: EXODUS von Ridley Scott) glaube ich zu wissen, was man für kleine Budgets realisieren kann und deshalb beschwere ich mich keine Sekunde über das im Film dargestellte Malefizhaus - ein realistischerer Kulissen-Nachbau wäre wohl einfach zuu teuer gewesen - aber natürlich: es sah komplett anders aus, als dargestellt … 

Allerdings weiss ich aus eigener Erfahrung, dass man ja eigentlich doch genau wissen möchte, wie dieses Horror-Gefängnis in Wirklichkeit ausgesehen hat. Eines muss klar sein: als kirchlicher Neubau war das prunkvolle Sandsteingebäude nicht nur kostspielig verziert (mit Justizia über dem Portal und zwei Kapellen, etc.) und mit den modernsten Gerätschaften ausgestattet, sondern eben auch „brandneu“ - zumindest am Anfang - denn Johannes Junius wurde ja bereits 1628 eingekerkert und verbrannt. 

Wenn man jetzt die Handlungen des Films in unsere digitale Rekonstruktion „transferiert“, wird es mit Sicherheit NOCH SPANNENDER - die Enge, der Gestank, die Angst, die Dunkelheit - die zwangsweise Verabreichung von Weihwasser - etc. etc. das alles wird noch existenter, wenn man sich die Realität der wahren Folterkammer des Malefizhauses verdeutlicht. 

Noch bis zum Montag 9. März kann jederman den Film SEELEN IM FEUER  und die Dokumentation HEXENWAHN in der ZDF-MEDIATHEK finden. 

Eine weitere TV-Ausstrahlung findet dann am kommenden Sonntag Abend 21:55 Uhr- auf ZDF-NEO statt.

Und jetzt noch ein kleines Schmankerl für alle Leser des Romans SEELEN IM FEUER, denn die haben wahrscheinlich auch auf diesen Teil der authentischen Geschichte gewartet … das traurige Schicksal der 22-jährigen Dorothea Flock in einer kurzen 7 Minuten-Doku.



Alles weitere finden Sie auf HEXENBRENNER.com 

und was den Vorwurf der aktuellen Zensur betrifft … den dazugehörigen Post haben in den letzten 24 Stunden mehr als 4000 User gelesen ! - Wow - und danke dafür. 

Mittwoch, 6. August 2008

Heute vor 380 Jahren wurde Johannes Junius verbrannt

Entweder fand die Verbrennung unseres langjährigen Bamberger Bürgermeisters und Ratsherrn in Zeil am Main statt, oder in Bamberg auf dem Schönleinsplatz, der sich im Jahr 1628 noch außerhalb der Stadtmauern befand und einer der Richtplätze für Hexen in Bamberg war.

Es gibt in der gesamten Epoche der Hexenverfolgung kaum ein Schicksal, dass so komplett dokumentiert ist, denn neben den Akten der Inquisitionskommission gibt es ja bekanntermaßen den "Juniusbrief", das Portrait des MALEFIZ HAUS, die Besagungslisten und die Verhörprotokolle.

Mit einem Klick auf das computer generierte Bild von Johannes Junius kommen Sie auf eine YOUTUBE-Seite, die mehrere Videos zum Fall MALEFIZ HAUS anbietet.






Weiterhin haben wir im Internet ein Lizensfreies Buch entdeckt, das wir dem interessierten Leser gerne empfehlen und zum Download anbieten.

"GESCHICHTE DER HEXENPROZESSE" von Dr. Wilhelm Gottlieb Soldan wurde erstmals im Jahre 1843 veröffentlicht.

Damit ist dieses Buch urheberrechtsfrei, von GOOGLE sorgfältig gescannt und vollkommen legal zum Download freigegeben (ca 26 mb).

http://books.google.be/books?id=FCYSAAAAYAAJ&pg=PA260&dq=malefizhaus&hl=fr#PPA260,M1

Das gescannte Exemplar stammt aus der HARVARD COLLEGE LIBRARY und ist trotz der altdeutschen Schrift relativ einfach lesbar. Vieles war schon bekannt, trotzdem haben sich durch dieses Buch weitere Grausamkeiten der Bamberger Inquisition offenbahrt, die Sie ja dann gerne selbst nachlesen können.

Dienstag, 5. August 2008

Teil 1 ist geschafft - Hurrah -

...


denn jetzt ist es amtlich: "Das Malefiz Haus zu Bamberg wird zum Deutschen Denkmal" denn soeben ist das aktuelle Programm der DEUTSCHEN STIFTUNG DENKMALSCHUTZ zum TAG DES OFFENEN DENKMALS am 14. September 2008 im Internet veröffentlicht worden.

http://www.tag-des-offenen-denkmals.de/laender/by/kreisfrei/7233/

Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht nach all der Arbeit und ich danke nochmals allen Helfern von ganzem Herzen, die mitgeholfen haben, dass es geklappt hat. Jetzt gilt es, den Vortrag vorzubereiten ...

Trotzdem gibt es weitere Nachrichten um dieses "archäologische Projekt", die wir gerne mitteilen möchten:

Dank Herrn Michel Behaegel aus Belgien haben wir endlich einen fachkundigen Übersetzer gefunden, der an unserer englischen Malefiz-webpage verantwortlich mitarbeiten wird. Die neue Webadresse des internationalen Blogs finden Sie unter:

http://malefiz-house.blogspot.com

Es wird eventuell noch ein paar Tage dauern, die gesamten Posts aufzuladen, aber spätetstens am 14. September soll auch die englische Version komplett fertig sein.


New Media für das IPHONE (und ein paar weitere WebGadgets):

Wir wollen noch nicht die "ganze Katze aus dem Sack lassen" aber dank neuer Technolgien macht es Sinn, dass wir verschiedene Inhalte für den Tourismus und die Schulen Bambergs auf diesen Medien anbieten werden. Mehr dazu nach dem 14. September.

Samstag, 12. Juli 2008

BAMBERGER ERFINDUNGEN - Teil 1

Das gefaltete Stüblein ( auch "Linsten-Stüblein" genannt - Deutsches Rechswörterbuch)

Diese Foltermethode ist zweifellos eine "Bamberger Erfindung" - es gibt in der gesamten historischen Literatur keinen Hinweis darauf, dass diese Foltermethode noch an anderen Orten praktiziert wurde (vergleiche: Bamberger Durstfolter, Bad im Kalkwasser, Bamberger Betstuhl). Zeil am Main gehörte zum Bistum Bamberg.

Nach unserer Recherche hatte die besagte Kammer eine Kantenlänge von 110 mal 110 Zentimeter - also etwas mehr als einen Quadratmeter. Der Boden bestand aus rautenförmigen Holzpyramiden - sonst war diese Zelle komplett leer.

Die Größe dieser Folter-Zelle ist alles andere als zufällig: wäre sie nur ca 20 cm größer (Kantenlänge), dann wäre es den Delinquenten unter Umständen möglich gewesen, sich diagonal - z.B. auf den Rücken zu legen und die Muskulatur dadurch einigermassen zu entspannen, in dem das Körpergewicht auf möglichst viel Fläche verteilt wird.

Bei einer durchschnittlichen Körpergröße der damaligen Menschen von ca 160 cm ist das flache Liegen in dieser Zelle also nicht möglich.

Wäre die Kammer dagegen ca 20 - 30 cm kleiner (Kantenlänge), dann wäre es unter Umständen möglich, sich zwischen den Mauern "zu verkeilen" - also einen Teil des eigenen Körpergewichts gegen die Wand zu verlagern (vergleiche: Schlot-Klettern)

Wie den Akten zu Entnehmen ist, sind manche Folteropfer schon nach einer Stunde in diesem Raum "zerbrochen" und haben ALLES ZUGEGEBEN, was man von ihnen verlangt hat.

Das gefaltelt stüblein (so linsten stüblein genent.) zimblichen effect thuet, und gestern ein starkhen gar ungehorsamen malefactorn, in einer stundt ferttig gemacht.
Datierung: 1628 Region/Autor/Textsorte: Bayern Fundstelle: v.Lamberg,HexProz. Beil. 18

Andere, vorherrschend weibliche Folteropfer, waren nach Aktenlage, aber mehr als 7 Stunden (!) in dieser Zelle eingesperrt.

Ausschlaggebend für die unvorstellbare Qual ist wahrscheinlich in erster Linie der so genannte Body-Mass-Index: ein schwerer Mann wird mehr Eigengewicht auf die Pyramidenspitzen des Fussbodens ausüben, als zum Beispiel eine vielleicht schon ausgemergelte weibliche Gefangene.

Eine moderne Gummizelle in psychatrischen Anstalten dient bekanntlich dazu, gefährdete Patienten "kalt zu stellen" - zu verhindern, dass diese Menschen sich selbst verletzen. Das "gefaltet Stüblein" ist so ziemlich genau das Gegenteil davon: gesunde Menschen wurden in diese Zelle gesteckt "damit sie darin wahnsinnig werden" und sich bis zu einem gewissen Grad selbst verletzen - und dann natürlich auch selbst belasten.

Zudem wurden die Opfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nackt in diese Zelle gesperrt. Sonst hätten sie wohl sofort ihre Kleidung ausgezogen (Drudenkittel) und als zusammengerolltes Sitzkissen zur dämpfenden Unterlage benutzt. Wie es in dieser Zelle nach den ersten Einsätzen aussah, will man sich gar nicht vorstellen... (Blut, Fäkalien).

Es gab demnach in dieser Folterkammer nur zwei "Aggregatzustände":

entweder schrie und wand sich das Opfer vor unerträglichen Schmerzen

oder es wurde irgendwann ohnmächtig.

Das es in dieser Zelle natürlich vollkommen unmöglich war, zu Schlafen, könnte man im weitesten Sinne auch behaupten, dass es sich bei dieser Folter um eine Form von Schlafentzug handelt. Da die Opfer aber nur zwischen 60 Minuten und 7.5 Stunden in dieser Zelle eingesperrt waren (und nicht über mehrere Tage), ist diese Theorie unsinnig.

Aus den Original-Akten ist zu entnehmen, dass z.B. einige der darin gefangenen Frauen blutende Verletzungen an den Unterschenkeln und Beinen erlitten hatten, was vielleicht den Rückschluss erlaubt, dass die gemarterten Opfer nach einer gewissen Zeit zusammengebrochen sein müssen und entweder hockend oder auf Knien verharrten und so auf ihre Entlassung aus dieser HORROR-Zelle warteten.

Je mehr man sich auf diesem Boden bewegt hat, umso schmerzhafter muss diese Folter gewesen sein, aber sie erfüllte anscheinend ihren Zweck.

Denn im Gegensatz z.B. zum Bad in gekalktem Wasser, dass kaum eine Delinquentin länger als einige Tage überlebte, war diese Folter zumindest nicht tödlich - wenn man davon absieht, dass die geständigen Hexen und Zauberer ziemlich zeitnah nach ihrer Einzelhaft im "gefaltet Stüblein" sowieso auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Weitere Informationen über das "gefaltet Stüblein" gibt es am 14.September 2008 - am TAG DES OFFENEN DENKMALS.

Mittwoch, 21. Mai 2008