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Samstag, 8. Oktober 2016

TEEREN & FEDERN


2013 hatten die roten Männla bereits ein anderes "new home"


An die verehrten Kunstfreunde, die edlen Spender und Sponsoren von „MEETING“.

Normalerweise könnte es mir absolut Stulle sein, wenn ein paar „Kulturfreunde“ ein modernes Kunstwerk kaufen und in meiner Heimatstadt aufstellen. Allerdings werden im vorliegenden Fall ein paar Grenzen überschritten - und dazu habe ich dann doch ein paar Takte zu sagen.

Der chinesische Bildhauer Wang Shugang hat „MEETING“ extra für den G-8 Gipfel (deshalb acht Figuren) in Heiligendamm im Jahr 2007 konzipiert.

Allerdings konnte sich damals kein Käufer für das Kunstwerk begeistern und so wurde gestern in Bamberg letztendlich nichts anderes als ein kultureller Ladenhüter feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Dazu kommt, dass „MEETING“ selbst in Bamberg nicht den geforderten Preis von 240.000 Euros erzielen konnte - da musste der Besitzer Alexander Ochs schon mal 82161,50 Euro Rabatt gewähren. 

Ähnlich erfolglos waren bereits die vorausgegangenen Akquisitionsversuche in Vancouver (2011) in Melbourne (2013) und in Perth, so dass Meeting auf dem internationalen Kunstmarkt längst als „verbrannt“ gegolten hat.

Das in Bamberg als „Meisterwerk der modernen Kunst im öffentlichen Raum“ angepriesene Oeuvre ist bei näherer Betrachtung leider nicht der versprochene große Wurf. Sonst wäre es wohl auch in London, New York und Paris ausgestellt worden. Wang Shugang ist demnach auch keiner der „heissen Kunstimporte aus China“ sondern eher ein Bildhauer aus der zweiten Reihe.

Auch das kann mir ziemlich egal sein - aber es gibt eine Komponente, die es - wie immer - in keinen der aktuellen Zeitungsartikel und Kommentare geschafft hat: ich protestiere dagegen, dass „MEETING“ ausgerechnet auf dem Rasen des Schönleinplatzes installiert wurde.

In unmittelbarer Nähe wurden dort der größte Teil der über 1000 Menschen verbrannt, die man ungerechterweise als Hexen und Zauberer angeklagt und verurteilt hatte. Zusätzlich wurden viele der meist weiblichen Opfer an diesem Platz grausam gequält und verstümmelt. Ihnen wurden die Brüste mit glühenden Zangen zerrissen (bis zu 15 mal bei einem Opfer), Hände abgehackt und die allerwenigsten wurden gnadenhalber vor der abscheulichen Verbrennung öffentlich geköpft. 

Bis zum Jahr 2008 (Tag des offenen Denkmals) waren diese Tatsachen absolut unbekannt, denn die Täter, sprich die katholische Kirche, hatte es über Jahrhunderte geschafft, die grausamste Epoche dieser Stadt perfekt zu vertuschen. 

Spätestens seit den offiziellen „Hexenwochen“ im Jahr 2012 erfuhr man dann öffentlich in Bamberg welche Form von Justizmorden sich hier ereignet hatten - zumindest wenn man kein kulturbehinderter Geschichtsanalphabet ist. 

Das ist der Grund weshalb ich vehement gegen die Aufstellung von „MEETING“ an diesem historischen Platz protestiere. Meinetwegen kann man die Installation an einer anderen Stelle (vor dem Erzbischöflichen Palais, vor der Brose-Zentrale oder sonst wo) aufstellen … aber eines Tages werden diese bedeutungslosen Sitzchinesen vom Brandplatz der katholischen Inquisition wieder entfernt werden - da halte ich jede Wette.


Wang Shugang - abstracted


Bis dahin hätte ich zwei Fragen an den Künstler: 

Lieber Wang Shugang. 

Hat man Sie eigentlich darüber informiert, das sich im 17ten Jahrhundert ein europaweit einmaliges Massaker an Frauen, Männern und kleinen Kindern abgespielt hat - genau an dem Platz, an dem jetzt Ihre Statuen stehen.

Was sagen Sie zu der Tatsache, oder interessiert es Sie gar nicht, in welchem Umfeld Ihre Kunst wirken soll? 

---------------------------

Seit dem Jahr 2005 habe ich den eingeschlagenen Kurs der Aufklärung niemals verlassen - viel Zeit und Geld in diese Kampagne investiert und gelte selbst bei meinen Feinden als ausgesprochen hartnäckiger Kämpfer. 

Es existieren im Aktenbestand der lokalen Archive knappe 900 Namen von Opfern - abgeglichen mit dem aktuellen Telefonbuch von Bamberg, könnten bis zu 1200 Bamberger Familien einen potentiellen Vorfahren haben, der im 17ten Jahrhundert von der katholischen Kirche gefoltert und verbrannt wurde. Genau auf dem Schönleinsplatz, auf dem jetzt die acht chinesischen Skulpturen hocken. 

Es mir vollkommen scheissegal, ob ich mich mit diesem Post eventuell strafbar mache, aber ich verspreche Euch eines: WÜRDE DER NAME MEINER FAMILIE AUF DER FOLGENDEN OPFERLISTE STEHEN, DANN WÜRDE ICH EINEN ODER ALLE DER ROTEN RASEN-MÄNNLA EIGENHÄNDIG TEEREN UND FEDERN - und zwar so oft, bis man die Message begreift und die Dinger an einem anderen Ort aufbaut. 



Bis dahin empfinde ich die aktuelle Installation als einen Affront gegen den gesunden Menschenverstand und werde auch weiterhin öffentlich dagegen opponieren. 

Es ist schon traurig genug, dass überhaupt ein „gebildeter Mensch“ auf die Idee gekommen ist, dieses Kunstwerk dort aufzustellen …

Noch ist Bamberg stolze UNESCO-Welterbestadt … aber es ziehen bereits dunkle Wolken auf am Kulturhorizont ...  Vor drei Wochen wurde im geschützten Welterbe ein Vorfall aus dem Jahr 2006 angezeigt, der sich mit der illegalen Vernichtung historischer Bausubstanz aus dem 13ten Jahrhundert befasst. Das könnte böse ausgehen für die verklärten Freunde des kulturellen Welterbes. Dresden lässt grüssen.

Wer mehr über diese und andere unbequeme Wahrheiten über die „Traumstadt der Deutschen“ erfahren möchte, dem empfehle ich mein neues Buch: HEXENPUNK - Wie aus der Traumstadt der Deutschen der Schrein des Grauens wurde. 

Seit dem 3.Oktober bei AMAZON.com erhältlich als E-Book und Paperback. 




Samstag, 19. September 2015

Die Dokumentation zum BRANDMAL 2015



Das folgende Zitat stammt aus der Rede der 1. Vorsitzenden des Bürgervereins Bamberg Mitte, Frau Sabine Sauer: Die „Hexenverfolgung“ in Bamberg – sie war tatsächlich bis vor wenigen Jahren ein vergessener Teil der Stadtgeschichte.

Vielen Bambergern ist es bis heute nicht bekannt – aber: Bamberg war der Ort, an welchem vor allem in den Jahren 1612 bis 1630 die größte deutsche „Hexenverfolgung“, wohl die größte in Europa überhaupt, stattfand. 

Unsere Dokumentation wird erstmals die gesammelten Medien der Jahre 2007 bis zur Enthüllung des Mahnmals zeigen … die Geschichte eines vertuschten Massenmordes … der sich in den Mauern dieser wunderschönen Stadt abspielte und der nur deshalb so lange "unter dem Deckmantel Traumstadt der Deutschen vor sich hin moderte", weil sich in Bamberg kein lokaler Historiker mit der katholischen Kirche anlegen wollte. 

Es gibt keine spannendere Geschichte über das historische Bamberg zu erzählen!

Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen genauen Sendetermin vorhersagen - aber wir werden rechtzeitig bekannt geben, wann es soweit ist - u.A. auf diesem Blog und auf FB.

Samstag, 12. September 2015

Es kann nur eine Wahrheit geben … Entscheiden Sie selbst.

Der Text des neuen Hexen-Mahnmals enthält u.a. folgenden Satz:

„Seit 180 Jahren sind diese grausamen Vorgänge Gegenstand der historischen Forschung und in der Erinnerung der Menschen.“

Dagegen stelle ich einen Screenshot der offiziellen Webseite der Stadt Bamberg, die in dieser Form von 2003 bis November 2012 als einzige digitale Informationsquelle für Millionen von Bamberg Fans in aller Welt diente. 



Man möge es mir erklären … aber für mich stellt sich das so dar, dass in diesen 9 Jahren  eine banale „1000-Jahr Feier“ oder der „direkte Autobahnanschluss“ wichtigere historische Ereignisse waren, als der 1000 fache Massenmord der katholischen Inquisition im 17ten Jahrhundert, denn der wurde ja bis Ende 2012 offensichtlich komplett negiert - da war Bamberg übrigens schon 19 Jahre UNESCO-WELTERBE.

Das Verhalten der Verantwortlichen bei der Stadt Bamberg ist deshalb mehr als erbärmlich, denn wer trotz öffentlich geäusserter hehrer Worte systematisch lügt, vertuscht und beschönigt, der verhöhnt damit genau die, an die man mit dem neuen Mahnmal eigentlich erstmals erinnern wollte: Die tausend unschuldigen Hexen-Opfer, die man vorher noch bestialisch gefoltert hat, um sie dann in der Regel bei lebendigem Leibe zu verbrennen.

Ich empfinde diese und weitere Unwahrheiten im Text des neuen Hexen-Mahnmals als einen weiteren unwürdigen Versuch von ein paar ewig gestrigen Beamten, die in der UNESCO-WELTERBESTADT Bamberg ihre eigene „reingewaschene Sicht der Geschichte propagieren wollen“, die mit der Wahrheit leider nicht das Geringste zu tun hat. 

Sie belügen und betrügen damit Jahr für Jahr weiterhin Millionen von Touristen und gehören deshalb m.M.n. sofort entlassen.

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher. Bertolt Brecht

Freitag, 31. Juli 2015

Wie ehrlich ist das denn ?

Am Sonntag wird nach 3jähriger Vorbereitungszeit endlich das Denkmal für die Bamberger Hexenopfer feierlich enthüllt … ich gratuliere in erster Linie dem Bürgerverein Mitte und ganz besonders Frau Sabine Sauer, denn nur durch ihr gemeinsames Engagement wurde dieser erste sichtbare Denkanstoß über die vertuschten Massenmorde in der Bamberger Kulturlandschaft etabliert. 
Die Rolle der Stadt Bamberg und einiger der selbsternannten Kulturträger erscheint mir da bei weitem fragwürdiger ... aber ich bin ja nur der Inseldepp, der die ALLWISSENDEN seit 2007 mit dem Thema nervt … 
Dummerweise gibt es eindeutige gedruckte Indizien, wie man von offizieller Stelle mit dem Andenken der etwa 1000 Märtyrer dieser Stadt umgeht.

Im Folgenden sehen Sie mehrere Scans aus dem mMn schlechtesten Pamphlet, das je über Bambergs Geschichte verfasst wurde. Das entsprechende Buch wurde gesponsert von der STADT BAMBERG, der STADTSPARKASSE BAMBERG und der OBERFRANKENSTIFTUNG und ist mMn eine Schande für die historischer Aufklärung.

Auf Seite 189 werden 129 Opfer namentlich aufgelistet.
Auf Seite 174 werden weitere 129 Opfernamen gelistet - allerdings hat da der Setzer schon geschlampt, denn 9 Namen sind Doubletten, weshalb also insgesamt nur 249 Opfernamen abgedruckt wurden.

Da es im Staatsarchiv aber 884 Akten und entsprechende Namen zu jeder Akte gibt, frage ich öffentlich: was soll das? Was ist mit den anderen 635 Opfern? Nicht erwähnenswert ? Nach welchen Kriterien wurden hier die OPFER SELEKTIERT ?
Ist der Oberfrankenstiftung während der Produktion das Geld ausgegangen?
Gab es einen Material-Engpass Ende 2013, so dass Papier und/oder Druckertinte knapp waren? Oder gab es einen Engpass im Hirn der Produzenten??

Übrigens - das Buch wurde auch mit Euren Steuergeldern finanziert...

Oder hat man in Wirklichkeit gemerkt, dass die Opfernamen bei dieser Schriftgröße noch für fünf weitere Seiten langten und das dann doch etwas "dramatisch" aussieht und man hat deshalb einfach so die Namen wahllos gelöscht. 

Das ist für mich kastrierte Erinnerungskultur, die sich nur kranke Menschen ausdenken können. 

Montag, 20. Juli 2015

Die Einladung zur Einweihung

Wenn Sie mal bitte kurz nach rechts auf dem Bildschirm sehen, erkennen Sie, dass dieser Blog bereits seit September 2007 existiert. Nach ca 8 Jahren ist jetzt wirklich der entscheidende Moment gekommen um ein wichtiges Datum zu feiern, denn bereits in wenigen Tagen wird in Bamberg offiziell ein Mahnmal für die Hexenopfer enthüllt werden. 

Am 2. August 2015 beginnt in Bambergs Geschichtsschreibung eine neue Zeitrechnung: Bürger, Schulklassen und Touristen werden erstmals sehen, dass hier ein Zeichen für die Aufklärung gesetzt wurde. Dank dem Bürgerverein Mitte, dessen Mitglieder ganz pragmatisch eine Rolle übernommen haben, die in einer UNESCO-WELTERBE-Stadt unter normalen Umständen das Kulturamt, das Welterbe-Office oder die Stadtführung übernommen haben müsste .. aber was ist in Bamberg schon normal? 

Als eine ganz besondere Ehre empfinde ich die Einladung des BVM, die mich vor wenigen Tagen erreicht hat.

Ich würde zu gerne kommen - ohne Frage.

Allerdings werde ich die Veranstaltung leider boykottieren. Nicht wegen dem Mahnmal und selbstverständlich schon gar nicht wegen dem absolut lobenswerten Engagement des Bürgervereins Mitte. 

Mein Verständnis von Respekt und ehrlichem Andenken wird von der Tatsache gestört, dass sich in Bamberg die Politiker, die sich bis dato weigern eine moralisch-ethische Rehabilitation auszusprechen, dann in Ihrem Sonntagsanzug vor den Kameras tummeln werden ... und das Grußwort sprechen. Im Namen der Opfer ist mir dieser Irrsinn n bisschen zu bigott.

37 Städte - unter anderem - Köln, Dortmund, Trier, Lutterstadt Wittenberg - hatten kein Problem diesen einfachen Schritt zu gehen. Bamberger Erinnerungskultur ist dagegen so rückständig, wie die Volksvertreter, die lieber die gesamte Bevölkerung pikieren, anstelle sich den Tatsachen zu stellen: Solange Bamberg nicht ebenfalls rehabilitiert und diesen unsäglichen Text abändert, wird die feierliche Enthüllung deshalb leider ohne mich stattfinden. 

1  1993 Winterberg / NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche  6 Opfer
2  1996 Idstein / Hessen        1 Opfer
3  2002 Kammerstein, 2003 -       1 Opfer
4  2007 Eschwege / Hessen, Stadt und ev. Kirche   2 Opfer
5  2008 Fulda / Hessen               250 Opfer
6  2010 Hofheim a.T. / Hessen                11 Opfer
7  2011 Rüthen / NRW                 59 Opfer
8  2011 Hilchenbach / NRW                18 Opfer
9  2011 Hallenberg / NRW                 43 Opfer
10  2011 Sundern / NRW        1 Opfer
11  2011 Menden / NRW                 89 Opfer
12  2011 Werl / NRW                  73 Opfer
13  2011 Suhl / Thüringen                 72 Opfer
14  2012 Bad Homburg / Hessen                76 Opfer
15  2012 Detmold / NRW                 21 Opfer
16  2012 Lemgo / NRW               200 Opfer
17  2012 Rheinbach / NRW                    70 Opfer
18  2012 Köln / NRW                  33 Opfer
19  2012 Meiningen / Thüringen                86 Opfer
20  2012 Osnabrück / Niedersachsen             250 Opfer
21  2012 Büdingen / Hessen                        400 Opfer
22  2013 Soest / NRW                  67 Opfer
23  2013 Freudenberg / NRW            18 Opfer 
24  2013 Rehburg-Loccum / Niedersachen          33 Opfer
25  2013 Lutherstadt Wittenberg / Sachsen-Anhalt        21 Opfer
26  2013 Datteln / NRW           130 Opfer
27  2014 Horn-Bad Meinberg / NRW           47 Opfer
28  2014 Trier/ Rheinland-Pfalz.          400 Opfer
29  2014 Dortmund / NRW            25 Opfer
30  2014 Stadt Schleswig / SHS           38 Opfer
31  2015 Lippstadt / NRW            29 Opfer
32  2015 Blomberg / NRW              5 Opfer
33  2015 Wemding / Bayern            59 Opfer
34  2015 Rottweil / Baden-Württemberg        266 Opfer
35  2015 Gelnhausen / Hessen             52 Opfer
36  2015 Bad Laasphe / NRW           6 Opfer
37  2015 Balve / NRW   300 Opfer

Bamberg hätte übrigens auf Platz 6 dieser Liste stehen können ... aber trotz der Tatsache, dass das Mahnmal ja auch Jahre lang verhindert wurde, bin ich zuversichtlich, das es letztendlich noch eine Lösung geben wird, in der meine Heimatstadt hoffentlich nicht den letzten Platz auf dieser Liste belegen wird. 


Mittwoch, 27. Mai 2015

Das Hexenmahnmal von Bamberg und das Sankt-Florians-Prinzip



Im Anhang finden Sie ein PDF vom letzten Sitzungsprotokoll des Kultursenats der Stadt Bamberg (29. April 2015) mit dem hoffnungsvollen Namen: Rehabilitation der Opfer der "Hexenprozesse" im Hochstift Bamberg.

Falls Sie dieses Dokument noch nicht kennen, dann liegt das eventuell daran, dass es nirgendwo anders als bei uns präsentiert wird … keine Tageszeitung hat darüber berichtet (wie üblich bei diesem „unbequemen Thema“) und auch im WEB-Blog von Stadtrat Dieter Weinsheimer steht lediglich der Wortlaut der finalen Erklärung.

Schon nach dem ersten Satz dieses Beschlusses wird klar, das die Überschrift etwas zu euphorisch lautet, denn: „Der am 06. Februar 2013 gestellte Antrag für eine sozialethische, moralische Rehabilitierung der Opfer des „Hexenprozesse“ im Hochstift Bamberg wurde in der Sitzung des Kultursenats vom 09. Juli 2015 wegen der fehlenden juristischen Zuständigkeit der Stadt Bamberg abgelehnt und ist geschäftsordnungsmäßig erledigt.“

Trotzdem wird dann am 2. August 2015 ein offizielles Mahnmal für die ca. 1000 Hexenopfer eingeweiht werden - und genau hier frage ich mich: Mit welchem Klammerbeutel muss man gepudert worden sein, um diese beiden konträren Geisteshaltungen in einem einzigen Mahnmal zu manifestieren ?

Auf der einen Seite soll das Denkmal an das unsagbare Leiden der unschuldig verbrannten Opfer erinnern … auf der anderen Seite wird im gleichen Atemzug abgelehnt, diese Opfer auch moralisch-ethisch zu rehabilitieren … So wie das bis dato schon 34 andere Städte in Deutschland getan haben (komplette Liste im Anhang). 

Wahrscheinlich sind die Stadträte dieser 34 Städte allesamt „Balla-Balla“, denn im Umkehrschluss würde die Logik lehren, dass sonst die Bamberger Stadträte offensichtlich „auf der Brennsuppn dahergschwumma kumma“. Die Tatsache, dass man in Bamberg damals den kompletten Stadtrat, 5 Bürgermeister und den Kanzler mitsamt seiner kompletten Familie verbrannt hat ist europaweit ein einmaliges Verbrechen gewesen … irgendwie KRANK wenn ausgerechnet die Nachfolger im Amt dieser Opfer die brenzlige Vergangenheit verleugnen, oder?

Wie im Beschluss nachzulesen (PDF-Anhang) hatte der Bürgerverein Mitte einen eigenen Textentwurf zum Mahnmal erarbeitet, den ich, ohne Bedenken, sofort unterschreiben würde. 

Dann aber wurde dieser Text zwischen den drei unterschiedlichen Fach-Gremien mehrmals hin- und hergeschickt - „es wurde um jede Formulierung gerungen“, - doch bei diesem zähen Ringen haben sich einmal mehr die Kräfte durchgesetzt, die Jahrelang mit sturer Verbissenheit darum gekämpft haben, das Hexenthema komplett KALT ZU STELLEN und deshalb lautet der „neue ehrliche Text für das Mahnmal“ jetzt wie folgt … und diese Erklärung des Rates der Stadt soll nun zur Einweihung von OB Andreas Starke im Wortlaut verlesen werden - denn es wird die Inschrift am neuen Mahnmal.

Der Bamberger Stadtrat legt namens der Bürgerinnen und Bürger ein eindeutiges Bekenntnis zur Unschuld der Opfer des Hexenwahns ab.

Mit der grausamen „Hexenverfolgung“ wurde auf ihrem Höhepunkt im 17. Jahrhundert eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Hochstifts Bamberg geschrieben.

Nach den erhaltenen gut 800 Verhörprotokollen wurden bis zu 1.000 Frauen, Männer und Kinder der Hexerei beschuldigt, angeklagt, verhört, gefoltert und ermordet. Die Hinrichtungen wurden zunächst in Zeil, einer Exklave des geistlichen Fürstentums Bamberg, durchgeführt.

1627 wurde dann in Bamberg mit dem Malefizhaus ein eigenes Gebäude als Folterstätte und Hexengefängnis errichtet, das 1635 wieder abgetragen wurde.

Seit 180 Jahren sind diese grausamen Vorgänge Gegenstand der historischen Forschung und in der Erinnerung der Menschen. 

Die Geschichte der „Hexenverfolgungen“ zu erforschen und darzustellen, sie auch künftig im Bewusstsein der Menschen wachzuhalten, um Ausgrenzung, Entwürdigung und Fanatismus künftig zu vermeiden, ist eine Aufgabe, eine Verpflichtung unserer Zeit.


Grotesque Nummer 1:

Wie ist es zu erklären, dass Satz vier von sieben in dieser Erklärung lautet: Die Hinrichtungen wurden zunächst in Zeil, einer Exklave des geistlichen Fürstentums Bamberg, durchgeführt.

Bitte fragen Sie im Notfall Herrn Professor Dr. Dr. Knefelkamp oder lesen Sie es einfach in Wikipedia nach. Die Bamberger Massenmorde begannen bereits 1595 unter Fürstbischof Neidhardt von Thüngen - das ist unzweifelhaft historischer Fakt.

Dem ortsunkundigen Leser soll hier durch die Anwendung des Sankt-Florian-Prinzips der falsche Eindruck vermittelt werden, dass das „böse Zeil“ mit dem Hexenbrennen begonnen hat und das „arme Bamberg“ sozusagen nur in den Strudel der Verfolgung hineingerissen wurde. 

Aber selbst wenn man wirklich in Zeil mit dem Brennen begonnen hätte … dieser kleine Ort war nichts anderes als das „Vernichtungslager von Bamberg“: Die Anzeigen, die Anweisungen zur „Captura“, der Befehl zur Folter und ausnahmslos alle Urteile wurden ausnahmslos in Bamberg ausgefertigt, angeordnet und bezahlt (Besonders gerne mit dem konfiszierten Geld der verbrannten Opfer).

Insgesamt wurden in Zeil etwa 400 der ca. 1000 Opfer verbrannt. Der geschätzte Rest - also ca. 600 Scheiterhaufen - standen definitiv in Bamberg am Schönleinsplatz und an manchen Tagen wurden genau an diesem Ort bis zu 8 (acht) Menschen gleichzeitig öffentlich verbrannt (siehe 15. Juli 1628).

Es gehört eindeutig zum System der „Bamberger Vertuschung“ möglichst viel Verantwortung auf das kleine Zeil am Main abzuschieben, um damit von Bamberg und seinen katholischen Massenmördern abzulenken. Ironischerweise hat aber ausgerechnet Zeil aber 600.000 Euro für die Einrichtung eines Dokumentationszentrums ausgegeben, während das Bamberger Mahnmal von einem privaten Bürgerverein initiiert wurde. RESPEKT.

Auch während der städtischen Hexenwochen im Jahr 2012 wurden die absurdesten Vorträge selbst über Salem (Massachusetts) abgehalten, während man die Existenz und die Funktion des MALEFIZHAUSES gerade einmal mit ein paar Nebensätzen am Rand streifte.

Damit komme ich zur nächsten Grotesque in dieser Erklärung: Seit 180 Jahren sind diese grausamen Vorgänge Gegenstand der historischen Forschung und in der Erinnerung der Menschen.“

Wenn es wirklich so wäre, warum wurden denn dann eigentlich erst 2012 die „sensationell besuchten Hexenwochen“ abgehalten.

Wenn die grausamen Vorgänge wirklich seit 180 Jahren in der Erinnerung der Menschen wären - warum wusste dann bis zum Jahr 2008 „kein Schwein etwas davon?“ Warum hat in den ganzen 180 Jahren NIEMAND ein Buch oder irgendeine Publikation darüber verfasst? 

Ausserdem dürfte mittlerweile bekannt sein, dass die Bamberger Gerichtsbarkeit, in eben jenem 18 Jahrhundert, alle Hexen-Akten vernichten wollte … Dummerweise hatte ein geschichtsbewusster Bürger diese Akten aber entdeckt und den Rest davon aufgekauft. Sonst wären nämlich alle Beweise restlos verschwunden und wir wüssten gar nichts von dem damaligen Massenmord … passiert ist er deswegen trotzdem.

Fragen Sie doch einfach Herrn Oberbürgermeister Starke selbst, wann und wo er das erste Mal von dem geheimnisvollen Malefizhaus informiert wurde. 

Oder noch einfacher: Bei welcher Gelegenheit haben Sie - liebe/r Leser/in - das erste Mal von dem katholischen Haus des Horrors in der Franz-Ludwig-Strasse und dem 1000-fachen Massenmord gehört? 

Die ungeschminkte Wahrheit wurde erstmals im Jahr 2008 durch uns öffentlich gemacht, und die einzige Institution, die uns jemals geholfen und inspiriert hat, diese Justizmorde gegen alle Widerstände aus dem Erinnerungsschatten zu befreien, war die DEUTSCHE STIFTUNG DENKMALSSCHUTZ in Bonn.

In einem TV-Beitrag hat OB Starke im BR 2012 erklärt, dass man in Bamberg „ehrlich mit dem Thema umgehen würde“ … ich würde gerne wissen, wie er sich dann fühlen wird, wenn er am 2. August den oben aufgeführten Text in die Kameras und Mikrophone der internationalen Presse sprechen wird. 

Trotzdem gibt es in Bamberg noch immer genügend Menschen, die sich nicht von der rückständigen Haltung einiger Politiker abschrecken lassen: Der Bürgerverein Mitte hat mich sogar schriftlich zu dieser Zeremonie eingeladen: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie (als derjenige, der in Bamberg den Stein ins Rollen gebracht hat) zur Einweihung kommen würden.“

Ich weiss die aussergewöhnliche Ehre dieser Einladung wirklich sehr zu schätzen und bedanke mich auch von ganzem Herzen dafür, … aber wenn diese reaktionäre Erklärung des Stadtrates nicht abgeändert wird (wovon ich leider ausgehen muss) dann verzichte ich lieber … 

Das hat dann für mich auch nichts mit gelebter Erinnerungskultur zu tun und ich empfinde es als inakzeptable Schande für die verbrannten Opfer, die sich nicht gegen diese erneuten Reinwaschungsversuche von ein paar unseriösen Beamten wehren können.

Aber selbst wenn ich dann eben nicht nach Bamberg fahre … ein Kamerateam ist bereits gebucht und so werden Sie, als interessierter Leser, auf alle Fälle bei dieser einmaligen Zeremonie dabei sein. 

Versprochen!

————
Chronologische Liste aller Städte in Deutschland, die seit 1993 eine moralisch-ethische Rehabilitation der Opfer ausgesprochen haben. 

1 1993 Winterberg / NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche 6 Opfer
2 1996 Idstein / Hessen 1 Opfer
3 2002 Kammerstein, 2003 - 1 Opfer
4 2007 Eschwege / Hessen, Stadt und ev. Kirche 2 Opfer
5 2008 Fulda / Hessen 250 Opfer
6 2010 Hofheim a.T. / Hessen 11 Opfer
7 2011 Rüthen / NRW 59 Opfer (169 ?? )
8 2011 Hilchenbach / NRW 18 Opfer
9 2011 Hallenberg / NRW 43 Opfer
10 2011 Sundern / NRW 1 Opfer
11 2011 Menden / NRW 89 Opfer
12 2011 Werl / NRW 73 Opfer
13 2011 Suhl / Thüringen 72 Opfer
14 2012 Bad Homburg / Hessen 76 Opfer
15 2012 Detmold / NRW 21 Opfer
16 2012 Lemgo / NRW 200 Opfer
17 2012 Rheinbach / NRW 70 Opfer
18 2012 Köln / NRW 33 Opfer
19 2012 Meiningen / Thüringen 86 Opfer
20 2012 Osnabrück / Niedersachsen 250 Opfer
21 2012 Büdingen / Hessen 400 Opfer
22 2013 Soest / NRW 67 Opfer
23 2013 Freudenberg / NRW 18 Opfer (oder 23 )
24 2013 Rehburg-Loccum / Niedersachen 33 Opfer
25 2013 Lutherstadt Wittenberg / Sachsen-Anhalt 21 Opfer
26 2013 Datteln / NRW 130 Opfer
27 2014 Horn-Bad Meinberg / NRW 47 Opfer
28 2014 Trier/ Rheinland-Pfalz. 400 Opfer
29 2014 Dortmund / NRW 25 Opfer
30 2014 Stadt Schleswig / SHS 38 Opfer
31 2015 Lippstadt / NRW 29 Opfer
32 2015 Blomberg / NRW 5 Opfer
33 2015 Wemding / Bayern  59 Opfer
34 2015 Rottweil / Baden-Württemberg  266 Opfer

Insgesamt 2885 Opfer geteilt durch 34 Städte  = 84,8 Opfer / Stadt 

In Bamberg wurde mit ca. 1000 Opfern der Durchschnitt ca. 11,8 mal übertroffen.

P.S.: Im folgenden Protokoll wird laufend das Datum verwechselt … das liegt nicht an mir, denn das PDF ist natürlich im Original aus dem Rathaus am Maxplatz - ob der Beschluss deswegen gleich komplett ungültig ist, kann Ihnen nur ein Verwaltungsfachmann erklären … Pfusch isses in jedem Fall:

Hier ist der Link zum Sitzungsprotokoll des Bamberger Kultursenats:


























Dienstag, 3. März 2015

Knietief im Blut


Autoren:        Sabine Weigand    /    Ralph Kloos      "Alte Hofhaltung 2013"


Kritik zum ZDF-Themenabend Hexenverfolgung in Bamberg mit der Romanverfilmung „SEELEN IM FEUER“ und der Dokumentation „HEXENWAHN“ am 2. März 2015. 

In Wirklichkeit war alles leider noch viel viel schlimmer …

Es liegt in der Natur unserer empathischen Gefühlswelt, dass wir echtes Mitleid mit den ca. 1000 unschuldigen Opfern fühlen, die damals einfach das Pech hatten, in die kranken Mühlen des christlichen Hexenwahns zu geraten. Da leistet die Romanverfilmung von Sabine Weigand ziemlich perfekte Arbeit, denn bis dato waren HEXEN wohl für die meisten Menschen eher mystische Fantasiefiguren aus der Feder der Gebrüder Grimm und Co.

Erst jetzt sahen viele Bamberger wohl auch zum ersten Mal und in epischem HD, welcher brutale Irrsinn sich wirklich im 17ten Jahrhundert innerhalb der Mauern unserer idyllischen Heimatstadt ereignet hat … 

Eine mir unbekannte Dame, die ich 2013 dort getroffen habe, sprach nach der Lektüre des Romans den Satz aus, der seit gestern Abend selbst den größten Fans dieser Stadt über die Lippen kommen könnte: Ich sehe Bamberg jetzt mit ganz anderen Augen. Nebenbei bemerkt ist der Roman von Frau Weigand noch einen ganzen Zacken besser als die aktuelle Verfilmung - aber das ist ja öfters der Fall - trotzdem hat mir der Film sehr gut gefallen.

Europaweit existierten zu jener Zeit die widerlichsten Auswüchse menschenverachtender Foltermethoden - doch die Bamberger Folterknechte legten noch ein paar eigene Perversitäten „oben drauf“. Eine ausführliche Demonstration dieser Methoden kann man wirklich keinem Zuschauer zumuten, denn „das Reissen der nackten Brüste mit glühenden Zangen“ (bis zu 15 Mal), das „Brennen mit der Schwefelfeder“ oder auch das Abbrennen des Haupthaares mit Alkohol sind mit Sicherheit zu abartig, um sie im TV zu zeigen. Trotzdem sind all diese schriftlich fest gehaltenen Brutalitäten in drei lokalen Archiven gesichert und somit genauso real, wie der berühmte Junius-Brief, den wir bereits im Jahr 2008 öffentlich auf unserer Website präsentiert haben.

Das ZDF hat mMn wirklich großen Mut bewiesen, dieses unbequeme und unschöne Thema zur Primetime zu senden, auch wenn es vor allem an der nachfolgenden Dokumentation einige Details zu berichtigen gibt.

Dennoch: „Seelen im Feuer“ lässt bei vielen Menschen definitiv die Frage aufkommen: Warum wurde dieser offensichtlich historische Stoff erst im Jahr 2013 verfilmt und warum wusste bis zum Jahr 2008 noch nicht einmal die Bamberger Bürgerschaft, was für ein einmaliger und abscheulicher Massenmord sich real in den Mauern ihrer wunderschönen Stadt abgespielt hat? Wie konnten diese abartigen Verbrechen so lange erfolgreich unter den Tisch gekehrt werden? Und wer ist dafür verantwortlich?

Dazu muss man wissen, das unser Team bereits im Jahr 2008 für die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz „in den Ring gestiegen ist“ und das Malefizhaus am „Tag des offenen Denkmals“ vor etwa 450 Besuchern präsentiert hatte.


Wir wurden im Vorfeld und nach dieser einmaligen Veranstaltung von der Stadt und der Presse mehrmals gemobbt, verleugnet, zensiert, belogen, belächelt, beleidigt und sogar mit der Polizei bedroht, weil wir es gewagt hatten, einen offenen Brief an den damaligen Chefredakteur der einzigen Tageszeitung zu schreiben …  und trotzdem haben wir bis heute niemals aufgegeben - denn es geht uns auch insbesondere um die Ehre und die moralisch-ethische Rehabilitation der unschuldigen Opfer, die man in Bamberg - sie werden es nicht glauben - bereits zwei Mal im Kultursenat abgeschmettert hat - Dafür werden im Welterbe frevelhaft-korrupte Bauvorhaben abgewickelt, bei denen - schwuppdiwupp - einfach einmal 12 (zwölf) laufende Meter der alten historischen Sandstein-Stadtmauer illegal und insgeheim abgetragen werden (Zentralsaal-Neubau) -  trotz UNESCO-WELT-KULTURERBE-STATUS. 

Erst im Jahr 2012 hat die Stadt Bamberg zumindest ansatzweise reagiert, aber was soll schon dabei herauskommen, wenn man eine Kommission aus "Spezialisten" einberuft, die jahrelang „Ihr Bestes“ gegeben haben, um die perversen Grausamkeiten so gut es eben ging, zu vertuschen? Die einzigartige Ikone des lokalen Hexenwahns war zweifellos der prunkvolle Neubau namens Malefizhaus (dazu gehört auch der Hexenofen in Zeil), denn das Phänomen der Verfolgung hatte ganz Europa wie ein unsichtbarer Virus verseucht … doch nur im Hochstift von Bamberg wurden die Hexen dermassen kreativ und stolz mit einer hochmodernen und nagelneuen Tötungsmaschine „abgearbeitet“.

Trotzdem war der ZDF-Thementag ein sehr erfreuliches Ereignis für mich, mein kleines Team und all die Menschen, die uns auf dem langen Weg aktiv seit 2008 begleitet, unterstützt und geholfen haben.

Wirklich ernst gemeinte Hilfe hat es in der „Bildungsstadt Bamberg“ für uns niemals gegeben … von keiner Institution … dafür hat man unsere konkreten Museumspläne in den Jahren 2011 und 2013 erfolgreich torpediert … 

In dieser Stadt kann jedes Problem gemeinsam weggesoffen werden - das klappt im „Schrein des Grauens“ einfach immer - da ist es auch egal, wenn gewisse Schlipsträger entgegen eigener Lippenbekenntnisse dreist und unverfroren ihre zahlenden Gäste belügen und damit jedes Jahr ca. 2 Millionen Touristen um die wichtigste Geschichte der Stadt Bamberg betrügen …

Zur Dokumentation HEXENWAHN hätte ich dann noch Folgendes anzumerken: 
Der 14jährige Hänschen Morhaubt wurde im Jahr 1627 verbrannt - bis zu diesem Zeitpunkt hatte man in Bamberg und Zeil bereits mehr als 500 Menschen „zur Seelenreinigung ins Feuer geschickt“. Die Verbrennungen fingen also auf keinen Fall mit seinem Tode an …
Die erste „Bamberger Hexe“ wurde bereits im Jahr 1595 vor Ort verbrannt (Margareta Böhmerin) - und nicht, wie behauptet, in Zeil. Insgesamt wurden in Zeil am Main etwa 400 - in Bamberg ca. 600 Hexen verbrannt. Zeil war quasi das „Vernichtungslager“ von Bamberg.
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Ganz so abhängig, wie dargestellt, war der Fuchs von Dornheim nicht von seinem Generalvikar Förner, denn bereits 10 Tage nach dessen Tod am 5. Dezember 1630, wurden in Bamberg und Zeil jeweils eine Hexe verbrannt.
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Es ist richtig, dass der kaiserliche RHR in Wien die Prozesse in Bamberg am Liebsten beenden wollte … Allein, dem Hexenbrenner Fuchs von Dornheim war das anscheinend ziemlich - verzeihen Sie mir die Wortwahl - scheissegal. Zuerst liess er einen Großteil der von Wien angeforderten Prozessakten einfach „neu schreiben“, was durch wissenschaftliche Tintenanalysen bestätigt werden konnte, und dann wusste er ganz genau, dass ihm „nichts Großartiges“ passieren konnte - schliesslich war Krieg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Länder und der Fuchs von Dornheim stellte dem kaiserlichen Heer jede Menge Truppen zur Verfügung. Die letzten 10 Insassen des Malefizhauses wurden dann auch erst am Tag vor dem Einmarsch der schwedischen Armee im Februar 1632 aus dem berüchtigten Hexengefängnis entlassen. Am selben Tag flüchtete der Hexenbischof über Forchheim nach Wien und Kärnten unter Mitnahme des gesamten Domschatzes.
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Die Opferzahlen, die Herr Professor Behringer seit Jahren publiziert, sind spätestens seit der kürzlichen Wiederentdeckung der „Flamersheimer Hexenprotokolle“ in den USA vor wenigen Monaten leider ziemlich „OUTDATET“ und damit FALSCH, denn seit diesem Fund spricht selbst die katholische Kirche in ihren eigenen Medien von mindestens 60.000 Opfern, die es alleine in Deutschland gegeben haben soll!
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Bei der Auswahl der präsentierten Opferschicksale habe ich auch so meine Probleme, denn selbst wenn die Episode der geschundenen Wirtin Barbara Schwarz wirklich dramatisch und einzigartig ist, so ist ihre Gewichtung im Vergleich zu dem Mord am höchsten deutschen Beamten - dem Kanzler Dr. Georg Haan - einfach nur marginal. Der Kanzler und seine gesamte Familie wurden allesamt und nacheinander in kurzer Zeit verbrannt und ihr Grundstück konfisziert. Damit war selbst für den letzten Bamberger Bürger ersichtlich, dass es nach diesem Justizmord keinerlei Grenzen mehr für die Hexenkommissare geben würde.
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Jetzt komme ich zum wirklich „heiklen Thema“ und ich habe erst mehrere Journalisten gefragt, ob ich dieses Problem evtl. etwas „zu eng sehe“ … aber man hat mich durchaus positiv bestärkt und so stelle ich ganz einfach folgende öffentliche Frage: Wie sehen es die Leser dieses Blogs, wenn es das ZDF, als eines der wichtigsten Deutschen Leitmedien, ablehnt (ich habe zweimal freundlich schriftlich interveniert) den Verbrennungsofen in Zeil am Main, der zweifelsfrei existiert und funktioniert hat, im Rahmen der gestern Abend gesendeten Dokumentation zu präsentieren? 
In jedem anderen Land der Welt würde ich nonchalant über diesen kleinen Fauxpas hinwegsehen … aber als Deutscher habe ich im Zusammenhang mit Verbrennungsöfen und Vernichtungslagern (nichts anderes passierte in Zeil) einen seltsamen Nachgeschmack, der mich irritiert hat und auf den ich meine Vertragspartner beim ZDF selbstverständlich schriftlich und mit Nachdruck im Vorfeld hingewiesen habe. Die aufgeführten Zitate zu diesem Ofen stammen von Rolf Hochhuth und Karlheinz Deschner; ich habe sie lediglich verwendet.

Eines noch: Nachdem jetzt klar sein sollte, was - zumindest im Ansatz - in diesen schrecklichen Zeiten im Namen Gottes in den Folterkammern der Inquisition passierte - stellen Sie sich doch einfach mal vor, Sie müssten sich unter folgenden imaginären Szenarien für Eines davon zwingend entscheiden: Sie wären dann wahlweise ein Gefangener von GESTAPO, ISIS, CIA oder der katholischen Inquisition und warten auf ihre bevorstehende Hinrichtung nach „Art des Hauses“ … 
Also ich wüsste zumindest ganz genau, „für was ich mich NICHT ENTSCHEIDEN WÜRDE … - was meinen Sie?“

Fazit: Im Frühsommer 2015 soll am Schloss Geyerswörth ein abstraktes Mahnmal für die Opfer des lokalen Hexenwahns aufgestellt werden .. und einige der Schlipsträger, die immer rigoros gegen eine lückenlose Aufklärung waren, werden sich dann garantiert im Scheinwerferlicht der Kameras räkeln und großspurig ihre Lügen zum Thema verzapfen … 
von wegen „hier wurde ja niemals etwas vertuscht“.

In der selbst ausgerufenen „Traumstadt der Deutschen“ übernachten jedes Jahr mindestens 500.000 Touristen. Wie viel Prozent hatten ihrer Meinung nach bis dato eine realistische Chance zu erfahren, was auf Bamberger Grund und Boden damals wirklich passierte ? Ich behaupte, wir reden hier von Promille-Werten und erst wenn sich dieser Zustand eines Tages ändert und an der Bamberger Autobahnausfahrt ein ähnliches Schild steht, wie seit zwei Jahren in Zeil am Main, erst dann ist die immer noch bestehende Vertuschung auch wirklich vorbei - und keine Minute früher.

Wir versprechen Ihnen, dass Sie nirgendwo mehr verifizierte Informationen über die damaligen Hexenverbrennungen finden werden, als im virtuellen Hexenbrenner-Museum oder in unseren Büchern… Darauf gebe ich Ihnen mein Wort. 

Momentan ist dieses Angebot bereits in Deutsch und Englisch erhältlich … weitere Sprachen werden in Zukunft folgen.

PS.: Wie Sie in der rechten Leiste sehen, ist dieser Blog bereits seit 2007 aktiv ... Klicken Sie doch mal rein, wenn Sie die Entwicklung dieses Themas von Anfang an nachlesen möchten.

Freitag, 10. Oktober 2014

Die Wunden der Anderen





Zuerst die Gute Nachricht: mit einjähriger Verspätung wurden heute die Gewinner des Kunstwettbewerbs zur Gestaltung eines „Hexenmahnmals“ in Bamberg nominiert: Miriam Giessler und Hubert Sandmann, ein Künstlerpaar aus Essen haben ihre 184 Konkurrenten aus dem Feld geschlagen - kassieren jetzt 40.000 € und werden mit ihrem Entwurf „bis ans Ende aller Tage“ an die Massenmorde der katholischen Kirche in Bamberg und Zeil erinnern.

Das ist prinzipiell eine richtig gute Nachricht, denn abgesehen davon, dass die Idee „nur“ ca. 9 Jahre bis zu ihrer Verwirklichung benötigte, sollte vielleicht erst einmal die Urheberschaft dieses Kunstwerkes klipp und klar benannt werden.

Nein - wir waren das nicht, denn als wir 2008 das Malefiz Haus der Öffentlichkeit vorgestellt haben, kannten wir diese Forderung bereits, denn sie stammt originär vom ehemaligen evangelischen Pfarrer von St. Stephan, Dieter Potzel. Da dieser aber vor Jahren schon zu „einer anderen Sekte“ konvertiert ist (Freie Christen) wurde dieser Mann noch gnadenloser gemobbt und verleugnet als wir.

Trotzdem vielen und aufrichtigen Dank an die Mitglieder des Bürgervereins Mitte, die diese Idee von Dieter Potzel dann im Jahr 2012 aufgegriffen haben und jetzt wirklich ein Mahnmal für die etwa 1000 gefolterten und verbrannten „Hexen und Zauber des 17ten Jahrhunderts“ realisieren. Chapeau.

Zum Standort

Seit wann wird das Mahnmal eines Massenmordes am Wohnort der Täter aufgestellt?

Nein - und da zitieren wir gerne und mit seiner Genehmigung den Bamberger Mundartpoeten "Gerhard C. Krischker", der dazu sagt: "Das wäre ja dasselbe, als wenn man ein Judendenkmal auf die Reste der alten Reichskanzlei in Berlin bauen würde!" Punkt. Besser kann man es nicht erklären.

Aber es kann ja später immer noch umziehen … das Kunstwerk.

Zum Entwurf

Es gibt in Bamberg bereits eine negativ Säule auf dem Domberg; erschaffen vom 1939 geborenen deutschstämmigen israelischen Künstler Micha Ullmann, der seine Wurzeln in Bamberg hat. Diese in den Boden gehende Säule ist nächst der 1775 abgebrochenen Tattermannsäule errichtet. Diese Säule symbolisierte den Nabel der Welt. Sie sehen es auf jedem Foto des Domplatzes! Wenn Sie dann trotzdem NIX sehen, liegt es daran, dass die Kunst nur im Untergrund statt findet. Ausserdem ist die Glasscheibe oftmals mit Tau beschlagen und man sieht noch weniger.

Zurück zum Hexendenkmal

Die im aktuellen Entwurf gezeigte Beleuchtung wird an einem strahlenden Sommertag wohl kaum zu sehen sein - und nachts sind ja generell sehr viel weniger Menschen und vor allem Touristen unterwegs … es besteht also zu befürchten, dass man „dieses Mahnmal schon suchen muss“, um es auch zu finden. Es springt nicht „so richtig ins Auge“.

Betrachten wir nun das offizielle Presse-Foto von heute …





Links sehen wir die beiden Künstler: An ihrem „freudigen Gesichtsausdruck“ sieht man ihnen geradezu an, dass sie gerade eine Ausschreibung mit ausgelobten 40 Tsd € gewonnen haben. Sie wirken statt dessen eher „staatstragend“ und sind sich offensichtlich dem Gewicht ihrer Arbeit bewusst, denn schliesslich geht es bei ihrer Denkmals-Kunst ja um ca. 1000 getötete Menschen.

Auf der anderen Seite sieht man eine erleichtert lachende Frau Sauer, die einfach nur eine „ehrliche Haut ist“ - meinen vollsten Respekt hat und garantiert froh ist, dass es zumindest bei der Objektfindung eine demokratische Entscheidung gegeben hat. Sie haben einen tollen Job gemacht Frau Sauer.

Dann aber wird es kritisch, denn hinter Ihr grinst ein Dr. Thomas Lange in die Kamera und mMn hätte der auf diesem Bild garantiert NICHTS VERLOREN, denn er hat noch im Juli 2013 gegen eine moralisch-ethische Rehabilitierung der Opfer gestimmt.

Deshalb persönlich: „Herr Dr. Lange - verfügen Sie eigentlich über einen Funken Schamgefühl? Sie stimmen einerseits gegen eine kostenlose und längst überfällige Rehabilitierung der Opfer im Kultursenat der Stadt und brüsten sich nun als neuer Kultur-Bürgermeister mit einem „Denkmal für die verbrannten Opfer“.

Als katholischer Theologe müssten sie die Wahrheit über die Taten ihrer historischen Glaubensgemeinschaft progressiv publizieren - aber das Gegenteil ist der Fall. Warum heisst es eigentlich DENK MAL?

Weder ein von OB Starke angedachter Straßennamen, noch ein Tag des Andenkens oder gar ein Messe für die unschuldigen Vorfahren der Bamberger hat man seitens der katholischen Kirche in den Jahren seit 2008 auf die Reihe bekommen - aber immer schön sabbeln von „aufgeklärt“ und Bildungsleuchtturm. Einfach nur rückständig bis maximal lächerlich ist das.

Deshalb fehlen auf dem Foto höchstwahrscheinlich die Gesichter der üblichen lokalen Weltkultur-Erbe-Fanatiker, die es jetzt schon im zweiten Jahr hintereinander „versäumt“ haben, am nationalen UNESCO-Tag auch dem „unbequemen Teil der Bamberger Welterbe-Geschichte“ zu gedenken … man sollte diese Leute wirklich auf die Strasse setzen. Würden sie das Gleiche in Bezug auf das dritte Reich veranstalten säßen sie sowieso schon längst wegen Volksverhetzung in Haft.

Schon bald wird also das neue Mahnmal installiert werden und die Bamberger werden nicht lange brauchen, um einen passenden Spitznamen für die „zsammagequetschte Lavalamben“ zu finden und dann werden auch garantiert einige der angesprochenen Lügner in die anwesenden TV-Kameras grinsen und ihre „historischen Weisheiten“ verzapfen - von wegen „niemals vertuscht“, etc. - das einmalige historische Welterbe - unser weltweites Alleinstellungsmerkmal, blabla, sabbel, etc.

Ich persönlich hätte mir einen emotionaleren Entwurf - irgend etwas Einmaliges gewünscht, dass auch irgendwie dem Leiden und Schicksal der Opfer gerecht wird.

So sehe ich einen „abstrahierten Entwurf“ aus beleuchtetem Metall und Acryl - eines Denkmals, dass auf dem Boden liegt - ich muss mein Haupt beugen - es möglichst bei Dunkelheit besuchen … Aber wahrscheinlich gibt es für 40 Mille eben nicht mehr Andenken zu kaufen. Zumindest nicht auf Augenhöhe der Geschichte.

Trotzdem ist es, bei aller Kritik, immer noch besser als gar kein Denkmal. Die Mindestanforderung der Ausschreibung wurde also gerade noch erreicht.

… vor wenigen Augenblicken erfahren: Auch der Rat der Stadt Dortmund beschliesst heute die moralisch-ethische Rehabilitierung seiner Opfer. Wann steht Bamberg endlich auf dieser Liste???


1 1993 Winterberg/ NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche 6 Opfer
2 1996 Idstein/ Hessen 1 Opfer
3 2002 Kammerstein, 2003 Kammerstein - Barthelmesaurach 1 Opfer
4 2007 Eschwege/ Hessen, Stadt und ev. Kirche 2 Opfer
5 2008 Fulda/ Hessen 250 Opfer
6 2010 Hofheim a.T./ Hessen 11 Opfer
7 2011 Rüthen/ NRW 59 Opfer (169 ?? )
8 2011 Hilchenbach/ NRW 18 Opfer
9 2011 Hallenberg/ NRW 43 Opfer
10 2011 Sundern/ NRW 1 Opfer
11 2011 Menden/ NRW 89 Opfer
12 2011 Werl/ NRW 73 Opfer
13 2011 Suhl/ Thüringen 72 Opfer
14 2012 Bad Homburg/ Hessen 76 Opfer
15 2012 Detmold/ NRW 21 Opfer
16 2012 Lemgo/ NRW (und 1992) 200 Opfer
17 2012 Rheinbach/ NRW 70 Opfer
18 2012 Köln/ NRW 33 Opfer
19 2012 Meiningen/ Thüringen 86 Opfer
20 2012 Osnabrück/ Niedersachsen 250 Opfer
21 2012 Büdingen/ Hessen 400 Opfer
22 2013 Soest/ NRW 67 Opfer
23 2013 Freudenberg/ NRW 18 Opfer (oder 23 )
24 2013 Rehburg-Loccum Niedersachen 33 Opfer
25 2013 Lutherstadt Wittenberg/ Sachsen-Anhalt 21 Opfer
26 2013 Datteln/ NRW 130 Opfer
27 2014 Horn-Bad Meinberg/ NRW 47 Opfer
28 2014 Trier/ Rheinland-Pfalz. 400 Opfer
29 2014 Dortmund 25 Opfer


P.S.: Es sind - entgegen der oben genannten 40.000 € - in Wirklichkeit 50.000 € - da hat man offensichtlich nachgebessert. 

Dienstag, 30. September 2014

Schrein des Grauens oder Traumstadt der Deutschen?



In wenigen Tagen soll sich entscheiden, welches Mahnmal in Zukunft in Bamberg an die über 1000 verbrannten Hexen-Opfer der katholischen Inquisition erinnern wird. 

Das ist prinzipiell eine sehr gute Nachricht - aber leider gibt es wieder einmal grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, was die Bedeutung dieses Denkmals für die Zukunft Bambergs darstellt.

Es gibt ja die verschiedensten Legenden über die tatsächlichen Opferzahlen und die angewendeten Foltermethoden, selbst über den Standort des Folterhauses ist man sich uneins .. usw. usw.

Doch mehrere Tatsachen müssen selbst die kritischsten Bürger akzeptieren: 

Schon bevor das Malefiz-Haus entstand, wurden in unmittelbarer Nähe des Doms - in der alten Hofhaltung - über 300 Bamberger Bürger in der Büttelstube gefoltert, in unteririschen Kerkern eingesperrt und danach meist lebendig verbrannt.

Warum wurde dann im Jahr 1626 ein weiteres prunkvolles und mit Sicherheit sehr kostspieliges Foltergefängnis an der Stadtmauer errichtet? 

Weil der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim insgesamt 3.000 Hexenverdächtige einfangen und töten wollte. 

Diese Zahl errechnete sich aus den Geständnissen, die man in den ersten zwei Wellen der lokalen Hexenverfolgung (1616/17) unter Fürstbischof von Aschhausen aus den gefolterten Opfern erpresst und protokoliert hatte. 

In Würzburg gab es ebenfalls eine notariell beglaubigte Komplizen-Liste, die sogar 8.000 angebliche Hexen aufführte - trotzdem wurden im Hochstift von Würzburg insgesamt zehn (10) kleine Verliese und Kerker hergerichtet, die für Inhaftierung der etwa 1.200 Opfer in dieser Stadt verwendet wurden. 

Nur in Bamberg musste es ein neuer hochmoderner Prunkbau sein, der als Mehrzweckgebäude traurige Berühmtheit erlangte, denn das Malefiz-Haus wurde bereits 1627 in Liedern besungen und als Bilddruck in einer Nürnberger Hexenzeitung präsentiert … da war es überhaupt noch gar nicht in Betrieb.

Neben diesen Fakten, die exakt nachzuvollziehen sind, existieren weitere Tatsachen und diese wurden in der Sprache der Mathematik verfasst und sind deshalb nicht anzuzweifeln.

So wurde zum Beispiel der Architekturplan des Malefiz-Hauses mit einem genormten Maßstab versehen (die sogenannte Bamberger Elle oder der Bamberger Schuh - hängt auch heute noch an der linken Seite des Domportals) und konnte deshalb bis auf den Millimeter digital rekonstruiert werden … und genau daran haben wir uns bereits seit 2005 strikt gehalten; denn zu dieser Zeit haben wir das Gebäude zum ersten Mal rekonstruiert.

Das Ergebnis unserer computerberechneten, fotorealistischen Rekonstruktion ist eine exakte räumliche Annäherung. Da keine offiziellen archäologischen Funde zu diesem „Einzeldenkmal des Horrors“ existieren, müssen wir spekulieren, welche Farbe die Ziegel oder das verwendete Holz hatten und ob Kerzen oder Fackeln zur Beleuchtung benutzt wurden.

Was aber kein Computerprogramm jemals rekonstruieren kann, sind die üblen Gerüche. bzw. der bestialische Gestank  welche in diesem Wänden geherrscht haben und vor allem nicht die tagtägliche Todesangst, welche die damaligen inhaftierten Bamberger Bürger in diesem Horror-Knast teilweise bis zu drei Jahren erleiden mussten, bevor sie dann an den Folgen dieser Haft verstarben.

Der folgende Filmausschnitt ist also eine - wie wir meinen - extrem exakte Nachbildung von dem grausamsten Gebäude, dass jemals in der Welterbestadt Bamberg existierte - und da es innerhalb der historischen Stadtmauern lag, gehört es mit Sicherheit ebenfalls zum UNESCO-Welterbe, was einige lokale Würdenträger aber schwer zu überfordern scheint; sie sabbeln weiterhin von der Medienkompetenz und dem Bildungsleuchtturm Bamberg - der Traumstadt der Deutschen, der schönsten Stadt der Welt und ähnlichem Schwachsinn.

Egal welches Denkmal in naher Zukunft an die Bamberger Hexenverfolgung erinnern wird - das Malefiz-Haus war die absolute Ikone der lokalen Massenmorde - perfide bis ins Detail geplant: So behaupten wir, dass der „Bach, der unter der Folterkammer“ hindurch führte, garantiert als nutzvoller Abwassergraben angelegt wurde, um sich z.B. einfach des Blutes und der Exkremente zu entledigen, die „bei einer ausgedehnten Foltersitzung in dieser peinlichen Frage anfielen“.


Wer sich aktuell schockiert beim Anblick der Gräueltaten zeigt, welche islamische ISIS-Kommandos unter den Ungläubigen anrichten, der sollte sich darüber im klaren sein, dass es im idyllischen Bamberg weitaus brutaler und blutiger zuging. 

Vier eigens in Bamberg „erfundene“ Foltermethoden zeugen davon, dass der Bau und die Nutzung dieses Folterknastes eine Dimension erreichten, die auch ohne die Existenz elektronischer Medien bereits im 17ten Jahrhundert dafür sorgte, dass man Bamberg nur noch als „Schrein des Grauens“ betitulierte und die „Bambergische Tortur“ der Inbegriff des Bösen wurde - zumindest bei den Menschen, die man schon damals als „aufgeklärt“ bezeichnen konnte. 

Warum es trotzdem so schwer ist das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte öffentlich so zu beleuchten, wie es sich in einer weltoffenen Stadt gehören würde, liegt einfach daran, dass sich die Bewohner und Fans dieser architektonisch einzigartigen Kleinstadt zwar als moderne Vertreter der Gattung Mensch verstehen, weil sie vielleicht ein Smartphone bedienen können - trotzdem gilt im Allgemeinen anscheinend eher der Kernsatz von Sabine Weigand aus dem Roman „Seelen im Feuer“, der dem Protagonisten der Erzählung in den Mund gelegt wurde: DIE RÜCKSTÄNDIGKEIT BAMBERGS WAR IHM ZUWIDER.

In der „Traumstadt der Deutschen“ verkleiden sich unter dem Deckmantel der „Tradition“ einige Kulturträger, die in diesem Jahr von der SZ-Journalistin Katja Auer öffentlich als die „Bamberger Kulturbanausen“ bezeichnet wurden, doch mir geht diese Klassifizierung einfach nicht weit genug, denn ich bin der Meinung, dass ein „Banause“ eigentlich ein bemitleidenswertes „Dummerle“ ist, der es einfach nicht besser weiß. 

Anders im UNESCO-Welterbe von Bamberg: Hier wird seit Jahren von einigen selbsternannten Gralshütern (mit und ohne Dr.-Titel) der Bamberger Historie versucht, jeden nationalen und internationalen Touristen, der Bamberg besucht sprichwörtlich um die „spannendste Geschichte dieser Stadt“ zu betrügen, denn es gibt trotz vollmundiger Zusagen nichts, was man auch nur ansatzweise als „zeitgemäße Aufklärungsinitiative der bis vor kurzem vollkommen verschleierten Massenmorde“ der katholischen Kirche bezeichnen könnte.

Anders als in Zeil am Main, wo die Stadtverwaltung 600.000 € für ein Dokumentationszentrum ausgab, ist es in Bamberg einem Bürgerverein zu verdanken, dass zumindest ein Mahnmal entsteht - für 40.000 € - das sagt eigentlich schon ALLES.

Das zukünftige Mahnmal wird mit Sicherheit ein längst notwendiger Teil der Aufklärung werden - keine Frage, aber noch weit wichtiger wird die Ausstrahlung von „SEELEN IM FEUER“ im ZDF im Februar 2015 und die dazugehörige Dokumentation von Terra X sein!

Freuen wir uns darauf. 

Diesen Text wird man mir garantiert „um die Ohren hauen“ - schon alleine für die Unverschämtheit, dass ich es wage die ISIS-Terroristen mit den katholischen Würdenträgern des 17ten Jahrhunderts zu vergleichen.

Fakt ist auch hier: Im historischen Bamberg wurde über die Dauer von vierhundertvierzehn Jahren (414) grausame Folter ausgeübt - mit einer solchen Brutalität, dass das reine „Kopf abschneiden der ISIS“ geradezu wie ein Gnadenakt eingeordnet werden muss, denn auch in Bamberg wurden Menschen geköpft. 

Allerdings nur, wenn etwas zu holen war für die Mörder; denn nur dann gab es den fürstbischöflichen Gnadenzettel. Alle anderen Opfer wurden lebendig verbrannt und großteils noch mit glühenden Zangen gerissen - bis zu dokumentierten fünfzehn (15) Mal - das war barbarisch und auch „reißerisch“ im wahrsten Sinne des Wortes. 

Uns haben ein paar ewig gestrige Kulturbanausen schon 2008 vorgeworfen, reißerisch zu berichten, obwohl wir bis dato sogar darauf verzichtet hatten, die rekonstruierte Folterkammer zu präsentieren. 

Auf was wir garantiert niemals verzichten ist unsere Forderung nach einer unbedingten moralisch-ethischen Rehabilitation der ermordeten Opfer - denn wie soll das denn zusammen passen, dass man jetzt endlich nach so langer Zeit ein Denkmal installiert und trotzdem will man nicht öffentlich sagen: „Da ist damals ein bedauerlicher Justizmord passiert, weil zwei Fürstbischöfe im Krieg mit der eigenen Bevölkerung waren.“ 

Wie soll das denn zusammen passen? Zur Ehrenrettung meiner Heimatstadt, die ich wirklich sehr liebe, muss erwähnt werden, dass es im benachbarten Würzburg anscheinend auch nicht möglich ist, die angemessene Erinnerungskultur zu installieren - aber dort hat es ganz andere Gründe, als in Bamberg.

Vielleicht dauert es noch ein bis zwei Generationen bis die angesprochenen „Kultur-Dinos“ in dieser Stadt und in Würzburg ausgestorben sind … und es auch einen „Bamberger Frühling“ geben wird, der zumindest ermöglicht, dass Touristen und Bürger dieser Städte einen "unverbauten Blick" auf die wahre Vergangenheit werfen können.

Bis dahin gilt allerdings die Devise: Armes Bamberg - armes Würzburg.