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Montag, 16. Juli 2012

Unsere Antwort an den Kultursenat der Stadt Bamberg

... vielleicht haben wir es einfach nicht gut genug erklärt? 


Deshalb möchten wir diesen Artikel zum Thema in der Tageszeitung vom 14. Juli 2012





mit diesem PDF beantworten:




Das angedeutete Buch wird im Sutton-Verlag vertrieben und wird im Herbst veröffentlicht.



mfg

RJK


Dienstag, 10. Juli 2012

Rehabilitierung und Aufklärung der vertuschten Massenmorde von Bamberg


Am 12 Juli 2012 ist nun endlich so weit: auch in Bamberg will sich der Kultursenat der Stadt erstmals mit dem Thema der Rehabilitierung der ermordeten Opfer der Hexenverfolgung beschäftigen. 

Nach vielen anderen Städten hat sich am 28. Juni 2012 der Rat der Stadt Köln einstimmig für eine sozialethische Rehabilitation der Opfer der Kölner Hexenprozesse ausgesprochen.

Deshalb ist es eine gute Gelegenheit diese beiden Städte zu diesem Thema zu vergleichen.

Köln war damals die grösste Stadt im heiligen römischen Reich mit ca. 40.000 Einwohnern. Die Zahl der bekannten Opfer liegt bei 38. Das bedeutet, dass jeder 1052ste Bürger dieser Stadt auf dem Scheiterhaufen sterben musste.

Im Gegensatz dazu lebten in Bamberg zur gleichen Zeit ungefähr 12.000 Menschen. Die Anzahl der Opfer dürfte bei mindestens 884 liegen - diese Zahl nehmen wir hier als Grundlage der Berechnung. Das bedeutet, das ca. jeder 13te Bürger Bambergs als Hexe oder Zauberer verbrannt wurde. 

Rein mathematisch wurden in Bamberg also etwa 81 mal so viele Menschen verbrannt, wie in Köln.

Aber anders als in Bamberg, gibt es in Köln bereits seit 1988 eine Katharina Henot Strasse und seit 1992 eine Gesamt-Schule mit dem Namen der verbrannten Postmeisterin. Am Kölner Rathausturm wurde 1988 von einer direkten Nachfahrin Katharinas Henots, der Künstlerin Marianne Lüdicke eine Skulptur ihrer Ahnin installiert. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Geschichte der Kölner Hexenverfolgungen einer breiten Bevölkerung durchaus bekannt ist.

Das stellt sich im UNESCO-Welterbe der Stadt Bamberg ganz anders dar: bis dato gibt es keinerlei sichtbare Anzeichen, Strassennamen oder gar ein Denkmal für die Massenmorde der katholischen Inquisition. Seltsamerweise gibt es dafür eine ANNA-MARIA-JUNIUS-Strasse in der Stadt Bamberg - sie war die Tochter des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius, der am 12 August 1628 auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt wurde. Ihre späte Ehrung verdankt die ehemalige Dominikanernonne einer Klosterchronik in der sie vor allem die Folgen des 30-jährigen Krieges beschreibt. Den Doppelmord an ihren Eltern, die beide gefoltert und lebendig verbrannt wurden, erwähnt sie dagegen mit keinem einzigen Wort.

Wenn in Bamberg also noch gar nicht aufgeklärt wurde, wie kann man dann eine Rehabilitierung dieser Verbrechen in Angriff nehmen? Müsste die Bevölkerung dieser Stadt nicht zuerst komplett von den Ausmaßen dieser Massenmorde informiert werden? 

Als Beispiel für die etwas abnorme Informationspolitik in Bamberg darf man folgende Tatsachen zur Kenntnis nehmen: im CBI-Genios-Archiv der einzigen Tageszeitung (Fränkischer Tag Bamberg) finden Sie bei der On-Line-Recherche nicht einen einzigen Eintrag unter dem Stichwort "MALEFIZ-HAUS. Es gibt in diesem Archiv also nicht einen einzigen Artikel, der sich dieses Themas annimmt. 

Das könnte man z.B. mit der Stadt Dachau vergleichen: was würde man dazu sagen, wenn es in Dachau ebenfalls keinen Treffer beim Stichwort KONZENTRATIONS-LAGER geben würde?

Insofern darf man gespannt sein, wie der kleinste gemeinsame Nenner innerhalb dieser Sitzung aussehen wird ... und vor allem: was kommt danach?

Da Bamberg und Würzburg gemeinsam die absoluten Hochburgen der europäischen
Hexenverbrennungen waren, würde sich in beiden Städten auch ein spannendes Museum anbieten - zumindest aber die Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte und wenn man es genau nimmt, dann sollten auch die jeweiligen Erzbischöfe in diese Gedenkkultur eintreten, denn schliesslich war es nun einmal unbestreitbar die katholische Kirche, die diese Massenmorde zu verantworten hat.

Dass es im Herbst eine Gedenkwoche zu den Hexenverbrennungen geben wird darf man wohl als erstes zartes Pflänzchen der Aufklärung betrachten. Aber das kann und darf es auf keinen Fall gewesen sein! Wagen wir den Blick ins 30 km entfernte Zeil am Main: dort hat man für 750.000 € eine Gedenkstätte im Hexenturm errichtet, obwohl in dieser Stadt niemals ein Mensch der Hexerei angeklagt oder verurteilt wurde, denn Zeil war nur der Brennplatz von Bamberg. Hier wurde nur das ausgeführt was der Bamberger Erzbischof angestiftet hatte.

Ein interessanter Ansatz wäre z.b. die Ahnensuche - denn in Bamberg leben ja immer noch Menschen, die von Namen her Nachkommen damaliger Opfer sein könnten. Das wäre doch auch für diese Menschen interessant zu wissen, was damals mit ihren direkten Vorfahren passiert ist.

Immanuel Kant fragte sich: Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter? Er antwortet: Nein! Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung, d. h. der Prozess des auf Vernunft begründeten Lebens ist niemals abgeschlossener Besitz, es bleibt ständige Aufgabe, sich der Gefährdungen eines humanen Zusammenlebens bewusst zu sein, sich um die Schaffung vernünftiger Verhältnisse zu bemühen und auch in symbolischen Handlungen Zeugnis abzulegen. 

Donnerstag, 17. Mai 2012


Offener Brief an Herrn Dr. Ludwig Schick  


basierend auf seinen Aussagen vom 9. Mai 2012 im Bayerischen Fernsehen.


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Herrn Dr. Ludwig Schick
Erzbischöfliches Ordinariat
Domplatz 5
96049 Bamberg

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Guten Tag, Herr Dr. Schick  

Da Sie als Oberhirte des Erzbistums Bamberg die historische Verantwortung haben, muss ich Ihre am 9.ten Mai 2012 öffentlich im Bayerischen Fernsehen geäußerten Worte auch öffentlich kommentieren.

Ich widerspreche Ihnen aus mehreren Gründen, denn auch mir ist das "ZU WENIG". 

Fakt ist: Spätestens seit der Veröffentlichung des Buches „Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung“ von Dr. Britta Gehm im Jahr 2002 gibt es ein wissenschaftliches Werk, das genau die von Ihnen in Abrede gestellten Mechanismen der Verfolgung, Diffamierung, Folterung und Verbrennung von mindestens 884 katholischen Opfern des 17ten Jahrhunderts peinlich genau seziert, analysiert und wissenschaftlich demonstriert.

Jetzt könnten Sie natürlich behaupten, dieses Sachbuch gar nicht zu kennen, aber das Erzbistum selbst hat im Jahr 2007 die Autorin dieses Werkes nach Bamberg zum Vortrag geladen.




Deshalb darf man wohl davon ausgehen, dass der Inhalt dieses Buches innerhalb des Erzbistums durchaus bekannt war. Frau Dr. Gehm ist dann zwar nicht in Bamberg erschienen - die Gründe sind mir nicht bekannt -, dennoch haben Sie ja öffentlich und schriftlich zu diesem Vortrag eingeladen.

Ich behaupte deshalb, dass Sie hier zwar einen wohlklingenden Grund für Ihre jahrzehntelange Vertuschung anführen, der aber nicht im Ansatz nachzuvollziehen ist. Die historischen Fakten sind hinlänglich erforscht und bekannt - es existieren sogar wissenschaftliche Papier- und Tintenanalysen, die zweifelsfrei belegen, dass Ihr Vorgänger im Amt, der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim, zahlreiche Akten nachträglich fälschen ließ, um beim kaiserlichen Reichshofrat in Wien die Situation in Bamberg zu beschönigen. Und mit Verlaub: Ich bezichtige Sie exakt der gleichen Vorgehensweise. 

Sie verkörpern die höchste katholische Instanz im Erzbistum und es war alleine Ihre Organisation, die aus Bamberg einen wahren Höllenort gemacht hat. Auch die Mär von der angeblichen Verantwortung weltlicher Gerichte muss hier endgültig klargestellt werden: der Kauf des Grundstücks und der Bau des Malefiz Hauses gehen alleine auf das Konto der katholischen Kirche. 

Dass dann willfährige Richter, Schöffen und Hexenkommissare ebenfalls einen Anteil an den bestialischen Grausamkeiten und Fehlurteilen hatten, will ich hier nicht bestreiten, aber jede Befehlskette hat ihren Anfang, und in Bamberg herrschten die irrsinnigsten Mechanismen, die alleine vom fürstbischöflichen Willen ausgingen.

Von Ihrem heutigen Arbeitsplatz auf dem Domberg sehen Sie in die "Alte Hofhaltung" in deren Mauern auch Hunderte von Menschen gefoltert wurden, bevor man sich entschloss, ein zusätzliches, prunkvolles Foltergefängnis an der Stadtmauer zu erbauen. Auch der Kanzler, Dr. Georg Haan, wurde hier öffentlich ermordet und die schwangere Dorothea Flock entband innerhalb der Kerker in der Hofhaltung ihr Kind, bevor sie im Hinterhof des Malefiz Hauses geköpft und dann verbrannt wurde 
(Heute ist im Übrigen der Jahrestag ihrer Ermordung: siehe Video-Link im Anhang).

Und selbst nachdem es mehr als 40 Jahre keine Verbrennungen mehr in Bamberg gegeben hatte, wurde am 14. Dezember 1674 die 74-jährige Margarethe Handel, wahrscheinlich wieder in der Alten Hofhaltung, bei der dritten Foltersitzung "gradu torturae" zu Tode gemartert. 
Da sie aber bis zu ihrem plötzlichen Foltertod noch nicht gestanden hatte, dass sie eine Hexe sei, wurde ihre Leiche vom katholischen Pfarrer Elias Kraus nach Weismain gebracht und dort mit alle Sakramenten katholisch beerdigt.

Der tausendjährige Dom ist das kaiserliche Wahrzeichen unserer Stadt und das einzige Mal, das Sie, Herr Dr. Schick, jemals Ihre Gemeinde mit der Wahrheit konfrontiert haben, war, als sie am 11. März 2007 während der Vergebungsbitte zum Bistumsjubiläum folgenden Satz gesagt haben: "Damit wir in Zukunft mehr Licht sein und bringen können, feiern wir diesen Gottesdienst der „Reinigung des Gedächtnisses“, der Bitte um Vergebung und der Erneuerung."

Und genau in dieser Haltung liegt m.M.n. die Krux, denn wir leben im dritten Jahrtausend und können als mündige Bürger gerne auf die von Ihnen propagierte "Reinigung des Gedächtnisses" verzichten. 

Der wahre Lauf der wissenschaftlich erforschten Geschichte lässt sich nicht länger verschleiern - die Menschen, die in Ihrem Einzugsbereich leben und die Besucher der Stadt, haben ein Recht darauf, JETZT zu erfahren, welche unvergleichlichen Verbrechen sich in den Mauern von Bamberg und Zeil zugetragen haben und nicht dann, wann Sie es irgendwann für opportun halten werden. 

Das Image des UNESCO-Welterbes wird von Ihrer Beton-Mentalität kupiert - Bamberg wird von ca. 2 Millionen Touristen pro Jahr besucht, die es nicht verdient haben, eine manipulierte Darstellung der Geschichte geliefert zu bekommen. Das sind die Methoden totalitärer Systeme, die in einer modernen aufgeklärten Welt nichts zu suchen haben. 

Und da das hier ein offener Brief ist, möchte ich zum Abschluss folgende These in den Raum stellen: Glaubt denn wirklich ein rational denkender Mensch, dass ohne die Initiative der Herren Dieter Potzel, Dieter Weinsheimer und des Bayerischen Fernsehens jemals etwas an die Öffentlichkeit gelangt wäre? 

Und den zukünftigen Kritikern dieses offenen Briefes stelle ich folgende Frage: Gibt es irgendwo in Deutschland eine weitere Stadt, die vielleicht auch noch UNESCO-Welterbe ist, und in der es einen ähnlichen Massenmord mit mehr als 1000 Toten gegeben hat, der bis dato verleugnet und vertuscht wurde? 

Wenn Sie, Herr Dr. Schick, in Zukunft wirklich "mehr Licht sein und bringen können" wollen, dann sorgen Sie für sofortige lückenlose Aufklärung oder schweigen Sie weiter, aber jeden Tag erkennen mehr und mehr Menschen, was sich wirklich in Bamberg abgespielt hat ... und damit schwindet auch täglich die Glaubwürdigkeit Ihrer Kirche.

Mit den gleichen Mechanismen der Vertuschung wurden auch die Missbrauchsfälle innerhalb des Bistums behandelt, ob sie von Herrn Münkemer oder Dr. Dr. Kehrbach begangen wurden ... es ist immer das gleiche System.  



Zum Schluss möchte ich ein weiteres Zitat aus der Frankenpost anführen: "Auch das Erzbistum Bamberg begrüßt es, wenn eine seriöse und fundierte Aufarbeitung der Geschichte und des Schicksals der Hexenverbrennungen erfolgt, erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg auf Anfrage..."

Ich ziehe es unter diesen Umständen vor, fundiert unseriös zu bleiben.


Ralph Kloos 



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Das Video zum Mord an Dorothea Flock finden Sie hier: 





Autor & Produzent von

 Das geheime Foltergefängnis der katholischen Inquisition.


Adresse: 

C/ Los Costales s/n 
E-35650 Lajares / La Oliva
Fuerteventura - Islas Canarias 


Donnerstag, 16. Februar 2012

Rehabilitierung in Köln - MAUER DES SCHWEIGENS in BAMBERG

so könnte man das zusammenfassen, was beim gestrigen Thementag von DRADIO Wissen herauskam.

In sieben Themenblöcken wurden verschieden Aspekte des Hexenwahns und der Hexenverbrennung abgehandelt.

Hier ist der Link vom Interview mit Pfarrer Hartmut Hegeler, der sich seit 2002 mit der sozial-ethischen Rehabilitierung der Hexen befasst und der schon in mehreren Städten Deutschlands erreicht hat, dass rehabilitiert wurde. Wann wird sich Bamberg seiner Vergangenheit stellen ?

Hier ist das Interview und wer sich wirklich für das Thema interessiert, dem empfehle ich auch die anderen Beiträge.


http://wissen.dradio.de/audioarchiv.55.de.html?drau:page=2&drau:audio_id=93049&drau:play=1

Sonntag, 21. August 2011

Montag, 5. Oktober 2009

Die offizielle Aufarbeitung ... und ihre Fehler


Am vergangenen Freitag wurde erfreulicherweise ein Flyer im Bamberger Rathaus vorgestellt, der erstmals ansatzweise eine Erklärung für diesen vergessenen Massenmord der katholischen Inquisition zu vermitteln versucht.

Download Link zum Flyer

Trotzdem würde ich gerne etwas dazu anmerken und habe zur Sicherheit einen Rechtsanwalt und einen Historiker konsultiert: die letzten 10 Gefangenen wurden nach der Aktenlage erst im Februar 1632 frei gelassen - und mussten deshalb auch die Urfehde schwören (keine Rache am Gericht, Schweigen über die Folterhaft).

Da diese 10 Angeklagten alle unter der Anklage der Hexerei eingefangen wurden und deshalb im MALEFIZ HAUS interniert waren (teilweise mehrere Jahre), sind die Prozesse also definitiv nicht schon im Jahr 1631 beendet gewesen - sondern erst 1632.

Es wäre schön, wenn diese Fakten zumindest in der zweiten Auflage korrigiert werden würden.

Trotzdem: ein erster hoffnungsvoller Schritt zur Aufarbeitung der wahren Geschichte der Stadt Bamberg - weiter so.

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Morgen um 10:30 beginnt die offizielle Aufarbeitung der STADT BAMBERG



... denn folgendes passiert im Büro des zweiten Bürgermeisters Hipelius:



Medieninformation der Stadt Bamberg pt 39a / 2009
18.09.2009

Aktueller Termin


Freitag, 2. Oktober 2009

10.30 Uhr Bamberg, Rathaus Maxplatz, 1. Stock, Zi.-Nr. 107
Vorstellung des Flyers „Zu Bamberg wird gebauet für die Hexen ein Hauss den Hexen dafür grauet – Hexenprozesse im Hochstift Bamberg 1595 – 1631“ durch Bürgermeister Werner Hipelius, Tourismusdirektor Andreas Christel und dem Leiter des Stadtarchivs, Dr. Robert Zink

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Allein die Existenz eines solchen "Flyers" ist lange überfällig und deshalb: Respekt.

... aber zuerst sollte man das Elaborat auch gesehen haben ... ein PDF-Download wäre wünschenswert.

Sonntag, 2. August 2009

Samstag, 12. Juli 2008

BAMBERGER ERFINDUNGEN - Teil 1

Das gefaltete Stüblein ( auch "Linsten-Stüblein" genannt - Deutsches Rechswörterbuch)

Diese Foltermethode ist zweifellos eine "Bamberger Erfindung" - es gibt in der gesamten historischen Literatur keinen Hinweis darauf, dass diese Foltermethode noch an anderen Orten praktiziert wurde (vergleiche: Bamberger Durstfolter, Bad im Kalkwasser, Bamberger Betstuhl). Zeil am Main gehörte zum Bistum Bamberg.

Nach unserer Recherche hatte die besagte Kammer eine Kantenlänge von 110 mal 110 Zentimeter - also etwas mehr als einen Quadratmeter. Der Boden bestand aus rautenförmigen Holzpyramiden - sonst war diese Zelle komplett leer.

Die Größe dieser Folter-Zelle ist alles andere als zufällig: wäre sie nur ca 20 cm größer (Kantenlänge), dann wäre es den Delinquenten unter Umständen möglich gewesen, sich diagonal - z.B. auf den Rücken zu legen und die Muskulatur dadurch einigermassen zu entspannen, in dem das Körpergewicht auf möglichst viel Fläche verteilt wird.

Bei einer durchschnittlichen Körpergröße der damaligen Menschen von ca 160 cm ist das flache Liegen in dieser Zelle also nicht möglich.

Wäre die Kammer dagegen ca 20 - 30 cm kleiner (Kantenlänge), dann wäre es unter Umständen möglich, sich zwischen den Mauern "zu verkeilen" - also einen Teil des eigenen Körpergewichts gegen die Wand zu verlagern (vergleiche: Schlot-Klettern)

Wie den Akten zu Entnehmen ist, sind manche Folteropfer schon nach einer Stunde in diesem Raum "zerbrochen" und haben ALLES ZUGEGEBEN, was man von ihnen verlangt hat.

Das gefaltelt stüblein (so linsten stüblein genent.) zimblichen effect thuet, und gestern ein starkhen gar ungehorsamen malefactorn, in einer stundt ferttig gemacht.
Datierung: 1628 Region/Autor/Textsorte: Bayern Fundstelle: v.Lamberg,HexProz. Beil. 18

Andere, vorherrschend weibliche Folteropfer, waren nach Aktenlage, aber mehr als 7 Stunden (!) in dieser Zelle eingesperrt.

Ausschlaggebend für die unvorstellbare Qual ist wahrscheinlich in erster Linie der so genannte Body-Mass-Index: ein schwerer Mann wird mehr Eigengewicht auf die Pyramidenspitzen des Fussbodens ausüben, als zum Beispiel eine vielleicht schon ausgemergelte weibliche Gefangene.

Eine moderne Gummizelle in psychatrischen Anstalten dient bekanntlich dazu, gefährdete Patienten "kalt zu stellen" - zu verhindern, dass diese Menschen sich selbst verletzen. Das "gefaltet Stüblein" ist so ziemlich genau das Gegenteil davon: gesunde Menschen wurden in diese Zelle gesteckt "damit sie darin wahnsinnig werden" und sich bis zu einem gewissen Grad selbst verletzen - und dann natürlich auch selbst belasten.

Zudem wurden die Opfer mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nackt in diese Zelle gesperrt. Sonst hätten sie wohl sofort ihre Kleidung ausgezogen (Drudenkittel) und als zusammengerolltes Sitzkissen zur dämpfenden Unterlage benutzt. Wie es in dieser Zelle nach den ersten Einsätzen aussah, will man sich gar nicht vorstellen... (Blut, Fäkalien).

Es gab demnach in dieser Folterkammer nur zwei "Aggregatzustände":

entweder schrie und wand sich das Opfer vor unerträglichen Schmerzen

oder es wurde irgendwann ohnmächtig.

Das es in dieser Zelle natürlich vollkommen unmöglich war, zu Schlafen, könnte man im weitesten Sinne auch behaupten, dass es sich bei dieser Folter um eine Form von Schlafentzug handelt. Da die Opfer aber nur zwischen 60 Minuten und 7.5 Stunden in dieser Zelle eingesperrt waren (und nicht über mehrere Tage), ist diese Theorie unsinnig.

Aus den Original-Akten ist zu entnehmen, dass z.B. einige der darin gefangenen Frauen blutende Verletzungen an den Unterschenkeln und Beinen erlitten hatten, was vielleicht den Rückschluss erlaubt, dass die gemarterten Opfer nach einer gewissen Zeit zusammengebrochen sein müssen und entweder hockend oder auf Knien verharrten und so auf ihre Entlassung aus dieser HORROR-Zelle warteten.

Je mehr man sich auf diesem Boden bewegt hat, umso schmerzhafter muss diese Folter gewesen sein, aber sie erfüllte anscheinend ihren Zweck.

Denn im Gegensatz z.B. zum Bad in gekalktem Wasser, dass kaum eine Delinquentin länger als einige Tage überlebte, war diese Folter zumindest nicht tödlich - wenn man davon absieht, dass die geständigen Hexen und Zauberer ziemlich zeitnah nach ihrer Einzelhaft im "gefaltet Stüblein" sowieso auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Weitere Informationen über das "gefaltet Stüblein" gibt es am 14.September 2008 - am TAG DES OFFENEN DENKMALS.

Mittwoch, 21. Mai 2008