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Montag, 6. August 2012

Heute vor 384 Jahren wurde er hingerichtet ...

Es ist der Todestag von Johannes Junius.

Hier können Sie den Brief anhören. (Dauer: 16:27 Minuten, Vorgetragen von Karsten Klaue) 


Dieses Schreiben wurde über mehrere Tage mit gefolterten Händen im Malefiz Haus angefertigt und
danach von den Bütteln des Hexenbrenners abgefangen.

Bürgermeister Johannes Junius hat der Stadt als Ratsherr und Bürgermeister mehr als 20 Jahre gedient, bevor man zuerst seine Frau Helena verbrannt hatte und danach ihn vernichtete.

Sein Schicksal ist durch die vorhandene Aktenlage bestens dokumentiert.

Frau Karin Dengler Schreiber hat im Jahr 2008 öffentlich geäussert, dass dieser Brief ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen werden sollte. Das ist ein bemerkenswerter Vorschlag ... was ist daraus geworden?


Freitag, 20. Juli 2012

nicht zuständig ?

es gibt da etwas klar zu stellen über die gestrige Sendung im Bayerischen Rundfunk - QUER

blog.br-online.de/quer/


Es ist wohl wirklich nur ein Missverständnis, denn es gab nie einen "ANONYMEN BRIEF". Wie dem Erzbistum und der Stadt Bamberg wohl bekannt, wurde dieser offene Brief von Herrn Dieter Potzel geschrieben. Im Endeffekt ist dieser kleine FAUX PAS aber unwichtig.

Interessanter ist da schon der Vergleich mit anderen Städten, die bundesweit in den letzten Jahren ihre Hexenprozessopfer rehabilitiert haben: da wurde in keinem Fall der höchste Staatsrepräsentant ins Spiel gebracht, sondern es wurde - weil es ja weder etwas kostet, noch weil es weh tut - rehabilitiert.

Aber klar - in der absoluten Hochburg der Hexenverfolgung - im UNESCO-Welterbe BAMBERG - da gibt es einen Sonderfall ???  Die Zeit wird zeigen, welche Geistesströmung die Oberhand gewinnen wird ...


Montag, 16. Juli 2012

Unsere Antwort an den Kultursenat der Stadt Bamberg

... vielleicht haben wir es einfach nicht gut genug erklärt? 


Deshalb möchten wir diesen Artikel zum Thema in der Tageszeitung vom 14. Juli 2012





mit diesem PDF beantworten:




Das angedeutete Buch wird im Sutton-Verlag vertrieben und wird im Herbst veröffentlicht.



mfg

RJK


Donnerstag, 12. Juli 2012

Keine "Reinigung des Gedächtnisses"


An Herrn Dr. Norbert Jung

Domkapitular zu Bamberg
Leiter Hauptabteilung Kunst und Kultur


Sehr geehrter Herr Dr. Jung, 

es ist schön, dass Erzbischof Dr. Ludwig Schick zuständigkeitshalber Sie beauftragt hat, Herrn Pfarrer Hegeler auf dessen Brief zu antworten. Allerdings weiß ich nicht, ob er Sie auch dazu ermutigt hat, unsere ehrenamtliche Aufklärungsinitiative in absurder Art und Weise zu diffamieren und zu diskreditieren.

Wir beziehen uns auf Ihr Schreiben vom 16.April 2012, welches öffentlich im Internet zu finden ist.

Wir fühlen uns von folgender Passage angesprochen und können Ihren Wahnwitz beim besten Willen nicht unkommentiert auf uns sitzen lassen.

"Vermutlich wissen Sie aber auch - Beweise liegen mir vor -, dass manche diesbezügliche Aktionen in Wahrheit von lnteressengruppen gesteuert sind, denen es darum geht, die Kirche (übrigens nicht nur die katholische) zu schädigen, bzw. von skrupellosen Geschäftemachern, die durch blutrünstige Präsentationen im Rahmen des Massentourismus Geld machen wollen. Auch das gilt es zu bedenken, denn einem wirklichen Gedenken wäre damit nicht gedient, sondern vielmehr einer missbräuchlichen Verzweckung des Leids der Opfer Vorschub geleistet."

Die angesprochene Interessensgruppe gibt es wirklich. Nach unserem Verständnis einer modernen aufgeklärten Gesellschaft besteht diese Gemeinschaft aus den Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen, was sie zu denken und was sie zu glauben haben. Die Zahl dieser Gruppe steigt tagtäglich. 

Der Wunsch nach ungeschminkter Vergangenheitsbewältigung existiert übrigens unabhängig von den Befindlichkeiten Ihrer oder anderer Religionsgemeinschaften.

Dass Sie es wirklich wagen, die Worte "skrupellos" und "blutrünstig" im Zusammenhang mit uns zu verwenden, hat schon beinahe pathologische Züge. Sie finden auf unseren Webseiten weder Foltergeräusche noch Todesschreie und Sie können mir glauben: Es liegt nicht daran, dass wir dazu nicht technisch in der Lage wären. 

Wir haben bewusst auf alle reißerischen Elemente verzichtet, damit uns Leute wie Sie nicht vorwerfen können, dass wir uns solcher Methoden bedienen müssten, um die Grausamkeiten Ihrer Organisation anschaulich zu dokumentieren. 

Allein die niedergeschriebenen Worte der gemarterten Opfer sind schauderhaft genug. Doch selbst wenn wir die besten Computerspezialisten der Welt verpflichten könnten, um alle existierenden technischen Möglichkeiten zur Dokumentation der damaligen Prozesse umzusetzen, so wären wir doch niemals in der Lage, den Brandgeruch und vor allem die Angst der Menschen abzubilden, die gerade in einer fürstbischöflichen Folterkammer ihre eigenen Familienmitglieder denunzieren mussten, damit die Folterknechte endlich mit ihrem furchtbaren Werk aufhörten. Die ganze Region lebte Jahre lang in einem Trauma aus Aberglauben, Verrat, Gottesfurcht und religiösem Wahnsinn, der dazu führte, dass Bamberg zu einem wahrhaftigen Vorhof der Hölle wurde. 

Ihr akademischer Stand und Ihre Position innerhalb des Erzbistums sagen einem Laien wie mir, dass Sie einer der Hüter über die kircheninternen Informationen und deren Verbreitung im Bistum sein müssen, was gleichermaßen impliziert, dass Sie persönlich sehr wohl seit Jahren ganz genau wissen, was sich innerhalb der "alten Hofhaltung" und im Malefizhaus abgespielt hat. Wer, wenn nicht Sie? 

Das Sahnehäubchen Ihrer obstrusen Anschuldigungen stellt aber der von Ihnen verwendete Begriff der "Geschäftemacherei" dar. Darf ich Sie fragen, wer Ihren, nicht gerade als frugal zu bezeichnenden, Lebensunterhalt (und den des gesamten Bistums, inklusive Erzbischof) bezahlt? So weit ich weiß, sind das die gläubigen Katholiken, die innerhalb des Erzbistums einen Teil Ihrer Lohnsteuer als Kirchensteuer abführen. Ich hoffe, ich liege nicht vollkommen daneben mit dieser Hypothese. 

Da wir ein paar Sätze vorher schon geklärt haben, dass Sie einer der absoluten Hauptverantwortlichen der jahrelangen Vertuschung sind, der sein Geld aber ohne Probleme jeden Monat von den Mitgliedern seiner Kirchenorganisation kassiert, dann ist diese Tatsache für mich nichts anderes als eine Form von niederem Betrug. Werden in der katholischen Lehre nicht die Dogmen der absoluten Wahrheit gelehrt? ("Die Wahrheit spricht meine Zunge, Unrechtes ist meinen Lippen ein Gräuel.")

Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, wie die katholische Kirche insgesamt und speziell im Erzbistum Bamberg zu ihrem unermesslichen Reichtum gekommen ist, wird Ihre Argumentation geradezu abenteuerlich.

Im Gegensatz dazu stoßen jeden Tag mehr und mehr Menschen auf unsere Webseiten zu dem Thema und zu den assoziierten YOUTUBE-Videos, die auf dem Kanal JOHANNESJUNIUS gehostet werden. Schon bald wird dieser Bildungskanal unter dem Namen des verbrannten Bürgermeisters von Bamberg eine Million Zugriffe überschreiten - und nirgendwo finden Sie ein einziges Werbebanner, weil wir auch keine Werbebuttons auf die Website eines KZs platzieren würden. Wir verzichten damit freiwillig auf permanente Einnahmen.

Was die Herstellung dieser jahrelangen Forschungsarbeit angeht, so kann ich nur eines sagen: Ohne die Hilfe zahlreicher Freunde und interessierter Historiker und ohne große finanzielle Opfer wäre es niemals möglich gewesen, die MALEFIZ-HAUS-Website und andere Medien zu produzieren, um damit hunderttausende von interessierten Menschen umsonst zu informieren - und das sogar in einer zweiten Sprache. (Englisch)

Mein persönliches Fazit: 

Durch unsere Arbeit werden die Konsumenten, die unsere Informationsangebote nutzen, gratis über die wahre Geschichte dieser Massenmorde informiert. 

Im Gegensatz dazu werden Ihre monatlich zahlenden Gemeindemitglieder, die Sie beim Kirchgang auch noch zur Kollekte bitten, von Ihnen seit Jahrzehnten gegen besseres Wissen angelogen, bzw. um die Wahrheit betrogen. So viel zum Thema "Geschäftemacher". 

Ihre "Reinigung des Gedächtnisses" hat wirklich lange perfekt funktioniert in dieser Stadt, aber jetzt wird auch in Bamberg das fehlende Kapitel Geschichte öffentlich gemacht werden - auch wenn es noch so weh tut. 

Das können Sie jetzt nicht mehr verhindern und so sollte vielleicht auch in Ihrer Gedankenwelt Platz geschaffen werden für die Lehren der Aufklärung und die mit Ihnen direkt zusammenhängende Verantwortung gegenüber Ihrem Titel, Ihrer Funktion und Ihrer Gemeinde. 

Ralph Kloos

Autor und Produzent: 

Dienstag, 10. Juli 2012

Rehabilitierung und Aufklärung der vertuschten Massenmorde von Bamberg


Am 12 Juli 2012 ist nun endlich so weit: auch in Bamberg will sich der Kultursenat der Stadt erstmals mit dem Thema der Rehabilitierung der ermordeten Opfer der Hexenverfolgung beschäftigen. 

Nach vielen anderen Städten hat sich am 28. Juni 2012 der Rat der Stadt Köln einstimmig für eine sozialethische Rehabilitation der Opfer der Kölner Hexenprozesse ausgesprochen.

Deshalb ist es eine gute Gelegenheit diese beiden Städte zu diesem Thema zu vergleichen.

Köln war damals die grösste Stadt im heiligen römischen Reich mit ca. 40.000 Einwohnern. Die Zahl der bekannten Opfer liegt bei 38. Das bedeutet, dass jeder 1052ste Bürger dieser Stadt auf dem Scheiterhaufen sterben musste.

Im Gegensatz dazu lebten in Bamberg zur gleichen Zeit ungefähr 12.000 Menschen. Die Anzahl der Opfer dürfte bei mindestens 884 liegen - diese Zahl nehmen wir hier als Grundlage der Berechnung. Das bedeutet, das ca. jeder 13te Bürger Bambergs als Hexe oder Zauberer verbrannt wurde. 

Rein mathematisch wurden in Bamberg also etwa 81 mal so viele Menschen verbrannt, wie in Köln.

Aber anders als in Bamberg, gibt es in Köln bereits seit 1988 eine Katharina Henot Strasse und seit 1992 eine Gesamt-Schule mit dem Namen der verbrannten Postmeisterin. Am Kölner Rathausturm wurde 1988 von einer direkten Nachfahrin Katharinas Henots, der Künstlerin Marianne Lüdicke eine Skulptur ihrer Ahnin installiert. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Geschichte der Kölner Hexenverfolgungen einer breiten Bevölkerung durchaus bekannt ist.

Das stellt sich im UNESCO-Welterbe der Stadt Bamberg ganz anders dar: bis dato gibt es keinerlei sichtbare Anzeichen, Strassennamen oder gar ein Denkmal für die Massenmorde der katholischen Inquisition. Seltsamerweise gibt es dafür eine ANNA-MARIA-JUNIUS-Strasse in der Stadt Bamberg - sie war die Tochter des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius, der am 12 August 1628 auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt wurde. Ihre späte Ehrung verdankt die ehemalige Dominikanernonne einer Klosterchronik in der sie vor allem die Folgen des 30-jährigen Krieges beschreibt. Den Doppelmord an ihren Eltern, die beide gefoltert und lebendig verbrannt wurden, erwähnt sie dagegen mit keinem einzigen Wort.

Wenn in Bamberg also noch gar nicht aufgeklärt wurde, wie kann man dann eine Rehabilitierung dieser Verbrechen in Angriff nehmen? Müsste die Bevölkerung dieser Stadt nicht zuerst komplett von den Ausmaßen dieser Massenmorde informiert werden? 

Als Beispiel für die etwas abnorme Informationspolitik in Bamberg darf man folgende Tatsachen zur Kenntnis nehmen: im CBI-Genios-Archiv der einzigen Tageszeitung (Fränkischer Tag Bamberg) finden Sie bei der On-Line-Recherche nicht einen einzigen Eintrag unter dem Stichwort "MALEFIZ-HAUS. Es gibt in diesem Archiv also nicht einen einzigen Artikel, der sich dieses Themas annimmt. 

Das könnte man z.B. mit der Stadt Dachau vergleichen: was würde man dazu sagen, wenn es in Dachau ebenfalls keinen Treffer beim Stichwort KONZENTRATIONS-LAGER geben würde?

Insofern darf man gespannt sein, wie der kleinste gemeinsame Nenner innerhalb dieser Sitzung aussehen wird ... und vor allem: was kommt danach?

Da Bamberg und Würzburg gemeinsam die absoluten Hochburgen der europäischen
Hexenverbrennungen waren, würde sich in beiden Städten auch ein spannendes Museum anbieten - zumindest aber die Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte und wenn man es genau nimmt, dann sollten auch die jeweiligen Erzbischöfe in diese Gedenkkultur eintreten, denn schliesslich war es nun einmal unbestreitbar die katholische Kirche, die diese Massenmorde zu verantworten hat.

Dass es im Herbst eine Gedenkwoche zu den Hexenverbrennungen geben wird darf man wohl als erstes zartes Pflänzchen der Aufklärung betrachten. Aber das kann und darf es auf keinen Fall gewesen sein! Wagen wir den Blick ins 30 km entfernte Zeil am Main: dort hat man für 750.000 € eine Gedenkstätte im Hexenturm errichtet, obwohl in dieser Stadt niemals ein Mensch der Hexerei angeklagt oder verurteilt wurde, denn Zeil war nur der Brennplatz von Bamberg. Hier wurde nur das ausgeführt was der Bamberger Erzbischof angestiftet hatte.

Ein interessanter Ansatz wäre z.b. die Ahnensuche - denn in Bamberg leben ja immer noch Menschen, die von Namen her Nachkommen damaliger Opfer sein könnten. Das wäre doch auch für diese Menschen interessant zu wissen, was damals mit ihren direkten Vorfahren passiert ist.

Immanuel Kant fragte sich: Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter? Er antwortet: Nein! Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung, d. h. der Prozess des auf Vernunft begründeten Lebens ist niemals abgeschlossener Besitz, es bleibt ständige Aufgabe, sich der Gefährdungen eines humanen Zusammenlebens bewusst zu sein, sich um die Schaffung vernünftiger Verhältnisse zu bemühen und auch in symbolischen Handlungen Zeugnis abzulegen. 

Donnerstag, 17. Mai 2012


Offener Brief an Herrn Dr. Ludwig Schick  


basierend auf seinen Aussagen vom 9. Mai 2012 im Bayerischen Fernsehen.


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Herrn Dr. Ludwig Schick
Erzbischöfliches Ordinariat
Domplatz 5
96049 Bamberg

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Guten Tag, Herr Dr. Schick  

Da Sie als Oberhirte des Erzbistums Bamberg die historische Verantwortung haben, muss ich Ihre am 9.ten Mai 2012 öffentlich im Bayerischen Fernsehen geäußerten Worte auch öffentlich kommentieren.

Ich widerspreche Ihnen aus mehreren Gründen, denn auch mir ist das "ZU WENIG". 

Fakt ist: Spätestens seit der Veröffentlichung des Buches „Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung“ von Dr. Britta Gehm im Jahr 2002 gibt es ein wissenschaftliches Werk, das genau die von Ihnen in Abrede gestellten Mechanismen der Verfolgung, Diffamierung, Folterung und Verbrennung von mindestens 884 katholischen Opfern des 17ten Jahrhunderts peinlich genau seziert, analysiert und wissenschaftlich demonstriert.

Jetzt könnten Sie natürlich behaupten, dieses Sachbuch gar nicht zu kennen, aber das Erzbistum selbst hat im Jahr 2007 die Autorin dieses Werkes nach Bamberg zum Vortrag geladen.




Deshalb darf man wohl davon ausgehen, dass der Inhalt dieses Buches innerhalb des Erzbistums durchaus bekannt war. Frau Dr. Gehm ist dann zwar nicht in Bamberg erschienen - die Gründe sind mir nicht bekannt -, dennoch haben Sie ja öffentlich und schriftlich zu diesem Vortrag eingeladen.

Ich behaupte deshalb, dass Sie hier zwar einen wohlklingenden Grund für Ihre jahrzehntelange Vertuschung anführen, der aber nicht im Ansatz nachzuvollziehen ist. Die historischen Fakten sind hinlänglich erforscht und bekannt - es existieren sogar wissenschaftliche Papier- und Tintenanalysen, die zweifelsfrei belegen, dass Ihr Vorgänger im Amt, der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim, zahlreiche Akten nachträglich fälschen ließ, um beim kaiserlichen Reichshofrat in Wien die Situation in Bamberg zu beschönigen. Und mit Verlaub: Ich bezichtige Sie exakt der gleichen Vorgehensweise. 

Sie verkörpern die höchste katholische Instanz im Erzbistum und es war alleine Ihre Organisation, die aus Bamberg einen wahren Höllenort gemacht hat. Auch die Mär von der angeblichen Verantwortung weltlicher Gerichte muss hier endgültig klargestellt werden: der Kauf des Grundstücks und der Bau des Malefiz Hauses gehen alleine auf das Konto der katholischen Kirche. 

Dass dann willfährige Richter, Schöffen und Hexenkommissare ebenfalls einen Anteil an den bestialischen Grausamkeiten und Fehlurteilen hatten, will ich hier nicht bestreiten, aber jede Befehlskette hat ihren Anfang, und in Bamberg herrschten die irrsinnigsten Mechanismen, die alleine vom fürstbischöflichen Willen ausgingen.

Von Ihrem heutigen Arbeitsplatz auf dem Domberg sehen Sie in die "Alte Hofhaltung" in deren Mauern auch Hunderte von Menschen gefoltert wurden, bevor man sich entschloss, ein zusätzliches, prunkvolles Foltergefängnis an der Stadtmauer zu erbauen. Auch der Kanzler, Dr. Georg Haan, wurde hier öffentlich ermordet und die schwangere Dorothea Flock entband innerhalb der Kerker in der Hofhaltung ihr Kind, bevor sie im Hinterhof des Malefiz Hauses geköpft und dann verbrannt wurde 
(Heute ist im Übrigen der Jahrestag ihrer Ermordung: siehe Video-Link im Anhang).

Und selbst nachdem es mehr als 40 Jahre keine Verbrennungen mehr in Bamberg gegeben hatte, wurde am 14. Dezember 1674 die 74-jährige Margarethe Handel, wahrscheinlich wieder in der Alten Hofhaltung, bei der dritten Foltersitzung "gradu torturae" zu Tode gemartert. 
Da sie aber bis zu ihrem plötzlichen Foltertod noch nicht gestanden hatte, dass sie eine Hexe sei, wurde ihre Leiche vom katholischen Pfarrer Elias Kraus nach Weismain gebracht und dort mit alle Sakramenten katholisch beerdigt.

Der tausendjährige Dom ist das kaiserliche Wahrzeichen unserer Stadt und das einzige Mal, das Sie, Herr Dr. Schick, jemals Ihre Gemeinde mit der Wahrheit konfrontiert haben, war, als sie am 11. März 2007 während der Vergebungsbitte zum Bistumsjubiläum folgenden Satz gesagt haben: "Damit wir in Zukunft mehr Licht sein und bringen können, feiern wir diesen Gottesdienst der „Reinigung des Gedächtnisses“, der Bitte um Vergebung und der Erneuerung."

Und genau in dieser Haltung liegt m.M.n. die Krux, denn wir leben im dritten Jahrtausend und können als mündige Bürger gerne auf die von Ihnen propagierte "Reinigung des Gedächtnisses" verzichten. 

Der wahre Lauf der wissenschaftlich erforschten Geschichte lässt sich nicht länger verschleiern - die Menschen, die in Ihrem Einzugsbereich leben und die Besucher der Stadt, haben ein Recht darauf, JETZT zu erfahren, welche unvergleichlichen Verbrechen sich in den Mauern von Bamberg und Zeil zugetragen haben und nicht dann, wann Sie es irgendwann für opportun halten werden. 

Das Image des UNESCO-Welterbes wird von Ihrer Beton-Mentalität kupiert - Bamberg wird von ca. 2 Millionen Touristen pro Jahr besucht, die es nicht verdient haben, eine manipulierte Darstellung der Geschichte geliefert zu bekommen. Das sind die Methoden totalitärer Systeme, die in einer modernen aufgeklärten Welt nichts zu suchen haben. 

Und da das hier ein offener Brief ist, möchte ich zum Abschluss folgende These in den Raum stellen: Glaubt denn wirklich ein rational denkender Mensch, dass ohne die Initiative der Herren Dieter Potzel, Dieter Weinsheimer und des Bayerischen Fernsehens jemals etwas an die Öffentlichkeit gelangt wäre? 

Und den zukünftigen Kritikern dieses offenen Briefes stelle ich folgende Frage: Gibt es irgendwo in Deutschland eine weitere Stadt, die vielleicht auch noch UNESCO-Welterbe ist, und in der es einen ähnlichen Massenmord mit mehr als 1000 Toten gegeben hat, der bis dato verleugnet und vertuscht wurde? 

Wenn Sie, Herr Dr. Schick, in Zukunft wirklich "mehr Licht sein und bringen können" wollen, dann sorgen Sie für sofortige lückenlose Aufklärung oder schweigen Sie weiter, aber jeden Tag erkennen mehr und mehr Menschen, was sich wirklich in Bamberg abgespielt hat ... und damit schwindet auch täglich die Glaubwürdigkeit Ihrer Kirche.

Mit den gleichen Mechanismen der Vertuschung wurden auch die Missbrauchsfälle innerhalb des Bistums behandelt, ob sie von Herrn Münkemer oder Dr. Dr. Kehrbach begangen wurden ... es ist immer das gleiche System.  



Zum Schluss möchte ich ein weiteres Zitat aus der Frankenpost anführen: "Auch das Erzbistum Bamberg begrüßt es, wenn eine seriöse und fundierte Aufarbeitung der Geschichte und des Schicksals der Hexenverbrennungen erfolgt, erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg auf Anfrage..."

Ich ziehe es unter diesen Umständen vor, fundiert unseriös zu bleiben.


Ralph Kloos 



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Das Video zum Mord an Dorothea Flock finden Sie hier: 





Autor & Produzent von

 Das geheime Foltergefängnis der katholischen Inquisition.


Adresse: 

C/ Los Costales s/n 
E-35650 Lajares / La Oliva
Fuerteventura - Islas Canarias 


Donnerstag, 10. Mai 2012

9. Mai 2012

Die Sendung des Bayerischen Fernsehens finden Sie hier:


http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/stationen/stationen-hexenjaeger100.html