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Samstag, 8. Oktober 2016

TEEREN & FEDERN


2013 hatten die roten Männla bereits ein anderes "new home"


An die verehrten Kunstfreunde, die edlen Spender und Sponsoren von „MEETING“.

Normalerweise könnte es mir absolut Stulle sein, wenn ein paar „Kulturfreunde“ ein modernes Kunstwerk kaufen und in meiner Heimatstadt aufstellen. Allerdings werden im vorliegenden Fall ein paar Grenzen überschritten - und dazu habe ich dann doch ein paar Takte zu sagen.

Der chinesische Bildhauer Wang Shugang hat „MEETING“ extra für den G-8 Gipfel (deshalb acht Figuren) in Heiligendamm im Jahr 2007 konzipiert.

Allerdings konnte sich damals kein Käufer für das Kunstwerk begeistern und so wurde gestern in Bamberg letztendlich nichts anderes als ein kultureller Ladenhüter feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Dazu kommt, dass „MEETING“ selbst in Bamberg nicht den geforderten Preis von 240.000 Euros erzielen konnte - da musste der Besitzer Alexander Ochs schon mal 82161,50 Euro Rabatt gewähren. 

Ähnlich erfolglos waren bereits die vorausgegangenen Akquisitionsversuche in Vancouver (2011) in Melbourne (2013) und in Perth, so dass Meeting auf dem internationalen Kunstmarkt längst als „verbrannt“ gegolten hat.

Das in Bamberg als „Meisterwerk der modernen Kunst im öffentlichen Raum“ angepriesene Oeuvre ist bei näherer Betrachtung leider nicht der versprochene große Wurf. Sonst wäre es wohl auch in London, New York und Paris ausgestellt worden. Wang Shugang ist demnach auch keiner der „heissen Kunstimporte aus China“ sondern eher ein Bildhauer aus der zweiten Reihe.

Auch das kann mir ziemlich egal sein - aber es gibt eine Komponente, die es - wie immer - in keinen der aktuellen Zeitungsartikel und Kommentare geschafft hat: ich protestiere dagegen, dass „MEETING“ ausgerechnet auf dem Rasen des Schönleinplatzes installiert wurde.

In unmittelbarer Nähe wurden dort der größte Teil der über 1000 Menschen verbrannt, die man ungerechterweise als Hexen und Zauberer angeklagt und verurteilt hatte. Zusätzlich wurden viele der meist weiblichen Opfer an diesem Platz grausam gequält und verstümmelt. Ihnen wurden die Brüste mit glühenden Zangen zerrissen (bis zu 15 mal bei einem Opfer), Hände abgehackt und die allerwenigsten wurden gnadenhalber vor der abscheulichen Verbrennung öffentlich geköpft. 

Bis zum Jahr 2008 (Tag des offenen Denkmals) waren diese Tatsachen absolut unbekannt, denn die Täter, sprich die katholische Kirche, hatte es über Jahrhunderte geschafft, die grausamste Epoche dieser Stadt perfekt zu vertuschen. 

Spätestens seit den offiziellen „Hexenwochen“ im Jahr 2012 erfuhr man dann öffentlich in Bamberg welche Form von Justizmorden sich hier ereignet hatten - zumindest wenn man kein kulturbehinderter Geschichtsanalphabet ist. 

Das ist der Grund weshalb ich vehement gegen die Aufstellung von „MEETING“ an diesem historischen Platz protestiere. Meinetwegen kann man die Installation an einer anderen Stelle (vor dem Erzbischöflichen Palais, vor der Brose-Zentrale oder sonst wo) aufstellen … aber eines Tages werden diese bedeutungslosen Sitzchinesen vom Brandplatz der katholischen Inquisition wieder entfernt werden - da halte ich jede Wette.


Wang Shugang - abstracted


Bis dahin hätte ich zwei Fragen an den Künstler: 

Lieber Wang Shugang. 

Hat man Sie eigentlich darüber informiert, das sich im 17ten Jahrhundert ein europaweit einmaliges Massaker an Frauen, Männern und kleinen Kindern abgespielt hat - genau an dem Platz, an dem jetzt Ihre Statuen stehen.

Was sagen Sie zu der Tatsache, oder interessiert es Sie gar nicht, in welchem Umfeld Ihre Kunst wirken soll? 

---------------------------

Seit dem Jahr 2005 habe ich den eingeschlagenen Kurs der Aufklärung niemals verlassen - viel Zeit und Geld in diese Kampagne investiert und gelte selbst bei meinen Feinden als ausgesprochen hartnäckiger Kämpfer. 

Es existieren im Aktenbestand der lokalen Archive knappe 900 Namen von Opfern - abgeglichen mit dem aktuellen Telefonbuch von Bamberg, könnten bis zu 1200 Bamberger Familien einen potentiellen Vorfahren haben, der im 17ten Jahrhundert von der katholischen Kirche gefoltert und verbrannt wurde. Genau auf dem Schönleinsplatz, auf dem jetzt die acht chinesischen Skulpturen hocken. 

Es mir vollkommen scheissegal, ob ich mich mit diesem Post eventuell strafbar mache, aber ich verspreche Euch eines: WÜRDE DER NAME MEINER FAMILIE AUF DER FOLGENDEN OPFERLISTE STEHEN, DANN WÜRDE ICH EINEN ODER ALLE DER ROTEN RASEN-MÄNNLA EIGENHÄNDIG TEEREN UND FEDERN - und zwar so oft, bis man die Message begreift und die Dinger an einem anderen Ort aufbaut. 



Bis dahin empfinde ich die aktuelle Installation als einen Affront gegen den gesunden Menschenverstand und werde auch weiterhin öffentlich dagegen opponieren. 

Es ist schon traurig genug, dass überhaupt ein „gebildeter Mensch“ auf die Idee gekommen ist, dieses Kunstwerk dort aufzustellen …

Noch ist Bamberg stolze UNESCO-Welterbestadt … aber es ziehen bereits dunkle Wolken auf am Kulturhorizont ...  Vor drei Wochen wurde im geschützten Welterbe ein Vorfall aus dem Jahr 2006 angezeigt, der sich mit der illegalen Vernichtung historischer Bausubstanz aus dem 13ten Jahrhundert befasst. Das könnte böse ausgehen für die verklärten Freunde des kulturellen Welterbes. Dresden lässt grüssen.

Wer mehr über diese und andere unbequeme Wahrheiten über die „Traumstadt der Deutschen“ erfahren möchte, dem empfehle ich mein neues Buch: HEXENPUNK - Wie aus der Traumstadt der Deutschen der Schrein des Grauens wurde. 

Seit dem 3.Oktober bei AMAZON.com erhältlich als E-Book und Paperback. 




Mittwoch, 9. März 2016

SPOTLIGHT - Boston und / oder Bamberg - Die Blaupause


Wird der beste Film des Jahres auch in Deutschland zum Ende der Vertuschung führen? 

Ob es nun wirklich an dem preisgekrönten Film von Thomas McCarthy liegt, kann man nicht zuverlässig sagen, aber da dieser Film schon am 6. November 2015 in die US-Kinos kam, liegt der Verdacht auf der Hand.

Wie in der filmischen Vorlage ereigneten sich auch in Deutschland hunderte von Fällen, in denen sich pädophile Geistliche (meistens Angehörige der katholischen Religion) jugendliche Opfer in den Reihen von Internaten, Schulen und dergleichen suchten und missbrauchten.

Wie in „SPOTLIGHT“ liegen diese Fälle von Kindesmißbrauch meistens Jahre bzw. Jahrzehnte zurück und viele der Täter sind bereits verstorben oder in Pension. Deshalb ist eine juristische Strafverfolgung in den meisten der Fällen nicht mehr möglich.

Aber jetzt geht es um die Opfer - meistens männlich - die großteils noch am Leben sind und die mit Erinnerungen leben müssen, die sie teilweise schon seit langer Zeit verdrängt hatten.

Und es geht vor allem um die Frage, in welchem Ausmaß und warum die kirchlichen Behörden niemals zu einer bedingungslosen und vollständigen Aufklärung der Verbrechen bereit waren. Es wurde prinzipiell immer nur das zugegeben, was man auf Grund der Aktenlage, bzw. Beweise nicht mehr abstreiten konnte.

Auch die Presse hat versagt, denn oftmals wurden die Aussagen von Opfern in Frage gestellt, anstelle die Täter zu verhören. Generell wurde offensichtlich immer zuerst den Tätern geglaubt und die Opfer wurden durch diese Haltung ein weiteres Mal verhöhnt und verletzt. Selbst offizielle Anzeigen der Opfer wurden oftmals negiert - im Film SPOTLIGHT, wie im reellen Leben. 

Doch jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit.

Ein großer deutscher öffentlich-rechtlicher Fernsehsender hat eine nationale Investigativ-Sondereinheit gegründet, die sich landesweit mit den Vorwürfen beschäftigen wird, die man bis dato nicht oder unzureichend untersucht hat. 

Erstmals werden Journalisten, die keinerlei örtlichen Bezug zum lokalen Klerus haben, recherchieren. Das minimiert die Gefahr, dass diese Journalisten einen Erzbischof interviewen, den sie im Tagesgeschäft wegen anderen Angelegenheiten befragen müssen.

Das ist mMn neu in Deutschland … da hat sich das wahre Leben erstaunlicherweise an Hollywood orientiert …

Ausschlaggebend für diesen Schritt war anscheinend die kürzliche Aufdeckung von mindestens 231 Fällen, die sich in den Reihen der Regensburger Domspatzen ereigneten ( aktuell sind es schon mehr als 700 Anzeigen ) … und das sechs Jahre nachdem die katholische Kirche angeblich TABULA RASA in den eigenen Reihen gemacht hatte und alle Fälle angeblich aufgeklärt wurden.

Umso erfreulicher ist es, dass das schwierige Thema nun erneut aufgenommen wird.

Kommen wir jetzt nach Bamberg: Die lokale „juristische Sachlage“ sind lediglich die sechs Fälle, die dem ehemaligen Domkapitular und Leiter des Ottonianums Otto Münkemer im Jahr 2010 angelastet wurden. Dieser lebt mittlerweile in Pension und damit war der Tatbestand Missbrauch von Kindern in der Domstadt mit den sieben Hügeln nach Außen erledigt.

Weiterhin vertuscht wurden und werden immer noch die Fälle - wir behaupten, dass es sich im hunderte von Taten handelt - die sich während der Amtszeit von Präses Dr. Dr. Theodor Kehrbach und Direktor Seifried im Aufsessianum ereignet hatten.

Allein bei der Ferienfreizeit im Jahr 1970 wurden alle teilnehmenden Kinder (etwa 30 bis 40) einer „manuellen Geschlechtskontrolle“ vom Präses Dr. Dr. Kehrbach unterzogen. Auch die Sportveranstaltungen im Aufsessianum liefen immer nach dem gleichen Schema ab: alle Kinder wurden nach dem Sport zum Duschen - natürlich nackt - geschickt und der Präses duschte ebenfalls mit seinen „kleinen Wackern“ oder auch „den Nacktfröschen“, wie er sie gerne nannte - ganz natürlich duschte er ebenfalls nackt.

In einer Stadt, in der es nur ein einziges Leitmedium gibt, an dem die katholische Kirche, wie in Bamberg auch noch Anteilseigner ist, arbeiten nur Journalisten, die man als handverlesen oder als handzahm bezeichnen darf. Von ihnen ist erst dann Hilfe zu erwarten, wenn bereits eine landesweite DPA-Meldung zum Thema aus dem Ticker gelaufen ist. 

Es war innerhalb unserer Schule, bzw. in Bamberger Insiderkreisen immer ein offenes Geheimnis, dass es in jedem dieser Internate Geistliche gab, die sexuelle Handlungen untereinander und/oder mit einigen Schülern vollzogen … und das über Jahre hinweg. Das waren mit Sicherheit keine Einzelfälle - sondern systematische Mißbrauchshandlungen, die innerhalb der Internatsleitung unmöglich unbekannt sein konnten

Allein im Fall der Ferienfreizeit Oberitalien im Jahr 1970 waren ALLE TEILNEHMER zur Privatinspektion ihrer Geschlechtsteile allein mit dem Präses in einem Zimmer … deshalb gibt es ja allein aus dieser Aussage „einen ganzen Schulbus voller Opfer“. Diese Ferienfreizeiten wurden darüber hinaus jedes Jahr veranstaltet  … 

Ich war wegen meiner evangelischen Religionszugehörigkeit wahrscheinlich der einzige „Nicht-Katholik“ der jemals an so einer Ferienfreizeit teilgenommen hat …  

Wir hoffen, dass sich nun auch die Opfer melden, die bis dato niemals den Mut hatten, sich der Öffentlichkeit anzuvertrauen. Es geht in erster Linie um männliche Opfer - Alter zwischen 40 und 65 Jahre - bitte sehen Sie sich SPOTLIGHT im Kino an - und entscheiden Sie danach, ob Sie sich melden.

Was nun in den kommenden Monaten ans Tageslicht kommen wird .. man darf gespannt sein.

Samstag, 19. September 2015

Die Dokumentation zum BRANDMAL 2015



Das folgende Zitat stammt aus der Rede der 1. Vorsitzenden des Bürgervereins Bamberg Mitte, Frau Sabine Sauer: Die „Hexenverfolgung“ in Bamberg – sie war tatsächlich bis vor wenigen Jahren ein vergessener Teil der Stadtgeschichte.

Vielen Bambergern ist es bis heute nicht bekannt – aber: Bamberg war der Ort, an welchem vor allem in den Jahren 1612 bis 1630 die größte deutsche „Hexenverfolgung“, wohl die größte in Europa überhaupt, stattfand. 

Unsere Dokumentation wird erstmals die gesammelten Medien der Jahre 2007 bis zur Enthüllung des Mahnmals zeigen … die Geschichte eines vertuschten Massenmordes … der sich in den Mauern dieser wunderschönen Stadt abspielte und der nur deshalb so lange "unter dem Deckmantel Traumstadt der Deutschen vor sich hin moderte", weil sich in Bamberg kein lokaler Historiker mit der katholischen Kirche anlegen wollte. 

Es gibt keine spannendere Geschichte über das historische Bamberg zu erzählen!

Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen genauen Sendetermin vorhersagen - aber wir werden rechtzeitig bekannt geben, wann es soweit ist - u.A. auf diesem Blog und auf FB.

Montag, 20. Juli 2015

Die Einladung zur Einweihung

Wenn Sie mal bitte kurz nach rechts auf dem Bildschirm sehen, erkennen Sie, dass dieser Blog bereits seit September 2007 existiert. Nach ca 8 Jahren ist jetzt wirklich der entscheidende Moment gekommen um ein wichtiges Datum zu feiern, denn bereits in wenigen Tagen wird in Bamberg offiziell ein Mahnmal für die Hexenopfer enthüllt werden. 

Am 2. August 2015 beginnt in Bambergs Geschichtsschreibung eine neue Zeitrechnung: Bürger, Schulklassen und Touristen werden erstmals sehen, dass hier ein Zeichen für die Aufklärung gesetzt wurde. Dank dem Bürgerverein Mitte, dessen Mitglieder ganz pragmatisch eine Rolle übernommen haben, die in einer UNESCO-WELTERBE-Stadt unter normalen Umständen das Kulturamt, das Welterbe-Office oder die Stadtführung übernommen haben müsste .. aber was ist in Bamberg schon normal? 

Als eine ganz besondere Ehre empfinde ich die Einladung des BVM, die mich vor wenigen Tagen erreicht hat.

Ich würde zu gerne kommen - ohne Frage.

Allerdings werde ich die Veranstaltung leider boykottieren. Nicht wegen dem Mahnmal und selbstverständlich schon gar nicht wegen dem absolut lobenswerten Engagement des Bürgervereins Mitte. 

Mein Verständnis von Respekt und ehrlichem Andenken wird von der Tatsache gestört, dass sich in Bamberg die Politiker, die sich bis dato weigern eine moralisch-ethische Rehabilitation auszusprechen, dann in Ihrem Sonntagsanzug vor den Kameras tummeln werden ... und das Grußwort sprechen. Im Namen der Opfer ist mir dieser Irrsinn n bisschen zu bigott.

37 Städte - unter anderem - Köln, Dortmund, Trier, Lutterstadt Wittenberg - hatten kein Problem diesen einfachen Schritt zu gehen. Bamberger Erinnerungskultur ist dagegen so rückständig, wie die Volksvertreter, die lieber die gesamte Bevölkerung pikieren, anstelle sich den Tatsachen zu stellen: Solange Bamberg nicht ebenfalls rehabilitiert und diesen unsäglichen Text abändert, wird die feierliche Enthüllung deshalb leider ohne mich stattfinden. 

1  1993 Winterberg / NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche  6 Opfer
2  1996 Idstein / Hessen        1 Opfer
3  2002 Kammerstein, 2003 -       1 Opfer
4  2007 Eschwege / Hessen, Stadt und ev. Kirche   2 Opfer
5  2008 Fulda / Hessen               250 Opfer
6  2010 Hofheim a.T. / Hessen                11 Opfer
7  2011 Rüthen / NRW                 59 Opfer
8  2011 Hilchenbach / NRW                18 Opfer
9  2011 Hallenberg / NRW                 43 Opfer
10  2011 Sundern / NRW        1 Opfer
11  2011 Menden / NRW                 89 Opfer
12  2011 Werl / NRW                  73 Opfer
13  2011 Suhl / Thüringen                 72 Opfer
14  2012 Bad Homburg / Hessen                76 Opfer
15  2012 Detmold / NRW                 21 Opfer
16  2012 Lemgo / NRW               200 Opfer
17  2012 Rheinbach / NRW                    70 Opfer
18  2012 Köln / NRW                  33 Opfer
19  2012 Meiningen / Thüringen                86 Opfer
20  2012 Osnabrück / Niedersachsen             250 Opfer
21  2012 Büdingen / Hessen                        400 Opfer
22  2013 Soest / NRW                  67 Opfer
23  2013 Freudenberg / NRW            18 Opfer 
24  2013 Rehburg-Loccum / Niedersachen          33 Opfer
25  2013 Lutherstadt Wittenberg / Sachsen-Anhalt        21 Opfer
26  2013 Datteln / NRW           130 Opfer
27  2014 Horn-Bad Meinberg / NRW           47 Opfer
28  2014 Trier/ Rheinland-Pfalz.          400 Opfer
29  2014 Dortmund / NRW            25 Opfer
30  2014 Stadt Schleswig / SHS           38 Opfer
31  2015 Lippstadt / NRW            29 Opfer
32  2015 Blomberg / NRW              5 Opfer
33  2015 Wemding / Bayern            59 Opfer
34  2015 Rottweil / Baden-Württemberg        266 Opfer
35  2015 Gelnhausen / Hessen             52 Opfer
36  2015 Bad Laasphe / NRW           6 Opfer
37  2015 Balve / NRW   300 Opfer

Bamberg hätte übrigens auf Platz 6 dieser Liste stehen können ... aber trotz der Tatsache, dass das Mahnmal ja auch Jahre lang verhindert wurde, bin ich zuversichtlich, das es letztendlich noch eine Lösung geben wird, in der meine Heimatstadt hoffentlich nicht den letzten Platz auf dieser Liste belegen wird. 


Mittwoch, 27. Mai 2015

Das Hexenmahnmal von Bamberg und das Sankt-Florians-Prinzip



Im Anhang finden Sie ein PDF vom letzten Sitzungsprotokoll des Kultursenats der Stadt Bamberg (29. April 2015) mit dem hoffnungsvollen Namen: Rehabilitation der Opfer der "Hexenprozesse" im Hochstift Bamberg.

Falls Sie dieses Dokument noch nicht kennen, dann liegt das eventuell daran, dass es nirgendwo anders als bei uns präsentiert wird … keine Tageszeitung hat darüber berichtet (wie üblich bei diesem „unbequemen Thema“) und auch im WEB-Blog von Stadtrat Dieter Weinsheimer steht lediglich der Wortlaut der finalen Erklärung.

Schon nach dem ersten Satz dieses Beschlusses wird klar, das die Überschrift etwas zu euphorisch lautet, denn: „Der am 06. Februar 2013 gestellte Antrag für eine sozialethische, moralische Rehabilitierung der Opfer des „Hexenprozesse“ im Hochstift Bamberg wurde in der Sitzung des Kultursenats vom 09. Juli 2015 wegen der fehlenden juristischen Zuständigkeit der Stadt Bamberg abgelehnt und ist geschäftsordnungsmäßig erledigt.“

Trotzdem wird dann am 2. August 2015 ein offizielles Mahnmal für die ca. 1000 Hexenopfer eingeweiht werden - und genau hier frage ich mich: Mit welchem Klammerbeutel muss man gepudert worden sein, um diese beiden konträren Geisteshaltungen in einem einzigen Mahnmal zu manifestieren ?

Auf der einen Seite soll das Denkmal an das unsagbare Leiden der unschuldig verbrannten Opfer erinnern … auf der anderen Seite wird im gleichen Atemzug abgelehnt, diese Opfer auch moralisch-ethisch zu rehabilitieren … So wie das bis dato schon 34 andere Städte in Deutschland getan haben (komplette Liste im Anhang). 

Wahrscheinlich sind die Stadträte dieser 34 Städte allesamt „Balla-Balla“, denn im Umkehrschluss würde die Logik lehren, dass sonst die Bamberger Stadträte offensichtlich „auf der Brennsuppn dahergschwumma kumma“. Die Tatsache, dass man in Bamberg damals den kompletten Stadtrat, 5 Bürgermeister und den Kanzler mitsamt seiner kompletten Familie verbrannt hat ist europaweit ein einmaliges Verbrechen gewesen … irgendwie KRANK wenn ausgerechnet die Nachfolger im Amt dieser Opfer die brenzlige Vergangenheit verleugnen, oder?

Wie im Beschluss nachzulesen (PDF-Anhang) hatte der Bürgerverein Mitte einen eigenen Textentwurf zum Mahnmal erarbeitet, den ich, ohne Bedenken, sofort unterschreiben würde. 

Dann aber wurde dieser Text zwischen den drei unterschiedlichen Fach-Gremien mehrmals hin- und hergeschickt - „es wurde um jede Formulierung gerungen“, - doch bei diesem zähen Ringen haben sich einmal mehr die Kräfte durchgesetzt, die Jahrelang mit sturer Verbissenheit darum gekämpft haben, das Hexenthema komplett KALT ZU STELLEN und deshalb lautet der „neue ehrliche Text für das Mahnmal“ jetzt wie folgt … und diese Erklärung des Rates der Stadt soll nun zur Einweihung von OB Andreas Starke im Wortlaut verlesen werden - denn es wird die Inschrift am neuen Mahnmal.

Der Bamberger Stadtrat legt namens der Bürgerinnen und Bürger ein eindeutiges Bekenntnis zur Unschuld der Opfer des Hexenwahns ab.

Mit der grausamen „Hexenverfolgung“ wurde auf ihrem Höhepunkt im 17. Jahrhundert eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Hochstifts Bamberg geschrieben.

Nach den erhaltenen gut 800 Verhörprotokollen wurden bis zu 1.000 Frauen, Männer und Kinder der Hexerei beschuldigt, angeklagt, verhört, gefoltert und ermordet. Die Hinrichtungen wurden zunächst in Zeil, einer Exklave des geistlichen Fürstentums Bamberg, durchgeführt.

1627 wurde dann in Bamberg mit dem Malefizhaus ein eigenes Gebäude als Folterstätte und Hexengefängnis errichtet, das 1635 wieder abgetragen wurde.

Seit 180 Jahren sind diese grausamen Vorgänge Gegenstand der historischen Forschung und in der Erinnerung der Menschen. 

Die Geschichte der „Hexenverfolgungen“ zu erforschen und darzustellen, sie auch künftig im Bewusstsein der Menschen wachzuhalten, um Ausgrenzung, Entwürdigung und Fanatismus künftig zu vermeiden, ist eine Aufgabe, eine Verpflichtung unserer Zeit.


Grotesque Nummer 1:

Wie ist es zu erklären, dass Satz vier von sieben in dieser Erklärung lautet: Die Hinrichtungen wurden zunächst in Zeil, einer Exklave des geistlichen Fürstentums Bamberg, durchgeführt.

Bitte fragen Sie im Notfall Herrn Professor Dr. Dr. Knefelkamp oder lesen Sie es einfach in Wikipedia nach. Die Bamberger Massenmorde begannen bereits 1595 unter Fürstbischof Neidhardt von Thüngen - das ist unzweifelhaft historischer Fakt.

Dem ortsunkundigen Leser soll hier durch die Anwendung des Sankt-Florian-Prinzips der falsche Eindruck vermittelt werden, dass das „böse Zeil“ mit dem Hexenbrennen begonnen hat und das „arme Bamberg“ sozusagen nur in den Strudel der Verfolgung hineingerissen wurde. 

Aber selbst wenn man wirklich in Zeil mit dem Brennen begonnen hätte … dieser kleine Ort war nichts anderes als das „Vernichtungslager von Bamberg“: Die Anzeigen, die Anweisungen zur „Captura“, der Befehl zur Folter und ausnahmslos alle Urteile wurden ausnahmslos in Bamberg ausgefertigt, angeordnet und bezahlt (Besonders gerne mit dem konfiszierten Geld der verbrannten Opfer).

Insgesamt wurden in Zeil etwa 400 der ca. 1000 Opfer verbrannt. Der geschätzte Rest - also ca. 600 Scheiterhaufen - standen definitiv in Bamberg am Schönleinsplatz und an manchen Tagen wurden genau an diesem Ort bis zu 8 (acht) Menschen gleichzeitig öffentlich verbrannt (siehe 15. Juli 1628).

Es gehört eindeutig zum System der „Bamberger Vertuschung“ möglichst viel Verantwortung auf das kleine Zeil am Main abzuschieben, um damit von Bamberg und seinen katholischen Massenmördern abzulenken. Ironischerweise hat aber ausgerechnet Zeil aber 600.000 Euro für die Einrichtung eines Dokumentationszentrums ausgegeben, während das Bamberger Mahnmal von einem privaten Bürgerverein initiiert wurde. RESPEKT.

Auch während der städtischen Hexenwochen im Jahr 2012 wurden die absurdesten Vorträge selbst über Salem (Massachusetts) abgehalten, während man die Existenz und die Funktion des MALEFIZHAUSES gerade einmal mit ein paar Nebensätzen am Rand streifte.

Damit komme ich zur nächsten Grotesque in dieser Erklärung: Seit 180 Jahren sind diese grausamen Vorgänge Gegenstand der historischen Forschung und in der Erinnerung der Menschen.“

Wenn es wirklich so wäre, warum wurden denn dann eigentlich erst 2012 die „sensationell besuchten Hexenwochen“ abgehalten.

Wenn die grausamen Vorgänge wirklich seit 180 Jahren in der Erinnerung der Menschen wären - warum wusste dann bis zum Jahr 2008 „kein Schwein etwas davon?“ Warum hat in den ganzen 180 Jahren NIEMAND ein Buch oder irgendeine Publikation darüber verfasst? 

Ausserdem dürfte mittlerweile bekannt sein, dass die Bamberger Gerichtsbarkeit, in eben jenem 18 Jahrhundert, alle Hexen-Akten vernichten wollte … Dummerweise hatte ein geschichtsbewusster Bürger diese Akten aber entdeckt und den Rest davon aufgekauft. Sonst wären nämlich alle Beweise restlos verschwunden und wir wüssten gar nichts von dem damaligen Massenmord … passiert ist er deswegen trotzdem.

Fragen Sie doch einfach Herrn Oberbürgermeister Starke selbst, wann und wo er das erste Mal von dem geheimnisvollen Malefizhaus informiert wurde. 

Oder noch einfacher: Bei welcher Gelegenheit haben Sie - liebe/r Leser/in - das erste Mal von dem katholischen Haus des Horrors in der Franz-Ludwig-Strasse und dem 1000-fachen Massenmord gehört? 

Die ungeschminkte Wahrheit wurde erstmals im Jahr 2008 durch uns öffentlich gemacht, und die einzige Institution, die uns jemals geholfen und inspiriert hat, diese Justizmorde gegen alle Widerstände aus dem Erinnerungsschatten zu befreien, war die DEUTSCHE STIFTUNG DENKMALSSCHUTZ in Bonn.

In einem TV-Beitrag hat OB Starke im BR 2012 erklärt, dass man in Bamberg „ehrlich mit dem Thema umgehen würde“ … ich würde gerne wissen, wie er sich dann fühlen wird, wenn er am 2. August den oben aufgeführten Text in die Kameras und Mikrophone der internationalen Presse sprechen wird. 

Trotzdem gibt es in Bamberg noch immer genügend Menschen, die sich nicht von der rückständigen Haltung einiger Politiker abschrecken lassen: Der Bürgerverein Mitte hat mich sogar schriftlich zu dieser Zeremonie eingeladen: „Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie (als derjenige, der in Bamberg den Stein ins Rollen gebracht hat) zur Einweihung kommen würden.“

Ich weiss die aussergewöhnliche Ehre dieser Einladung wirklich sehr zu schätzen und bedanke mich auch von ganzem Herzen dafür, … aber wenn diese reaktionäre Erklärung des Stadtrates nicht abgeändert wird (wovon ich leider ausgehen muss) dann verzichte ich lieber … 

Das hat dann für mich auch nichts mit gelebter Erinnerungskultur zu tun und ich empfinde es als inakzeptable Schande für die verbrannten Opfer, die sich nicht gegen diese erneuten Reinwaschungsversuche von ein paar unseriösen Beamten wehren können.

Aber selbst wenn ich dann eben nicht nach Bamberg fahre … ein Kamerateam ist bereits gebucht und so werden Sie, als interessierter Leser, auf alle Fälle bei dieser einmaligen Zeremonie dabei sein. 

Versprochen!

————
Chronologische Liste aller Städte in Deutschland, die seit 1993 eine moralisch-ethische Rehabilitation der Opfer ausgesprochen haben. 

1 1993 Winterberg / NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche 6 Opfer
2 1996 Idstein / Hessen 1 Opfer
3 2002 Kammerstein, 2003 - 1 Opfer
4 2007 Eschwege / Hessen, Stadt und ev. Kirche 2 Opfer
5 2008 Fulda / Hessen 250 Opfer
6 2010 Hofheim a.T. / Hessen 11 Opfer
7 2011 Rüthen / NRW 59 Opfer (169 ?? )
8 2011 Hilchenbach / NRW 18 Opfer
9 2011 Hallenberg / NRW 43 Opfer
10 2011 Sundern / NRW 1 Opfer
11 2011 Menden / NRW 89 Opfer
12 2011 Werl / NRW 73 Opfer
13 2011 Suhl / Thüringen 72 Opfer
14 2012 Bad Homburg / Hessen 76 Opfer
15 2012 Detmold / NRW 21 Opfer
16 2012 Lemgo / NRW 200 Opfer
17 2012 Rheinbach / NRW 70 Opfer
18 2012 Köln / NRW 33 Opfer
19 2012 Meiningen / Thüringen 86 Opfer
20 2012 Osnabrück / Niedersachsen 250 Opfer
21 2012 Büdingen / Hessen 400 Opfer
22 2013 Soest / NRW 67 Opfer
23 2013 Freudenberg / NRW 18 Opfer (oder 23 )
24 2013 Rehburg-Loccum / Niedersachen 33 Opfer
25 2013 Lutherstadt Wittenberg / Sachsen-Anhalt 21 Opfer
26 2013 Datteln / NRW 130 Opfer
27 2014 Horn-Bad Meinberg / NRW 47 Opfer
28 2014 Trier/ Rheinland-Pfalz. 400 Opfer
29 2014 Dortmund / NRW 25 Opfer
30 2014 Stadt Schleswig / SHS 38 Opfer
31 2015 Lippstadt / NRW 29 Opfer
32 2015 Blomberg / NRW 5 Opfer
33 2015 Wemding / Bayern  59 Opfer
34 2015 Rottweil / Baden-Württemberg  266 Opfer

Insgesamt 2885 Opfer geteilt durch 34 Städte  = 84,8 Opfer / Stadt 

In Bamberg wurde mit ca. 1000 Opfern der Durchschnitt ca. 11,8 mal übertroffen.

P.S.: Im folgenden Protokoll wird laufend das Datum verwechselt … das liegt nicht an mir, denn das PDF ist natürlich im Original aus dem Rathaus am Maxplatz - ob der Beschluss deswegen gleich komplett ungültig ist, kann Ihnen nur ein Verwaltungsfachmann erklären … Pfusch isses in jedem Fall:

Hier ist der Link zum Sitzungsprotokoll des Bamberger Kultursenats:


























Dienstag, 10. Juli 2012

Rehabilitierung und Aufklärung der vertuschten Massenmorde von Bamberg


Am 12 Juli 2012 ist nun endlich so weit: auch in Bamberg will sich der Kultursenat der Stadt erstmals mit dem Thema der Rehabilitierung der ermordeten Opfer der Hexenverfolgung beschäftigen. 

Nach vielen anderen Städten hat sich am 28. Juni 2012 der Rat der Stadt Köln einstimmig für eine sozialethische Rehabilitation der Opfer der Kölner Hexenprozesse ausgesprochen.

Deshalb ist es eine gute Gelegenheit diese beiden Städte zu diesem Thema zu vergleichen.

Köln war damals die grösste Stadt im heiligen römischen Reich mit ca. 40.000 Einwohnern. Die Zahl der bekannten Opfer liegt bei 38. Das bedeutet, dass jeder 1052ste Bürger dieser Stadt auf dem Scheiterhaufen sterben musste.

Im Gegensatz dazu lebten in Bamberg zur gleichen Zeit ungefähr 12.000 Menschen. Die Anzahl der Opfer dürfte bei mindestens 884 liegen - diese Zahl nehmen wir hier als Grundlage der Berechnung. Das bedeutet, das ca. jeder 13te Bürger Bambergs als Hexe oder Zauberer verbrannt wurde. 

Rein mathematisch wurden in Bamberg also etwa 81 mal so viele Menschen verbrannt, wie in Köln.

Aber anders als in Bamberg, gibt es in Köln bereits seit 1988 eine Katharina Henot Strasse und seit 1992 eine Gesamt-Schule mit dem Namen der verbrannten Postmeisterin. Am Kölner Rathausturm wurde 1988 von einer direkten Nachfahrin Katharinas Henots, der Künstlerin Marianne Lüdicke eine Skulptur ihrer Ahnin installiert. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Geschichte der Kölner Hexenverfolgungen einer breiten Bevölkerung durchaus bekannt ist.

Das stellt sich im UNESCO-Welterbe der Stadt Bamberg ganz anders dar: bis dato gibt es keinerlei sichtbare Anzeichen, Strassennamen oder gar ein Denkmal für die Massenmorde der katholischen Inquisition. Seltsamerweise gibt es dafür eine ANNA-MARIA-JUNIUS-Strasse in der Stadt Bamberg - sie war die Tochter des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius, der am 12 August 1628 auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt wurde. Ihre späte Ehrung verdankt die ehemalige Dominikanernonne einer Klosterchronik in der sie vor allem die Folgen des 30-jährigen Krieges beschreibt. Den Doppelmord an ihren Eltern, die beide gefoltert und lebendig verbrannt wurden, erwähnt sie dagegen mit keinem einzigen Wort.

Wenn in Bamberg also noch gar nicht aufgeklärt wurde, wie kann man dann eine Rehabilitierung dieser Verbrechen in Angriff nehmen? Müsste die Bevölkerung dieser Stadt nicht zuerst komplett von den Ausmaßen dieser Massenmorde informiert werden? 

Als Beispiel für die etwas abnorme Informationspolitik in Bamberg darf man folgende Tatsachen zur Kenntnis nehmen: im CBI-Genios-Archiv der einzigen Tageszeitung (Fränkischer Tag Bamberg) finden Sie bei der On-Line-Recherche nicht einen einzigen Eintrag unter dem Stichwort "MALEFIZ-HAUS. Es gibt in diesem Archiv also nicht einen einzigen Artikel, der sich dieses Themas annimmt. 

Das könnte man z.B. mit der Stadt Dachau vergleichen: was würde man dazu sagen, wenn es in Dachau ebenfalls keinen Treffer beim Stichwort KONZENTRATIONS-LAGER geben würde?

Insofern darf man gespannt sein, wie der kleinste gemeinsame Nenner innerhalb dieser Sitzung aussehen wird ... und vor allem: was kommt danach?

Da Bamberg und Würzburg gemeinsam die absoluten Hochburgen der europäischen
Hexenverbrennungen waren, würde sich in beiden Städten auch ein spannendes Museum anbieten - zumindest aber die Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte und wenn man es genau nimmt, dann sollten auch die jeweiligen Erzbischöfe in diese Gedenkkultur eintreten, denn schliesslich war es nun einmal unbestreitbar die katholische Kirche, die diese Massenmorde zu verantworten hat.

Dass es im Herbst eine Gedenkwoche zu den Hexenverbrennungen geben wird darf man wohl als erstes zartes Pflänzchen der Aufklärung betrachten. Aber das kann und darf es auf keinen Fall gewesen sein! Wagen wir den Blick ins 30 km entfernte Zeil am Main: dort hat man für 750.000 € eine Gedenkstätte im Hexenturm errichtet, obwohl in dieser Stadt niemals ein Mensch der Hexerei angeklagt oder verurteilt wurde, denn Zeil war nur der Brennplatz von Bamberg. Hier wurde nur das ausgeführt was der Bamberger Erzbischof angestiftet hatte.

Ein interessanter Ansatz wäre z.b. die Ahnensuche - denn in Bamberg leben ja immer noch Menschen, die von Namen her Nachkommen damaliger Opfer sein könnten. Das wäre doch auch für diese Menschen interessant zu wissen, was damals mit ihren direkten Vorfahren passiert ist.

Immanuel Kant fragte sich: Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter? Er antwortet: Nein! Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung, d. h. der Prozess des auf Vernunft begründeten Lebens ist niemals abgeschlossener Besitz, es bleibt ständige Aufgabe, sich der Gefährdungen eines humanen Zusammenlebens bewusst zu sein, sich um die Schaffung vernünftiger Verhältnisse zu bemühen und auch in symbolischen Handlungen Zeugnis abzulegen. 

Donnerstag, 17. Mai 2012


Offener Brief an Herrn Dr. Ludwig Schick  


basierend auf seinen Aussagen vom 9. Mai 2012 im Bayerischen Fernsehen.


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Herrn Dr. Ludwig Schick
Erzbischöfliches Ordinariat
Domplatz 5
96049 Bamberg

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Guten Tag, Herr Dr. Schick  

Da Sie als Oberhirte des Erzbistums Bamberg die historische Verantwortung haben, muss ich Ihre am 9.ten Mai 2012 öffentlich im Bayerischen Fernsehen geäußerten Worte auch öffentlich kommentieren.

Ich widerspreche Ihnen aus mehreren Gründen, denn auch mir ist das "ZU WENIG". 

Fakt ist: Spätestens seit der Veröffentlichung des Buches „Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung“ von Dr. Britta Gehm im Jahr 2002 gibt es ein wissenschaftliches Werk, das genau die von Ihnen in Abrede gestellten Mechanismen der Verfolgung, Diffamierung, Folterung und Verbrennung von mindestens 884 katholischen Opfern des 17ten Jahrhunderts peinlich genau seziert, analysiert und wissenschaftlich demonstriert.

Jetzt könnten Sie natürlich behaupten, dieses Sachbuch gar nicht zu kennen, aber das Erzbistum selbst hat im Jahr 2007 die Autorin dieses Werkes nach Bamberg zum Vortrag geladen.




Deshalb darf man wohl davon ausgehen, dass der Inhalt dieses Buches innerhalb des Erzbistums durchaus bekannt war. Frau Dr. Gehm ist dann zwar nicht in Bamberg erschienen - die Gründe sind mir nicht bekannt -, dennoch haben Sie ja öffentlich und schriftlich zu diesem Vortrag eingeladen.

Ich behaupte deshalb, dass Sie hier zwar einen wohlklingenden Grund für Ihre jahrzehntelange Vertuschung anführen, der aber nicht im Ansatz nachzuvollziehen ist. Die historischen Fakten sind hinlänglich erforscht und bekannt - es existieren sogar wissenschaftliche Papier- und Tintenanalysen, die zweifelsfrei belegen, dass Ihr Vorgänger im Amt, der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim, zahlreiche Akten nachträglich fälschen ließ, um beim kaiserlichen Reichshofrat in Wien die Situation in Bamberg zu beschönigen. Und mit Verlaub: Ich bezichtige Sie exakt der gleichen Vorgehensweise. 

Sie verkörpern die höchste katholische Instanz im Erzbistum und es war alleine Ihre Organisation, die aus Bamberg einen wahren Höllenort gemacht hat. Auch die Mär von der angeblichen Verantwortung weltlicher Gerichte muss hier endgültig klargestellt werden: der Kauf des Grundstücks und der Bau des Malefiz Hauses gehen alleine auf das Konto der katholischen Kirche. 

Dass dann willfährige Richter, Schöffen und Hexenkommissare ebenfalls einen Anteil an den bestialischen Grausamkeiten und Fehlurteilen hatten, will ich hier nicht bestreiten, aber jede Befehlskette hat ihren Anfang, und in Bamberg herrschten die irrsinnigsten Mechanismen, die alleine vom fürstbischöflichen Willen ausgingen.

Von Ihrem heutigen Arbeitsplatz auf dem Domberg sehen Sie in die "Alte Hofhaltung" in deren Mauern auch Hunderte von Menschen gefoltert wurden, bevor man sich entschloss, ein zusätzliches, prunkvolles Foltergefängnis an der Stadtmauer zu erbauen. Auch der Kanzler, Dr. Georg Haan, wurde hier öffentlich ermordet und die schwangere Dorothea Flock entband innerhalb der Kerker in der Hofhaltung ihr Kind, bevor sie im Hinterhof des Malefiz Hauses geköpft und dann verbrannt wurde 
(Heute ist im Übrigen der Jahrestag ihrer Ermordung: siehe Video-Link im Anhang).

Und selbst nachdem es mehr als 40 Jahre keine Verbrennungen mehr in Bamberg gegeben hatte, wurde am 14. Dezember 1674 die 74-jährige Margarethe Handel, wahrscheinlich wieder in der Alten Hofhaltung, bei der dritten Foltersitzung "gradu torturae" zu Tode gemartert. 
Da sie aber bis zu ihrem plötzlichen Foltertod noch nicht gestanden hatte, dass sie eine Hexe sei, wurde ihre Leiche vom katholischen Pfarrer Elias Kraus nach Weismain gebracht und dort mit alle Sakramenten katholisch beerdigt.

Der tausendjährige Dom ist das kaiserliche Wahrzeichen unserer Stadt und das einzige Mal, das Sie, Herr Dr. Schick, jemals Ihre Gemeinde mit der Wahrheit konfrontiert haben, war, als sie am 11. März 2007 während der Vergebungsbitte zum Bistumsjubiläum folgenden Satz gesagt haben: "Damit wir in Zukunft mehr Licht sein und bringen können, feiern wir diesen Gottesdienst der „Reinigung des Gedächtnisses“, der Bitte um Vergebung und der Erneuerung."

Und genau in dieser Haltung liegt m.M.n. die Krux, denn wir leben im dritten Jahrtausend und können als mündige Bürger gerne auf die von Ihnen propagierte "Reinigung des Gedächtnisses" verzichten. 

Der wahre Lauf der wissenschaftlich erforschten Geschichte lässt sich nicht länger verschleiern - die Menschen, die in Ihrem Einzugsbereich leben und die Besucher der Stadt, haben ein Recht darauf, JETZT zu erfahren, welche unvergleichlichen Verbrechen sich in den Mauern von Bamberg und Zeil zugetragen haben und nicht dann, wann Sie es irgendwann für opportun halten werden. 

Das Image des UNESCO-Welterbes wird von Ihrer Beton-Mentalität kupiert - Bamberg wird von ca. 2 Millionen Touristen pro Jahr besucht, die es nicht verdient haben, eine manipulierte Darstellung der Geschichte geliefert zu bekommen. Das sind die Methoden totalitärer Systeme, die in einer modernen aufgeklärten Welt nichts zu suchen haben. 

Und da das hier ein offener Brief ist, möchte ich zum Abschluss folgende These in den Raum stellen: Glaubt denn wirklich ein rational denkender Mensch, dass ohne die Initiative der Herren Dieter Potzel, Dieter Weinsheimer und des Bayerischen Fernsehens jemals etwas an die Öffentlichkeit gelangt wäre? 

Und den zukünftigen Kritikern dieses offenen Briefes stelle ich folgende Frage: Gibt es irgendwo in Deutschland eine weitere Stadt, die vielleicht auch noch UNESCO-Welterbe ist, und in der es einen ähnlichen Massenmord mit mehr als 1000 Toten gegeben hat, der bis dato verleugnet und vertuscht wurde? 

Wenn Sie, Herr Dr. Schick, in Zukunft wirklich "mehr Licht sein und bringen können" wollen, dann sorgen Sie für sofortige lückenlose Aufklärung oder schweigen Sie weiter, aber jeden Tag erkennen mehr und mehr Menschen, was sich wirklich in Bamberg abgespielt hat ... und damit schwindet auch täglich die Glaubwürdigkeit Ihrer Kirche.

Mit den gleichen Mechanismen der Vertuschung wurden auch die Missbrauchsfälle innerhalb des Bistums behandelt, ob sie von Herrn Münkemer oder Dr. Dr. Kehrbach begangen wurden ... es ist immer das gleiche System.  



Zum Schluss möchte ich ein weiteres Zitat aus der Frankenpost anführen: "Auch das Erzbistum Bamberg begrüßt es, wenn eine seriöse und fundierte Aufarbeitung der Geschichte und des Schicksals der Hexenverbrennungen erfolgt, erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg auf Anfrage..."

Ich ziehe es unter diesen Umständen vor, fundiert unseriös zu bleiben.


Ralph Kloos 



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Das Video zum Mord an Dorothea Flock finden Sie hier: 





Autor & Produzent von

 Das geheime Foltergefängnis der katholischen Inquisition.


Adresse: 

C/ Los Costales s/n 
E-35650 Lajares / La Oliva
Fuerteventura - Islas Canarias 


Samstag, 16. Mai 2009

Rockstars machen Geschichte ...


in mehrfacher Hinsicht, denn beim Konzert der TOTEN HOSEN am 12. Mai 2009 eröffnete der Sänger und Schauspieler Campino dem verdutzten Bamberger Publikum profunde Geschichtskenntnisse über die "Traumstadt der Deutschen", die wohl den wenigsten der meist jugendlichen Konzertbesuchern bekannt waren.

Und mit dieser Aktion hat Campino ein eindeutiges Zeichen gesetzt - als Botschafter einer Wahrheit, die in Bamberg systematisch zensiert und seit Jahren verleugnet wird.

Das nennt sich Geschichtsklitterung.

Es wird hier niemanden verwundern, dass der Artikel über das Konzert in der einzigen Tageszeitung (FT, Bamberg) nicht mit einem Wort darauf einging, was einer der einflussreichsten deutschen Rockmusiker zu den Zuständen in Bamberg zu sagen hatte.

Was damals passiert ist, war einzigartig grausam in ganz Europa - doch das ist ca 380 Jahre her. Viel schlimmer ist es, dass im Bamberg des Jahres 2009 immer noch kein Platz zu sein scheint, um eine einmalige Epoche der deutschen Sozialgeschichte anständig aufzuarbeiten.

Alles weitere erfahren Sie mit einem Klick auf den Button: Zensur in Bamberg Teil 2.

Das Video vom Konzert finden Sie hier:
http://www.youtube.com/watch?v=TYKhx0ZgqKU