Samstag, 6. Oktober 2007

Post 1: 6.Oktober 2007 - wie alles begann?


Wie dieses Projekt entstand?

Im Juni 1998 kaufte ich mir den "SPIEGEL" (Ausgabe 23/1998) mit dem Titel: INQUISITION - Folter im Namen Gottes.

Thematisiert wurde - was für eine Überraschung - meine Heimatstadt Bamberg als absolutes Zentrum der Hexenverbrennung mit ca. 650 verbrannten Menschen allein im Jahr 1630. Ich hatte in Bamberg mein Abitur gemacht - zufällig in Geschichte - und da mich das Thema "Geschichte" auch privat immer interessiert hatte, war ich eigentlich der Meinung alles wesentliche über meine Heimatstadt gewusst zu haben.

Monate später sendete die ARD ein Interview mit dem deutschen Dramatiker Rolf Hochhuth. Thema des Interviews war der geschichtliche Ursprung der Konzentrationslager der Nationalsozialisten und in diesem Zusammenhang verwies Herr Hochhuth auf genau den oben erwähnten Artikel des "SPIEGEL": er habe nach der Lektüre des Artikels direkt beim SPIEGEL angerufen um die Archivleitung darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei der Opferzahl von 650 offensichtlich um einen Druckfehler handeln müsse.

Umso erstaunter war Herr Hochhuth, als ihm seitens der Archivleitung erklärt wurde, dass es sehr wohl den Tatsachen entsprach, dass Bamberg eine weltweit einmalige Inquisitionsgeschichte hatte, der gut ein Zehntel der Bevölkerung zum Opfer gefallen war.

Ich fragte mich, wie es sein konnte, dass ich als Bürger dieser Stadt noch nie etwas von den wahren Ausmassen der Hexenverfolgung gehört hatte? Auch in meinem persönlichen Umfeld hatte niemand dererlei Wissen.

Monate später stiess ich bei der Recherche in Bamberg auf den ersten Abdruck des Kupferstichs von Matthäus Merian d.Ä. aus dem Jahr 1628. Schon beim ersten Anblick dieses sehr detaillierten Abbilds des Malefiz Hauses schoss mir der Gedanke automatisch in den Kopf: wie mag es wohl innerhalb dieses kirchlichen Folter Gefängnisses ausgesehen haben. Wie waren die Dimensionen, das Feeling, etc.

Da der Plan von Matthäus Merian eine Aufriss- und einen Ansichtsplan zeigt, konnten wir mit Hilfe dieser Informationen eine Maßstabsgetreue 3D-Rekonstruktion anfertigen, die bis auf wenige Zentimeter der historischen Vorlage entspricht.

... dieser BLOG wird in den kommenden Monaten unsere Arbeit dokumentieren:

es wird mindestens eine Aktualisierung pro Woche geben...