Sonntag, 14. Oktober 2012

Wir haben fertig!



Das ist vielleicht etwas salopp formuliert angesichts des Themas, aber nachdem wir uns jetzt knappe fünf Jahre den Schädel an der "Mauer des Schweigens" eingerannt haben, muss selbst das "letzte Depperla" einsehen, dass am Ende eben doch die Wahrheit gesiegt hat ... oder sie zumindest auf der Siegerstrasse ist. 

Keiner der Verantwortlichen bei der Stadt Bamberg dachte bei den Themenwochen zu den Bamberger Hexenverfolgungen (Oktober 2012) wohl im Traum daran, dass die breite Bevölkerung geradezu wie wild auf das angebotene Vortragsprogramm reagieren würde und deshalb jede Veranstaltung wegen Überfüllung wiederholt werden musste. Und plötzlich ist auch ganz konkret von einem Mahnmal für die Verfolgten die Rede, als hätte es nie den geringsten Zweifel an der Notwendigkeit zu dessen Errichtung gegeben. Moment mal - hatten wir in Sachen Mahnmal nicht bereits im Jahr 2008 bei OB Starke offiziell vorgesprochen?! 

Fakt ist: Die Bürger Bambergs wollen sich nicht weiter für blöd verkaufen lassen! Sie fordern Aufklärung über die wahren Umstände der Stadtgeschichte. Auch wenn manche Vorredner wie Rumpelstilzchen darauf herumhacken, dass in Bezug auf die Hexenverfolgungen niemals etwas vertuscht wurde, so wird sogar das eben erwähnte "letzte Depperla" stutzig und fragt sich, warum dann auf Seiten der Stadt auf einmal das große Bedürfnis nach Aufklärung entflammt ist, wenn doch angeblich niemals etwas vertuscht wurde. 

Es ist ein reichlich absurder Selbstverteidigungsgrund, wenn behauptet wird, dass die Akten seit ca. 1840 zum festen Bestand der Bamberger Archive gehören und von jedem Interessierten hätten eingesehen werden können. Dies zeugt meiner Meinung nach von einer nicht zu überbietenden Impertinenz. Wofür leisten sich Städte und Gemeinden denn Historiker, Denkmalpfleger und andere Wissenschaftler? Ganz einfach: Weil es einem Normalbürger gar nicht möglich ist, solche Akten zu entziffern, geschweige denn, sie in ihrer Gesamtheit richtig bewerten zu können. Sie sind in Sütterlin-Schrift und Altdeutsch, teilweise auch in Lateinisch verfasst und stehen als Zeitdokumente in einem Geflecht von Zusammenhängen, welches für Laien komplett undurchdringlich ist. 

Gerade weil gewisse Herren diesen in Deutschland einzigartigen Aktenbestand Bambergs ins Spiel bringen, erscheint es mir umso unverständlicher, dass man sich dann nicht schon viel früher mit dieser Materie beschäftigt hat. Und zwar in einer Form, die es auch einem Max Mustermann gestattet, daran teilzuhaben. 
Noch einmal: Dieses Thema ist in seiner historischen, gesellschaftlichen, aber auch in seiner zukünftigen Bedeutung zu wichtig, als dass es einem elitären Forscherkreis vorbehalten bleiben sollte, darüber zu bestimmen, ob die Öffentlichkeit, insbesondere die Bamberger Bürgerschaft, jemals davon erfährt. Es wäre spätestens seit 1840 die Pflicht der Bamberger Gremien gewesen, die Menschen über die Vergangenheit ehrlich zu unterrichten, anstatt es auszusitzen und zu tun, als würde das Thema keinen interessieren. Die jüngsten Berichterstattungen und der überwältigende Zuspruch an den Themenwochen zeigen das Gegenteil. 

Hinter den Kulissen, in den Amtsstuben Bambergs, so ahnen wir, sind nun all die feinen Amtsträger tierisch angepisst (man kann es einfach nicht treffender ausdrücken), dass da ein paar Computerfuzzis aus Mallorca schon 2008 für die DEUTSCHE STIFTUNG DENKMALSCHUTZ einen Multi-Media-Vortrag abhielten, der selbst heute noch jeden einzelnen Beitrag der Bamberger Themenwochen bei weitem in den Schatten stellen würde. 

Diesen Menschen möchte ich folgendes mitteilen:
  • 1. Ich selbst war noch nie auf Mallorca - und will da auch gar nicht hin. 
  • 2. Wir hatten schon 2007 den Versuch unternommen, unsere Forschungsergebnisse der Stadt kostenlos zu überlassen. 
  • 3. Man hat uns dann schriftlich auf das Jahr 2016 vertrösten wollen. 
Offensichtlich haben wir jetzt also die unerwartet freudige Gewissheit, dass wir permanent "ALLES RICHTIG" gemacht haben. 

Deshalb ist es nun an der Zeit, diesen Blog stillzulegen - er hat seine Schuldigkeit getan - und bleibt natürlich für immer bei Google dokumentiert.

Die jüngsten positiven Entwicklungen zeigen, dass die jahrzehntelange Vertuschung nun endgültig vorüber ist. Jetzt könnte eine progressive Aufarbeitung beginnen und es dann vielleicht sogar eine Rehabilitierung der Opfer geben. Ein Mahnmal zumindest, so ist zu hören, sei jedenfalls beschlossene Sache. 

Es soll hier keine Sekunde bestritten werden, dass gewisse Personen schon seit Jahren wissen, dass es diese bestialischen Massenmorde gab und in welchem Ausmaß sie "vorgefallen sind". Dennoch müssen sich diese Personen aktuell der Tatsache stellen, dass das "ganz normale Depperla von nebenan" jetzt eben auch hinterfragt, warum man nicht früher davon erfahren durfte. 

Richtig kritisch wird es im Hinblick auf die zweitwichtigste Einnahmequelle der Stadt: 130 Millionen Euro haben die Gäste der Stadt im letzten Jahr eingebracht. Aber kaum einer von den 2 Millionen Touristen hat als Gegenwert die ganze Wahrheit der Geschichte Bambergs präsentiert bekommen ... im UNESCO-WELTERBE Bamberg. 

Zum offiziellen Programm der Themenwochen zur Hexenverfolgung haben wir folgende Anmerkungen zu machen:

Wenn ich meinem sehr verehrten Geschichtslehrer im Gymnasium dieses offizielle Programm in einer Arbeit über die Aufklärung der Bamberger Massenmorde abgegeben hätte, dann hätte er mir das Ding um die Ohren gehauen und eine schlechte Note erteilt. Er hätte das damit begründet, wie man sich in einer explizit als fundierte Themenwoche ausgegebenen Veranstaltung erdreisten könne, das einzigartige Kernstück der lokalen Massenmorde komplett im Programm zu negieren. 

Obwohl die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz, die Süddeutsche Zeitung und der Bayerische Rundfunk das Malefizhaus als das grausame Alleinstellungsmerkmal der Bamberger Hexenverfolgung anerkennen, bringen es die so genannten hochkarätigen Aufklärer nicht fertig, dieses weltweit einmalige Foltergefängnis auch nur einmal im offiziellen Programm zu erwähnen. 

Soll das wieder der plumpe Versuch einer Zensur sein? Oder glauben ein paar wahrnehmungsgestörte Personen vielleicht sogar, dass sie mir "einen reinwürgen können", indem sie ihre eigene Aufklärungsoffensive zu einer traurigen Farce verkommen lassen? 

Der Youtube-Bildungskanal von Johannes Junius hat vergangene Woche die Eine-Million-Besucher-Marke überschritten. Das ist der eindeutige Beweis, dass das Thema die Menschen überall auf der Welt interessiert. Es handelt sich bei den Hexenverfolgungen schließlich um die größten nicht kriegsbedingten Massentötungen von Menschen. Und Bamberg war eine der absoluten Hochburgen dieses jahrelangen Wahnsinns. 

Zum Abschluss noch eine Sache: Mich persönlich stört es schon lange nicht mehr, wenn ich von Menschen zensiert werde, die meiner Meinung nach aus ihrem Job entfernt gehören. Der armselige Versuch, mit Guttenberg´scher Salami-Taktik die Bevölkerung zu verblöden, ist definitiv gescheitert. Was die persönlichen Angriffe auf meine Person angeht: Die sitze ich gerne bei Sonnenuntergang an einem einsamen Strand an der Westküste Fuerteventuras aus. 

Herzlichst

Ralph Kloos


PS

Unser mit langer Vorarbeit geplantes seriöses Museum in der Kirche in der Judenstrasse hat man uns ja leider sabotiert (Von wegen billige Effekthascherei und Gruseleffekte a la Hollywood oder Geisterbahn). 

Dafür eröffnen wir in wenigen Stunden das Virtuelle Museum zur Geschichte der katholischen Inquisition in Franken. Und ab Montag startet dann unser neuer Blog - wir laden Sie ganz herzlich dazu ein, die weitere Geschichte mit uns zu begleiten, denn wir sind die mit der GANZEN WAHRHEIT!

Wir bloggen weiter - ab sofort auf:


Samstag, 6. Oktober 2012

Die Vergebungsbitte des Erzbischofs in einer mathematischen Analyse


Damit sich ein jeder selbst sein Urteil bilden möge ...

In den Interviews der letzten Wochen reden Erzbischof Dr. Ludwig Schick und sein Sprecher, Domkapitular Dr. Norbert Jung wiederholt von der wichtigen Vergebungsbitte, die 2007 im Bamberger Dom während eines Vespergottesdienstes, u. a. für die Opfer der Hexenverfolgungen gepredigt wurde.

Der folgende Link führt auf die Webseite des Erzbistums Bamberg: Bitte laden Sie sich folgendes Wortprotokoll der Messe als PDF auf Ihren Rechner:


Wenn Sie dieses PDF-Dokument von allen kirchlichen Regie-Anweisungen und Überschriften bereinigen, dann bleiben exakt 2667 Wörter übrig, die vom Erzbischof und allen anderen Beteiligten während dieser Messe gesprochen wurden. Gebete und kirchliche Lieder haben wir nicht mitgerechnet.

Im ersten Drittel der Messe spricht ein Priester folgenden Satz:

Der Hexenwahn im Hochstift Bamberg kostete zu Beginn des 17. Jahrhunderts etlichen hundert Menschen das Leben.

Im gesamten weiteren Text ist weder das Wort Hexen, noch Hexenverbrennung, Verfolgung, Folter oder Gleichartiges zu lesen.

Dafür wird in drei von den fünf Kapiteln, die die Mitwirkenden danach persönlich vortragen, "DIE REINIGUNG DES GEDÄCHTNISSES" propagiert.

Herr Dr. Schick,
für mehr als 1000 von Ihrer Organisation verbrannte und malträtierte Menschen hatten Sie also in Ihrer nun zehnjährigen Karriere als Erzbischof - bis vor wenigen Wochen - gerade einmal 16 Wörter des Bedauerns übrig.

Das entspricht etwas mehr als einem halben Prozent der gesamten Messe.

Und Sie haben diese 16 Worte noch nicht einmal selbst ausgesprochen.

Montag, 1. Oktober 2012

Es ist vollbracht : )


Die aktuellen Themenwochen zur Hexenverbrennung in Bamberg hatten vor ca 500 Zuschauern am Freitag im überfüllten Saal der Volkshochschule ihren offiziellen Beginn.

Schnittchen und Drinks langten nur für die Hälfte der Zuschauer - man war also nicht auf dermaßen viele Bürger eingestellt, die an der Wahrheit über Bamberg interessiert sind. Das Thema kocht aber noch weiter.

Es gibt offensichtlich unterschiedliche Darstellungen, was die Entstehung dieser Aufklärungskampagne in Bamberg betrifft. Da können wir Ihnen helfen.

Jenseits aller Legenden kann man sich die wahre Geschichte der Aufklärung in Bamberg ganz einfach im Internet ansehen - z.B. auf der offiziellen Website der Stadt Bamberg - mit einem Klick zurück ins Jahr 2008.

Wenn dann noch Zweifel an der Urheberschaft bestehen kann eigentlich nur noch ein Arzt helfen.

Alles weitere erklären wir am 8.Oktober 2012 - dem offiziellen Beginn der zwei Themen-Wochen, die bis zum 21. Oktober dauern.

Bis dahin danken wir all den Leuten, die sich auf dem Bildungskanal von Johannes Junius über das Thema in Bamberg informiert haben ... heute nachmittag hat dieser Kanal die erste Million überschritten ... die Wahrheit hat gewonnen.





Montag, 6. August 2012

Heute vor 384 Jahren wurde er hingerichtet ...

Es ist der Todestag von Johannes Junius.

Hier können Sie den Brief anhören. (Dauer: 16:27 Minuten, Vorgetragen von Karsten Klaue) 


Dieses Schreiben wurde über mehrere Tage mit gefolterten Händen im Malefiz Haus angefertigt und
danach von den Bütteln des Hexenbrenners abgefangen.

Bürgermeister Johannes Junius hat der Stadt als Ratsherr und Bürgermeister mehr als 20 Jahre gedient, bevor man zuerst seine Frau Helena verbrannt hatte und danach ihn vernichtete.

Sein Schicksal ist durch die vorhandene Aktenlage bestens dokumentiert.

Frau Karin Dengler Schreiber hat im Jahr 2008 öffentlich geäussert, dass dieser Brief ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen werden sollte. Das ist ein bemerkenswerter Vorschlag ... was ist daraus geworden?


Freitag, 20. Juli 2012

nicht zuständig ?

es gibt da etwas klar zu stellen über die gestrige Sendung im Bayerischen Rundfunk - QUER

blog.br-online.de/quer/


Es ist wohl wirklich nur ein Missverständnis, denn es gab nie einen "ANONYMEN BRIEF". Wie dem Erzbistum und der Stadt Bamberg wohl bekannt, wurde dieser offene Brief von Herrn Dieter Potzel geschrieben. Im Endeffekt ist dieser kleine FAUX PAS aber unwichtig.

Interessanter ist da schon der Vergleich mit anderen Städten, die bundesweit in den letzten Jahren ihre Hexenprozessopfer rehabilitiert haben: da wurde in keinem Fall der höchste Staatsrepräsentant ins Spiel gebracht, sondern es wurde - weil es ja weder etwas kostet, noch weil es weh tut - rehabilitiert.

Aber klar - in der absoluten Hochburg der Hexenverfolgung - im UNESCO-Welterbe BAMBERG - da gibt es einen Sonderfall ???  Die Zeit wird zeigen, welche Geistesströmung die Oberhand gewinnen wird ...


Montag, 16. Juli 2012

Unsere Antwort an den Kultursenat der Stadt Bamberg

... vielleicht haben wir es einfach nicht gut genug erklärt? 


Deshalb möchten wir diesen Artikel zum Thema in der Tageszeitung vom 14. Juli 2012





mit diesem PDF beantworten:




Das angedeutete Buch wird im Sutton-Verlag vertrieben und wird im Herbst veröffentlicht.



mfg

RJK


Donnerstag, 12. Juli 2012

Keine "Reinigung des Gedächtnisses"


An Herrn Dr. Norbert Jung

Domkapitular zu Bamberg
Leiter Hauptabteilung Kunst und Kultur


Sehr geehrter Herr Dr. Jung, 

es ist schön, dass Erzbischof Dr. Ludwig Schick zuständigkeitshalber Sie beauftragt hat, Herrn Pfarrer Hegeler auf dessen Brief zu antworten. Allerdings weiß ich nicht, ob er Sie auch dazu ermutigt hat, unsere ehrenamtliche Aufklärungsinitiative in absurder Art und Weise zu diffamieren und zu diskreditieren.

Wir beziehen uns auf Ihr Schreiben vom 16.April 2012, welches öffentlich im Internet zu finden ist.

Wir fühlen uns von folgender Passage angesprochen und können Ihren Wahnwitz beim besten Willen nicht unkommentiert auf uns sitzen lassen.

"Vermutlich wissen Sie aber auch - Beweise liegen mir vor -, dass manche diesbezügliche Aktionen in Wahrheit von lnteressengruppen gesteuert sind, denen es darum geht, die Kirche (übrigens nicht nur die katholische) zu schädigen, bzw. von skrupellosen Geschäftemachern, die durch blutrünstige Präsentationen im Rahmen des Massentourismus Geld machen wollen. Auch das gilt es zu bedenken, denn einem wirklichen Gedenken wäre damit nicht gedient, sondern vielmehr einer missbräuchlichen Verzweckung des Leids der Opfer Vorschub geleistet."

Die angesprochene Interessensgruppe gibt es wirklich. Nach unserem Verständnis einer modernen aufgeklärten Gesellschaft besteht diese Gemeinschaft aus den Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen, was sie zu denken und was sie zu glauben haben. Die Zahl dieser Gruppe steigt tagtäglich. 

Der Wunsch nach ungeschminkter Vergangenheitsbewältigung existiert übrigens unabhängig von den Befindlichkeiten Ihrer oder anderer Religionsgemeinschaften.

Dass Sie es wirklich wagen, die Worte "skrupellos" und "blutrünstig" im Zusammenhang mit uns zu verwenden, hat schon beinahe pathologische Züge. Sie finden auf unseren Webseiten weder Foltergeräusche noch Todesschreie und Sie können mir glauben: Es liegt nicht daran, dass wir dazu nicht technisch in der Lage wären. 

Wir haben bewusst auf alle reißerischen Elemente verzichtet, damit uns Leute wie Sie nicht vorwerfen können, dass wir uns solcher Methoden bedienen müssten, um die Grausamkeiten Ihrer Organisation anschaulich zu dokumentieren. 

Allein die niedergeschriebenen Worte der gemarterten Opfer sind schauderhaft genug. Doch selbst wenn wir die besten Computerspezialisten der Welt verpflichten könnten, um alle existierenden technischen Möglichkeiten zur Dokumentation der damaligen Prozesse umzusetzen, so wären wir doch niemals in der Lage, den Brandgeruch und vor allem die Angst der Menschen abzubilden, die gerade in einer fürstbischöflichen Folterkammer ihre eigenen Familienmitglieder denunzieren mussten, damit die Folterknechte endlich mit ihrem furchtbaren Werk aufhörten. Die ganze Region lebte Jahre lang in einem Trauma aus Aberglauben, Verrat, Gottesfurcht und religiösem Wahnsinn, der dazu führte, dass Bamberg zu einem wahrhaftigen Vorhof der Hölle wurde. 

Ihr akademischer Stand und Ihre Position innerhalb des Erzbistums sagen einem Laien wie mir, dass Sie einer der Hüter über die kircheninternen Informationen und deren Verbreitung im Bistum sein müssen, was gleichermaßen impliziert, dass Sie persönlich sehr wohl seit Jahren ganz genau wissen, was sich innerhalb der "alten Hofhaltung" und im Malefizhaus abgespielt hat. Wer, wenn nicht Sie? 

Das Sahnehäubchen Ihrer obstrusen Anschuldigungen stellt aber der von Ihnen verwendete Begriff der "Geschäftemacherei" dar. Darf ich Sie fragen, wer Ihren, nicht gerade als frugal zu bezeichnenden, Lebensunterhalt (und den des gesamten Bistums, inklusive Erzbischof) bezahlt? So weit ich weiß, sind das die gläubigen Katholiken, die innerhalb des Erzbistums einen Teil Ihrer Lohnsteuer als Kirchensteuer abführen. Ich hoffe, ich liege nicht vollkommen daneben mit dieser Hypothese. 

Da wir ein paar Sätze vorher schon geklärt haben, dass Sie einer der absoluten Hauptverantwortlichen der jahrelangen Vertuschung sind, der sein Geld aber ohne Probleme jeden Monat von den Mitgliedern seiner Kirchenorganisation kassiert, dann ist diese Tatsache für mich nichts anderes als eine Form von niederem Betrug. Werden in der katholischen Lehre nicht die Dogmen der absoluten Wahrheit gelehrt? ("Die Wahrheit spricht meine Zunge, Unrechtes ist meinen Lippen ein Gräuel.")

Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, wie die katholische Kirche insgesamt und speziell im Erzbistum Bamberg zu ihrem unermesslichen Reichtum gekommen ist, wird Ihre Argumentation geradezu abenteuerlich.

Im Gegensatz dazu stoßen jeden Tag mehr und mehr Menschen auf unsere Webseiten zu dem Thema und zu den assoziierten YOUTUBE-Videos, die auf dem Kanal JOHANNESJUNIUS gehostet werden. Schon bald wird dieser Bildungskanal unter dem Namen des verbrannten Bürgermeisters von Bamberg eine Million Zugriffe überschreiten - und nirgendwo finden Sie ein einziges Werbebanner, weil wir auch keine Werbebuttons auf die Website eines KZs platzieren würden. Wir verzichten damit freiwillig auf permanente Einnahmen.

Was die Herstellung dieser jahrelangen Forschungsarbeit angeht, so kann ich nur eines sagen: Ohne die Hilfe zahlreicher Freunde und interessierter Historiker und ohne große finanzielle Opfer wäre es niemals möglich gewesen, die MALEFIZ-HAUS-Website und andere Medien zu produzieren, um damit hunderttausende von interessierten Menschen umsonst zu informieren - und das sogar in einer zweiten Sprache. (Englisch)

Mein persönliches Fazit: 

Durch unsere Arbeit werden die Konsumenten, die unsere Informationsangebote nutzen, gratis über die wahre Geschichte dieser Massenmorde informiert. 

Im Gegensatz dazu werden Ihre monatlich zahlenden Gemeindemitglieder, die Sie beim Kirchgang auch noch zur Kollekte bitten, von Ihnen seit Jahrzehnten gegen besseres Wissen angelogen, bzw. um die Wahrheit betrogen. So viel zum Thema "Geschäftemacher". 

Ihre "Reinigung des Gedächtnisses" hat wirklich lange perfekt funktioniert in dieser Stadt, aber jetzt wird auch in Bamberg das fehlende Kapitel Geschichte öffentlich gemacht werden - auch wenn es noch so weh tut. 

Das können Sie jetzt nicht mehr verhindern und so sollte vielleicht auch in Ihrer Gedankenwelt Platz geschaffen werden für die Lehren der Aufklärung und die mit Ihnen direkt zusammenhängende Verantwortung gegenüber Ihrem Titel, Ihrer Funktion und Ihrer Gemeinde. 

Ralph Kloos

Autor und Produzent: 

Dienstag, 10. Juli 2012

Rehabilitierung und Aufklärung der vertuschten Massenmorde von Bamberg


Am 12 Juli 2012 ist nun endlich so weit: auch in Bamberg will sich der Kultursenat der Stadt erstmals mit dem Thema der Rehabilitierung der ermordeten Opfer der Hexenverfolgung beschäftigen. 

Nach vielen anderen Städten hat sich am 28. Juni 2012 der Rat der Stadt Köln einstimmig für eine sozialethische Rehabilitation der Opfer der Kölner Hexenprozesse ausgesprochen.

Deshalb ist es eine gute Gelegenheit diese beiden Städte zu diesem Thema zu vergleichen.

Köln war damals die grösste Stadt im heiligen römischen Reich mit ca. 40.000 Einwohnern. Die Zahl der bekannten Opfer liegt bei 38. Das bedeutet, dass jeder 1052ste Bürger dieser Stadt auf dem Scheiterhaufen sterben musste.

Im Gegensatz dazu lebten in Bamberg zur gleichen Zeit ungefähr 12.000 Menschen. Die Anzahl der Opfer dürfte bei mindestens 884 liegen - diese Zahl nehmen wir hier als Grundlage der Berechnung. Das bedeutet, das ca. jeder 13te Bürger Bambergs als Hexe oder Zauberer verbrannt wurde. 

Rein mathematisch wurden in Bamberg also etwa 81 mal so viele Menschen verbrannt, wie in Köln.

Aber anders als in Bamberg, gibt es in Köln bereits seit 1988 eine Katharina Henot Strasse und seit 1992 eine Gesamt-Schule mit dem Namen der verbrannten Postmeisterin. Am Kölner Rathausturm wurde 1988 von einer direkten Nachfahrin Katharinas Henots, der Künstlerin Marianne Lüdicke eine Skulptur ihrer Ahnin installiert. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Geschichte der Kölner Hexenverfolgungen einer breiten Bevölkerung durchaus bekannt ist.

Das stellt sich im UNESCO-Welterbe der Stadt Bamberg ganz anders dar: bis dato gibt es keinerlei sichtbare Anzeichen, Strassennamen oder gar ein Denkmal für die Massenmorde der katholischen Inquisition. Seltsamerweise gibt es dafür eine ANNA-MARIA-JUNIUS-Strasse in der Stadt Bamberg - sie war die Tochter des Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius, der am 12 August 1628 auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt wurde. Ihre späte Ehrung verdankt die ehemalige Dominikanernonne einer Klosterchronik in der sie vor allem die Folgen des 30-jährigen Krieges beschreibt. Den Doppelmord an ihren Eltern, die beide gefoltert und lebendig verbrannt wurden, erwähnt sie dagegen mit keinem einzigen Wort.

Wenn in Bamberg also noch gar nicht aufgeklärt wurde, wie kann man dann eine Rehabilitierung dieser Verbrechen in Angriff nehmen? Müsste die Bevölkerung dieser Stadt nicht zuerst komplett von den Ausmaßen dieser Massenmorde informiert werden? 

Als Beispiel für die etwas abnorme Informationspolitik in Bamberg darf man folgende Tatsachen zur Kenntnis nehmen: im CBI-Genios-Archiv der einzigen Tageszeitung (Fränkischer Tag Bamberg) finden Sie bei der On-Line-Recherche nicht einen einzigen Eintrag unter dem Stichwort "MALEFIZ-HAUS. Es gibt in diesem Archiv also nicht einen einzigen Artikel, der sich dieses Themas annimmt. 

Das könnte man z.B. mit der Stadt Dachau vergleichen: was würde man dazu sagen, wenn es in Dachau ebenfalls keinen Treffer beim Stichwort KONZENTRATIONS-LAGER geben würde?

Insofern darf man gespannt sein, wie der kleinste gemeinsame Nenner innerhalb dieser Sitzung aussehen wird ... und vor allem: was kommt danach?

Da Bamberg und Würzburg gemeinsam die absoluten Hochburgen der europäischen
Hexenverbrennungen waren, würde sich in beiden Städten auch ein spannendes Museum anbieten - zumindest aber die Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte und wenn man es genau nimmt, dann sollten auch die jeweiligen Erzbischöfe in diese Gedenkkultur eintreten, denn schliesslich war es nun einmal unbestreitbar die katholische Kirche, die diese Massenmorde zu verantworten hat.

Dass es im Herbst eine Gedenkwoche zu den Hexenverbrennungen geben wird darf man wohl als erstes zartes Pflänzchen der Aufklärung betrachten. Aber das kann und darf es auf keinen Fall gewesen sein! Wagen wir den Blick ins 30 km entfernte Zeil am Main: dort hat man für 750.000 € eine Gedenkstätte im Hexenturm errichtet, obwohl in dieser Stadt niemals ein Mensch der Hexerei angeklagt oder verurteilt wurde, denn Zeil war nur der Brennplatz von Bamberg. Hier wurde nur das ausgeführt was der Bamberger Erzbischof angestiftet hatte.

Ein interessanter Ansatz wäre z.b. die Ahnensuche - denn in Bamberg leben ja immer noch Menschen, die von Namen her Nachkommen damaliger Opfer sein könnten. Das wäre doch auch für diese Menschen interessant zu wissen, was damals mit ihren direkten Vorfahren passiert ist.

Immanuel Kant fragte sich: Leben wir in einem aufgeklärten Zeitalter? Er antwortet: Nein! Wir leben in einem Zeitalter der Aufklärung, d. h. der Prozess des auf Vernunft begründeten Lebens ist niemals abgeschlossener Besitz, es bleibt ständige Aufgabe, sich der Gefährdungen eines humanen Zusammenlebens bewusst zu sein, sich um die Schaffung vernünftiger Verhältnisse zu bemühen und auch in symbolischen Handlungen Zeugnis abzulegen. 

Donnerstag, 17. Mai 2012


Offener Brief an Herrn Dr. Ludwig Schick  


basierend auf seinen Aussagen vom 9. Mai 2012 im Bayerischen Fernsehen.


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Herrn Dr. Ludwig Schick
Erzbischöfliches Ordinariat
Domplatz 5
96049 Bamberg

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Guten Tag, Herr Dr. Schick  

Da Sie als Oberhirte des Erzbistums Bamberg die historische Verantwortung haben, muss ich Ihre am 9.ten Mai 2012 öffentlich im Bayerischen Fernsehen geäußerten Worte auch öffentlich kommentieren.

Ich widerspreche Ihnen aus mehreren Gründen, denn auch mir ist das "ZU WENIG". 

Fakt ist: Spätestens seit der Veröffentlichung des Buches „Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung“ von Dr. Britta Gehm im Jahr 2002 gibt es ein wissenschaftliches Werk, das genau die von Ihnen in Abrede gestellten Mechanismen der Verfolgung, Diffamierung, Folterung und Verbrennung von mindestens 884 katholischen Opfern des 17ten Jahrhunderts peinlich genau seziert, analysiert und wissenschaftlich demonstriert.

Jetzt könnten Sie natürlich behaupten, dieses Sachbuch gar nicht zu kennen, aber das Erzbistum selbst hat im Jahr 2007 die Autorin dieses Werkes nach Bamberg zum Vortrag geladen.




Deshalb darf man wohl davon ausgehen, dass der Inhalt dieses Buches innerhalb des Erzbistums durchaus bekannt war. Frau Dr. Gehm ist dann zwar nicht in Bamberg erschienen - die Gründe sind mir nicht bekannt -, dennoch haben Sie ja öffentlich und schriftlich zu diesem Vortrag eingeladen.

Ich behaupte deshalb, dass Sie hier zwar einen wohlklingenden Grund für Ihre jahrzehntelange Vertuschung anführen, der aber nicht im Ansatz nachzuvollziehen ist. Die historischen Fakten sind hinlänglich erforscht und bekannt - es existieren sogar wissenschaftliche Papier- und Tintenanalysen, die zweifelsfrei belegen, dass Ihr Vorgänger im Amt, der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim, zahlreiche Akten nachträglich fälschen ließ, um beim kaiserlichen Reichshofrat in Wien die Situation in Bamberg zu beschönigen. Und mit Verlaub: Ich bezichtige Sie exakt der gleichen Vorgehensweise. 

Sie verkörpern die höchste katholische Instanz im Erzbistum und es war alleine Ihre Organisation, die aus Bamberg einen wahren Höllenort gemacht hat. Auch die Mär von der angeblichen Verantwortung weltlicher Gerichte muss hier endgültig klargestellt werden: der Kauf des Grundstücks und der Bau des Malefiz Hauses gehen alleine auf das Konto der katholischen Kirche. 

Dass dann willfährige Richter, Schöffen und Hexenkommissare ebenfalls einen Anteil an den bestialischen Grausamkeiten und Fehlurteilen hatten, will ich hier nicht bestreiten, aber jede Befehlskette hat ihren Anfang, und in Bamberg herrschten die irrsinnigsten Mechanismen, die alleine vom fürstbischöflichen Willen ausgingen.

Von Ihrem heutigen Arbeitsplatz auf dem Domberg sehen Sie in die "Alte Hofhaltung" in deren Mauern auch Hunderte von Menschen gefoltert wurden, bevor man sich entschloss, ein zusätzliches, prunkvolles Foltergefängnis an der Stadtmauer zu erbauen. Auch der Kanzler, Dr. Georg Haan, wurde hier öffentlich ermordet und die schwangere Dorothea Flock entband innerhalb der Kerker in der Hofhaltung ihr Kind, bevor sie im Hinterhof des Malefiz Hauses geköpft und dann verbrannt wurde 
(Heute ist im Übrigen der Jahrestag ihrer Ermordung: siehe Video-Link im Anhang).

Und selbst nachdem es mehr als 40 Jahre keine Verbrennungen mehr in Bamberg gegeben hatte, wurde am 14. Dezember 1674 die 74-jährige Margarethe Handel, wahrscheinlich wieder in der Alten Hofhaltung, bei der dritten Foltersitzung "gradu torturae" zu Tode gemartert. 
Da sie aber bis zu ihrem plötzlichen Foltertod noch nicht gestanden hatte, dass sie eine Hexe sei, wurde ihre Leiche vom katholischen Pfarrer Elias Kraus nach Weismain gebracht und dort mit alle Sakramenten katholisch beerdigt.

Der tausendjährige Dom ist das kaiserliche Wahrzeichen unserer Stadt und das einzige Mal, das Sie, Herr Dr. Schick, jemals Ihre Gemeinde mit der Wahrheit konfrontiert haben, war, als sie am 11. März 2007 während der Vergebungsbitte zum Bistumsjubiläum folgenden Satz gesagt haben: "Damit wir in Zukunft mehr Licht sein und bringen können, feiern wir diesen Gottesdienst der „Reinigung des Gedächtnisses“, der Bitte um Vergebung und der Erneuerung."

Und genau in dieser Haltung liegt m.M.n. die Krux, denn wir leben im dritten Jahrtausend und können als mündige Bürger gerne auf die von Ihnen propagierte "Reinigung des Gedächtnisses" verzichten. 

Der wahre Lauf der wissenschaftlich erforschten Geschichte lässt sich nicht länger verschleiern - die Menschen, die in Ihrem Einzugsbereich leben und die Besucher der Stadt, haben ein Recht darauf, JETZT zu erfahren, welche unvergleichlichen Verbrechen sich in den Mauern von Bamberg und Zeil zugetragen haben und nicht dann, wann Sie es irgendwann für opportun halten werden. 

Das Image des UNESCO-Welterbes wird von Ihrer Beton-Mentalität kupiert - Bamberg wird von ca. 2 Millionen Touristen pro Jahr besucht, die es nicht verdient haben, eine manipulierte Darstellung der Geschichte geliefert zu bekommen. Das sind die Methoden totalitärer Systeme, die in einer modernen aufgeklärten Welt nichts zu suchen haben. 

Und da das hier ein offener Brief ist, möchte ich zum Abschluss folgende These in den Raum stellen: Glaubt denn wirklich ein rational denkender Mensch, dass ohne die Initiative der Herren Dieter Potzel, Dieter Weinsheimer und des Bayerischen Fernsehens jemals etwas an die Öffentlichkeit gelangt wäre? 

Und den zukünftigen Kritikern dieses offenen Briefes stelle ich folgende Frage: Gibt es irgendwo in Deutschland eine weitere Stadt, die vielleicht auch noch UNESCO-Welterbe ist, und in der es einen ähnlichen Massenmord mit mehr als 1000 Toten gegeben hat, der bis dato verleugnet und vertuscht wurde? 

Wenn Sie, Herr Dr. Schick, in Zukunft wirklich "mehr Licht sein und bringen können" wollen, dann sorgen Sie für sofortige lückenlose Aufklärung oder schweigen Sie weiter, aber jeden Tag erkennen mehr und mehr Menschen, was sich wirklich in Bamberg abgespielt hat ... und damit schwindet auch täglich die Glaubwürdigkeit Ihrer Kirche.

Mit den gleichen Mechanismen der Vertuschung wurden auch die Missbrauchsfälle innerhalb des Bistums behandelt, ob sie von Herrn Münkemer oder Dr. Dr. Kehrbach begangen wurden ... es ist immer das gleiche System.  



Zum Schluss möchte ich ein weiteres Zitat aus der Frankenpost anführen: "Auch das Erzbistum Bamberg begrüßt es, wenn eine seriöse und fundierte Aufarbeitung der Geschichte und des Schicksals der Hexenverbrennungen erfolgt, erklärt das Erzbischöfliche Ordinariat Bamberg auf Anfrage..."

Ich ziehe es unter diesen Umständen vor, fundiert unseriös zu bleiben.


Ralph Kloos 



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Das Video zum Mord an Dorothea Flock finden Sie hier: 





Autor & Produzent von

 Das geheime Foltergefängnis der katholischen Inquisition.


Adresse: 

C/ Los Costales s/n 
E-35650 Lajares / La Oliva
Fuerteventura - Islas Canarias 


Donnerstag, 10. Mai 2012

9. Mai 2012

Die Sendung des Bayerischen Fernsehens finden Sie hier:


http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/stationen/stationen-hexenjaeger100.html

Dienstag, 8. Mai 2012

Sonntag, 25. März 2012


... es geschehen noch Wunder - oder: was am 30. September 2007 begann, scheint endlich einen entschiedenen Schritt in die richtige Richtung zu gehen.
                                                                                                                                                 Bamberg,  15.3.2012
Rehabilitation der  Opfer der Hexenprozesse,  beispielhaft an der Person des Johannes Junius, ehemals  Bamberger Bürgermeister; hier: Antrag
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die Berichte in der Bamberger Internetzeitung „freie WeBZet“ über „Hexenprozesse in Bamberg“ haben bewirkt, dass sich etliche Bürgerinnen und Bürger zu dem Thema geäußert haben. Besonders das Interesse außerhalb unserer Stadt war für uns überraschend. Darunter könnten auch Menschen sein, die im Laufe des Jahres unsere Stadt anlässlich der Landesgartenschau besuchen. 
Nun hat die Stadt Bamberg schon einiges getan, um der moralischen und sozialethischen Rehabilitation Ausdruck zu verleihen. Es erscheint deshalb selbstverständlich, dass alle relevanten Kräfte in der Stadt, sich von dem begangenen Unrecht distanzieren und der Ehre
und Würde der verurteilten Personen gerne Gerechtigkeit widerfahren lassen würden. Das kann leider nur posthum geschehen und ist auch juristisch nicht mehr möglich. 
Unser Anliegen bezieht sich deshalb auf eine sozialethische, moralische Rehabilitation. Grundsätzlich meinen wir, dass
  • das Ausmaß der Jahrhunderte dauernden Hexenverfolgung, das heißt der Zahl als auch der grauenhaften Umstände wegen, eine Beschäftigung mit diesem Thema rechtfertigt. 
  • die Art und Weise, wie unschuldige Menschen in diese Prozesse gerieten, durch abergläubische Vorstellungen, Vorurteile - vor allem gegenüber Frauen-, Ausgrenzung, Dämonisierung und haltlose Schuldzuweisungen uns an die Verletzlichkeit eines humanen Zusammenlebens erinnern und mahnen sollte.
  • wir sowohl als Demokraten als auch als Christen die damaligen Taten als Unrecht empfinden und benennen müssen.
Nach unseren Informationen haben bereits etliche deutsche Kommunen in aller Form eine sozialethische Rehabilitation vollzogen (s. Liste unten).                     
Namens der Fraktion der Freien Wähler Bamberg stelle ich deshalb folgenden Antrag:
Der  Stadtrat von Bamberg beschließt, die  im Rahmen der sogenannten Hexenprozesse im Bereich der Stadt Bamberg unschuldig verurteilten Personen sozialethisch zu rehabilitieren.  Er will einen Beitrag leisten,  damit die Ehre der durch die Hexenprozesse verfolgten und hingerichteten Bürgerinnen und Bürger wieder hergestellt wird.  Er tut das  auch, um im Namen aller Demokraten und Christen  die damaligen Taten als Unrecht zu benennen und den Schmerz darüber auszudrücken. 
Wir möchten das Anliegen  beispielhaft an das Schicksal des damaligen Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius knüpfen, der im August 1628 in Bamberg als angeblicher Hexer hingerichtet wurde. Des Weiteren meinen wir, dass der Stadtrat sich auch an das Erzbistum Bamberg wendet, mit dem Ziel, sich gemeinsam von dem ergangenen Unrecht zu distanzieren.
Mit freundlichen Grüßen
                                                     Dieter Weinsheimer
                                                  Vorsitzender der FWB-Stadtratsfraktion                                            

Eine Rehabilitation der als Hexen hingerichteten Frauen und Männer ist bereits in etlichen Orten durch den Rat der Stadt erfolgt:
u.a.
1993 Winterberg/ NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche
1996 Idstein/ Hessen
2002 Kammerstein, 2003 Kammerstein - Barthelmesaurach/ Bayern
2007 Eschwege/ Hessen, Stadt und ev. Kirche
2010 Hofheim a.T./ Hessen
2011 Rüthen/ NRW
2011 Hilchenbach/ NRW
2011 Hallenberg/ NRW
2011 Düsseldorf/ NRW
2011 Sundern/ NRW
2011 Menden/ NRW
2011 Werl/ NRW
2011 Suhl/ Thüringen
 

Donnerstag, 8. März 2012


Unglaublich eindringlich
To:johannesjunius

Hallo "Herr (oder Gruppe) Junius", dass was sie auf Youtube und der Malefiz Haus Seite eingestellt und erstellt haben, ist wohl das eindringlichste und erschütterndste was ich je über die Hexenverfolgung gesehen habe. Die Rekonstruktion des Malefiz Hauses und der Abschiedsbrief des Hr. Junius gehören in jeden Geschichtsunterricht. Insbesondere finde ich es auch wichtig, dass sie auf den Aspekt der Vertuschung dieses ungeheuren Verbrechens durch die Bamberger Politik und die Kirche eingehen.

Irgendwo las ich, der Junius Brief solle Weltkulturerbe o.ä. werden. Ja, dass ist wohl eines der eindringlichsten Dokumente die man zu einer bestimmten geschichtlichen Epoche lesen und hören kann.

Sollten sie oder ihre Gruppe ein Spendenkonto haben, teilen sie es mir mit. Sowas kann man nur unterstützen.

Alles Gute, machen sie weiter so. Geben sie nicht auf !


-> danke - und wir werden nicht klein beigeben 

Donnerstag, 16. Februar 2012

Rehabilitierung in Köln - MAUER DES SCHWEIGENS in BAMBERG

so könnte man das zusammenfassen, was beim gestrigen Thementag von DRADIO Wissen herauskam.

In sieben Themenblöcken wurden verschieden Aspekte des Hexenwahns und der Hexenverbrennung abgehandelt.

Hier ist der Link vom Interview mit Pfarrer Hartmut Hegeler, der sich seit 2002 mit der sozial-ethischen Rehabilitierung der Hexen befasst und der schon in mehreren Städten Deutschlands erreicht hat, dass rehabilitiert wurde. Wann wird sich Bamberg seiner Vergangenheit stellen ?

Hier ist das Interview und wer sich wirklich für das Thema interessiert, dem empfehle ich auch die anderen Beiträge.


http://wissen.dradio.de/audioarchiv.55.de.html?drau:page=2&drau:audio_id=93049&drau:play=1

Sonntag, 22. Januar 2012

Sehr geehrter Herr Kloos,

vielen Dank für Ihren hochinteressanten Blog! 


Als Bamberg-Kurztrip-Touristen sind wir tief beschämt, auch noch in einem Kloster genächtigt zu haben und in ganz Bamberg nichts, aber auch gar nichts zur Hexenverfolgung erfahren zu haben. Dabei waren wir zwei Tage kulturinteressiert unterwegs. Erst nun, nachdem wir unsere Reise nach Bamberg mittels Internet-Informationen etwas "nachbereiten", erfahren wir, wie diese schöne Stadt ihre zum Teil grässliche Vergangenheit unter den beiden perfiden Weihbischöfen bis heute mehr oder weniger peinlich berührt verschweigt. Was soll das denn?

Wir sind sehr enttäuscht von den Verantwortlichen, die den Stadtbesuchern diese Tragödie vorenthalten.

Im Nachhinein hat Bamberg dadurch einen ganz anderen Eindruck bei uns hinterlassen. Ein Mahnmal für die unschuldig Ermordeten und die Nennung der Verantwortlichen wäre das Mindeste, um die Opfer nicht ein zweites Mal alleine zu lassen und zu vergessen. 

Dienstag, 17. Januar 2012

Wir sind zurück


Weil es jetzt doch schon sehr viele Anfragen gab, ob wir mittlerweile aufgegeben haben ...

Nein! Haben wir nicht und werden wir nicht.

Wenn man ein halbes Jahr keinen Post mehr veröffentlicht ist dieser Gedanke sogar nachvollziehbar, doch ich kann versichern, dass es schon bald weiter gehen wird. Allerdings etwas anders vielleicht, als es manche Leute vorauszusehen glauben. Es gibt ja manchmal im Leben Situationen, in denen man sich selbst kritisch hinterfragen sollte ...  Hab ich gemacht ... und beschlossen, dass ich einfach nicht in einer Stadt leben möchte, in der man der Wahrheit einen Maulkorb verpasst und gleichzeitig bei jeder Gelegenheit den Stolz auf das einzigartige Welt-Kultur-Erbe heraus posaunt ...

Seitdem es in Zeil das neue Dokumentationszentrum über die Hexenverbrennung gibt, stehen gleich zwei Städte unter Zugzwang.

Wir werden also schon bald wieder an die Öffentlichkeit gehen - und wir werden etwas Neues zu sagen haben.