Sonntag, 14. Oktober 2012

Wir haben fertig!



Das ist vielleicht etwas salopp formuliert angesichts des Themas, aber nachdem wir uns jetzt knappe fünf Jahre den Schädel an der "Mauer des Schweigens" eingerannt haben, muss selbst das "letzte Depperla" einsehen, dass am Ende eben doch die Wahrheit gesiegt hat ... oder sie zumindest auf der Siegerstrasse ist. 

Keiner der Verantwortlichen bei der Stadt Bamberg dachte bei den Themenwochen zu den Bamberger Hexenverfolgungen (Oktober 2012) wohl im Traum daran, dass die breite Bevölkerung geradezu wie wild auf das angebotene Vortragsprogramm reagieren würde und deshalb jede Veranstaltung wegen Überfüllung wiederholt werden musste. Und plötzlich ist auch ganz konkret von einem Mahnmal für die Verfolgten die Rede, als hätte es nie den geringsten Zweifel an der Notwendigkeit zu dessen Errichtung gegeben. Moment mal - hatten wir in Sachen Mahnmal nicht bereits im Jahr 2008 bei OB Starke offiziell vorgesprochen?! 

Fakt ist: Die Bürger Bambergs wollen sich nicht weiter für blöd verkaufen lassen! Sie fordern Aufklärung über die wahren Umstände der Stadtgeschichte. Auch wenn manche Vorredner wie Rumpelstilzchen darauf herumhacken, dass in Bezug auf die Hexenverfolgungen niemals etwas vertuscht wurde, so wird sogar das eben erwähnte "letzte Depperla" stutzig und fragt sich, warum dann auf Seiten der Stadt auf einmal das große Bedürfnis nach Aufklärung entflammt ist, wenn doch angeblich niemals etwas vertuscht wurde. 

Es ist ein reichlich absurder Selbstverteidigungsgrund, wenn behauptet wird, dass die Akten seit ca. 1840 zum festen Bestand der Bamberger Archive gehören und von jedem Interessierten hätten eingesehen werden können. Dies zeugt meiner Meinung nach von einer nicht zu überbietenden Impertinenz. Wofür leisten sich Städte und Gemeinden denn Historiker, Denkmalpfleger und andere Wissenschaftler? Ganz einfach: Weil es einem Normalbürger gar nicht möglich ist, solche Akten zu entziffern, geschweige denn, sie in ihrer Gesamtheit richtig bewerten zu können. Sie sind in Sütterlin-Schrift und Altdeutsch, teilweise auch in Lateinisch verfasst und stehen als Zeitdokumente in einem Geflecht von Zusammenhängen, welches für Laien komplett undurchdringlich ist. 

Gerade weil gewisse Herren diesen in Deutschland einzigartigen Aktenbestand Bambergs ins Spiel bringen, erscheint es mir umso unverständlicher, dass man sich dann nicht schon viel früher mit dieser Materie beschäftigt hat. Und zwar in einer Form, die es auch einem Max Mustermann gestattet, daran teilzuhaben. 
Noch einmal: Dieses Thema ist in seiner historischen, gesellschaftlichen, aber auch in seiner zukünftigen Bedeutung zu wichtig, als dass es einem elitären Forscherkreis vorbehalten bleiben sollte, darüber zu bestimmen, ob die Öffentlichkeit, insbesondere die Bamberger Bürgerschaft, jemals davon erfährt. Es wäre spätestens seit 1840 die Pflicht der Bamberger Gremien gewesen, die Menschen über die Vergangenheit ehrlich zu unterrichten, anstatt es auszusitzen und zu tun, als würde das Thema keinen interessieren. Die jüngsten Berichterstattungen und der überwältigende Zuspruch an den Themenwochen zeigen das Gegenteil. 

Hinter den Kulissen, in den Amtsstuben Bambergs, so ahnen wir, sind nun all die feinen Amtsträger tierisch angepisst (man kann es einfach nicht treffender ausdrücken), dass da ein paar Computerfuzzis aus Mallorca schon 2008 für die DEUTSCHE STIFTUNG DENKMALSCHUTZ einen Multi-Media-Vortrag abhielten, der selbst heute noch jeden einzelnen Beitrag der Bamberger Themenwochen bei weitem in den Schatten stellen würde. 

Diesen Menschen möchte ich folgendes mitteilen:
  • 1. Ich selbst war noch nie auf Mallorca - und will da auch gar nicht hin. 
  • 2. Wir hatten schon 2007 den Versuch unternommen, unsere Forschungsergebnisse der Stadt kostenlos zu überlassen. 
  • 3. Man hat uns dann schriftlich auf das Jahr 2016 vertrösten wollen. 
Offensichtlich haben wir jetzt also die unerwartet freudige Gewissheit, dass wir permanent "ALLES RICHTIG" gemacht haben. 

Deshalb ist es nun an der Zeit, diesen Blog stillzulegen - er hat seine Schuldigkeit getan - und bleibt natürlich für immer bei Google dokumentiert.

Die jüngsten positiven Entwicklungen zeigen, dass die jahrzehntelange Vertuschung nun endgültig vorüber ist. Jetzt könnte eine progressive Aufarbeitung beginnen und es dann vielleicht sogar eine Rehabilitierung der Opfer geben. Ein Mahnmal zumindest, so ist zu hören, sei jedenfalls beschlossene Sache. 

Es soll hier keine Sekunde bestritten werden, dass gewisse Personen schon seit Jahren wissen, dass es diese bestialischen Massenmorde gab und in welchem Ausmaß sie "vorgefallen sind". Dennoch müssen sich diese Personen aktuell der Tatsache stellen, dass das "ganz normale Depperla von nebenan" jetzt eben auch hinterfragt, warum man nicht früher davon erfahren durfte. 

Richtig kritisch wird es im Hinblick auf die zweitwichtigste Einnahmequelle der Stadt: 130 Millionen Euro haben die Gäste der Stadt im letzten Jahr eingebracht. Aber kaum einer von den 2 Millionen Touristen hat als Gegenwert die ganze Wahrheit der Geschichte Bambergs präsentiert bekommen ... im UNESCO-WELTERBE Bamberg. 

Zum offiziellen Programm der Themenwochen zur Hexenverfolgung haben wir folgende Anmerkungen zu machen:

Wenn ich meinem sehr verehrten Geschichtslehrer im Gymnasium dieses offizielle Programm in einer Arbeit über die Aufklärung der Bamberger Massenmorde abgegeben hätte, dann hätte er mir das Ding um die Ohren gehauen und eine schlechte Note erteilt. Er hätte das damit begründet, wie man sich in einer explizit als fundierte Themenwoche ausgegebenen Veranstaltung erdreisten könne, das einzigartige Kernstück der lokalen Massenmorde komplett im Programm zu negieren. 

Obwohl die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz, die Süddeutsche Zeitung und der Bayerische Rundfunk das Malefizhaus als das grausame Alleinstellungsmerkmal der Bamberger Hexenverfolgung anerkennen, bringen es die so genannten hochkarätigen Aufklärer nicht fertig, dieses weltweit einmalige Foltergefängnis auch nur einmal im offiziellen Programm zu erwähnen. 

Soll das wieder der plumpe Versuch einer Zensur sein? Oder glauben ein paar wahrnehmungsgestörte Personen vielleicht sogar, dass sie mir "einen reinwürgen können", indem sie ihre eigene Aufklärungsoffensive zu einer traurigen Farce verkommen lassen? 

Der Youtube-Bildungskanal von Johannes Junius hat vergangene Woche die Eine-Million-Besucher-Marke überschritten. Das ist der eindeutige Beweis, dass das Thema die Menschen überall auf der Welt interessiert. Es handelt sich bei den Hexenverfolgungen schließlich um die größten nicht kriegsbedingten Massentötungen von Menschen. Und Bamberg war eine der absoluten Hochburgen dieses jahrelangen Wahnsinns. 

Zum Abschluss noch eine Sache: Mich persönlich stört es schon lange nicht mehr, wenn ich von Menschen zensiert werde, die meiner Meinung nach aus ihrem Job entfernt gehören. Der armselige Versuch, mit Guttenberg´scher Salami-Taktik die Bevölkerung zu verblöden, ist definitiv gescheitert. Was die persönlichen Angriffe auf meine Person angeht: Die sitze ich gerne bei Sonnenuntergang an einem einsamen Strand an der Westküste Fuerteventuras aus. 

Herzlichst

Ralph Kloos


PS

Unser mit langer Vorarbeit geplantes seriöses Museum in der Kirche in der Judenstrasse hat man uns ja leider sabotiert (Von wegen billige Effekthascherei und Gruseleffekte a la Hollywood oder Geisterbahn). 

Dafür eröffnen wir in wenigen Stunden das Virtuelle Museum zur Geschichte der katholischen Inquisition in Franken. Und ab Montag startet dann unser neuer Blog - wir laden Sie ganz herzlich dazu ein, die weitere Geschichte mit uns zu begleiten, denn wir sind die mit der GANZEN WAHRHEIT!

Wir bloggen weiter - ab sofort auf:


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo,

könnten Sie bitte noch einen link zu dem neuen Blog hier einfügen

Vielen Dank
Gruß
N.W.