Mittwoch, 9. März 2016

SPOTLIGHT - Boston und / oder Bamberg - Die Blaupause


Wird der beste Film des Jahres auch in Deutschland zum Ende der Vertuschung führen? 

Ob es nun wirklich an dem preisgekrönten Film von Thomas McCarthy liegt, kann man nicht zuverlässig sagen, aber da dieser Film schon am 6. November 2015 in die US-Kinos kam, liegt der Verdacht auf der Hand.

Wie in der filmischen Vorlage ereigneten sich auch in Deutschland hunderte von Fällen, in denen sich pädophile Geistliche (meistens Angehörige der katholischen Religion) jugendliche Opfer in den Reihen von Internaten, Schulen und dergleichen suchten und missbrauchten.

Wie in „SPOTLIGHT“ liegen diese Fälle von Kindesmißbrauch meistens Jahre bzw. Jahrzehnte zurück und viele der Täter sind bereits verstorben oder in Pension. Deshalb ist eine juristische Strafverfolgung in den meisten der Fällen nicht mehr möglich.

Aber jetzt geht es um die Opfer - meistens männlich - die großteils noch am Leben sind und die mit Erinnerungen leben müssen, die sie teilweise schon seit langer Zeit verdrängt hatten.

Und es geht vor allem um die Frage, in welchem Ausmaß und warum die kirchlichen Behörden niemals zu einer bedingungslosen und vollständigen Aufklärung der Verbrechen bereit waren. Es wurde prinzipiell immer nur das zugegeben, was man auf Grund der Aktenlage, bzw. Beweise nicht mehr abstreiten konnte.

Auch die Presse hat versagt, denn oftmals wurden die Aussagen von Opfern in Frage gestellt, anstelle die Täter zu verhören. Generell wurde offensichtlich immer zuerst den Tätern geglaubt und die Opfer wurden durch diese Haltung ein weiteres Mal verhöhnt und verletzt. Selbst offizielle Anzeigen der Opfer wurden oftmals negiert - im Film SPOTLIGHT, wie im reellen Leben. 

Doch jetzt kommt Bewegung in die Angelegenheit.

Ein großer deutscher öffentlich-rechtlicher Fernsehsender hat eine nationale Investigativ-Sondereinheit gegründet, die sich landesweit mit den Vorwürfen beschäftigen wird, die man bis dato nicht oder unzureichend untersucht hat. 

Erstmals werden Journalisten, die keinerlei örtlichen Bezug zum lokalen Klerus haben, recherchieren. Das minimiert die Gefahr, dass diese Journalisten einen Erzbischof interviewen, den sie im Tagesgeschäft wegen anderen Angelegenheiten befragen müssen.

Das ist mMn neu in Deutschland … da hat sich das wahre Leben erstaunlicherweise an Hollywood orientiert …

Ausschlaggebend für diesen Schritt war anscheinend die kürzliche Aufdeckung von mindestens 231 Fällen, die sich in den Reihen der Regensburger Domspatzen ereigneten ( aktuell sind es schon mehr als 700 Anzeigen ) … und das sechs Jahre nachdem die katholische Kirche angeblich TABULA RASA in den eigenen Reihen gemacht hatte und alle Fälle angeblich aufgeklärt wurden.

Umso erfreulicher ist es, dass das schwierige Thema nun erneut aufgenommen wird.

Kommen wir jetzt nach Bamberg: Die lokale „juristische Sachlage“ sind lediglich die sechs Fälle, die dem ehemaligen Domkapitular und Leiter des Ottonianums Otto Münkemer im Jahr 2010 angelastet wurden. Dieser lebt mittlerweile in Pension und damit war der Tatbestand Missbrauch von Kindern in der Domstadt mit den sieben Hügeln nach Außen erledigt.

Weiterhin vertuscht wurden und werden immer noch die Fälle - wir behaupten, dass es sich im hunderte von Taten handelt - die sich während der Amtszeit von Präses Dr. Dr. Theodor Kehrbach und Direktor Seifried im Aufsessianum ereignet hatten.

Allein bei der Ferienfreizeit im Jahr 1970 wurden alle teilnehmenden Kinder (etwa 30 bis 40) einer „manuellen Geschlechtskontrolle“ vom Präses Dr. Dr. Kehrbach unterzogen. Auch die Sportveranstaltungen im Aufsessianum liefen immer nach dem gleichen Schema ab: alle Kinder wurden nach dem Sport zum Duschen - natürlich nackt - geschickt und der Präses duschte ebenfalls mit seinen „kleinen Wackern“ oder auch „den Nacktfröschen“, wie er sie gerne nannte - ganz natürlich duschte er ebenfalls nackt.

In einer Stadt, in der es nur ein einziges Leitmedium gibt, an dem die katholische Kirche, wie in Bamberg auch noch Anteilseigner ist, arbeiten nur Journalisten, die man als handverlesen oder als handzahm bezeichnen darf. Von ihnen ist erst dann Hilfe zu erwarten, wenn bereits eine landesweite DPA-Meldung zum Thema aus dem Ticker gelaufen ist. 

Es war innerhalb unserer Schule, bzw. in Bamberger Insiderkreisen immer ein offenes Geheimnis, dass es in jedem dieser Internate Geistliche gab, die sexuelle Handlungen untereinander und/oder mit einigen Schülern vollzogen … und das über Jahre hinweg. Das waren mit Sicherheit keine Einzelfälle - sondern systematische Mißbrauchshandlungen, die innerhalb der Internatsleitung unmöglich unbekannt sein konnten

Allein im Fall der Ferienfreizeit Oberitalien im Jahr 1970 waren ALLE TEILNEHMER zur Privatinspektion ihrer Geschlechtsteile allein mit dem Präses in einem Zimmer … deshalb gibt es ja allein aus dieser Aussage „einen ganzen Schulbus voller Opfer“. Diese Ferienfreizeiten wurden darüber hinaus jedes Jahr veranstaltet  … 

Ich war wegen meiner evangelischen Religionszugehörigkeit wahrscheinlich der einzige „Nicht-Katholik“ der jemals an so einer Ferienfreizeit teilgenommen hat …  

Wir hoffen, dass sich nun auch die Opfer melden, die bis dato niemals den Mut hatten, sich der Öffentlichkeit anzuvertrauen. Es geht in erster Linie um männliche Opfer - Alter zwischen 40 und 65 Jahre - bitte sehen Sie sich SPOTLIGHT im Kino an - und entscheiden Sie danach, ob Sie sich melden.

Was nun in den kommenden Monaten ans Tageslicht kommen wird .. man darf gespannt sein.

Keine Kommentare: