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Donnerstag, 26. März 2015

Zeit für eine kleine Anekdote

Immer wieder gerne fantasieren ein paar der Hardcore-Bamberger davon, dass seit 180 Jahren jedem interessierten Bürger jederzeit freier Zugang zu den Akten ermöglicht wird … 


Als ich im Jahr 2008 - nach telefonischer Voranmeldung - Einsicht in den historischen Aktenbestand der Staatsbibliothek Bamberg nehmen wollte, kam der Leiter dieser Institution wutschnaubend aus seinem Büro und redete in etwa 20 geschlagene Minuten auf mich ein: Der von ihm verwendete Tenor war eindeutig feindlich, denn er warf mir schon kurz nach der Begrüßung „ehrenrühriges Verhalten vor“, weil wir es gewagt hatten, den „Juniusbrief“ von einem professionellen Sprecher vertonen zu lassen und einen animierten Film dazu auf YOUTUBE einzustellen. 

Vollkommen aus dem Häuschen geriet dieser Mann dann aber wegen der vier Seiten Juniusbrief, den wir als Fotographien auf unserer Website www.malefiz-haus.de eingestellt hatten. Diese Fotos wurden in der Amtszeit seines Vorgängers in der Staatsbibliothek angefertigt und gehörten deshalb nicht zum Bestand der Bibliothek - es waren eindeutig Privataufnahmen - und selbstredend habe ich mich geweigert, seinem abstrusen Wunsch nachzukommen und habe die Daten auf unserer Website belassen. 

An die angeforderten Akten lies man mich auch erst dann, als ich damit drohte den zuständigen Redakteur der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über die hiesige Art der Vertuschung zu informieren, denn schliesslich war ich nur aus einem Grund nach Bamberg gekommen: um im Namen der DEUTSCHEN STIFTUNG DENKMALSSCHUTZ einen Vortrag über das Malefizhaus abzuhalten. 

Jetzt können Sie gerne denken, dass es sich hierbei um einen bedauerlichen Einzelfall handeln könnte …

Dann konfrontiere ich Sie jetzt mit der Aussage des TV-Redakteurs Michael Wandt vom Bayerischen Fernsehen, der mir gerne erlaubt hat, seine Worte aus dem Jahr 2012 zu zitieren: „In 20 Jahren Recherche-Arbeit für den BR war es ihm noch niemals passiert, dass man ihm verboten hatte „gewisse historische Akten“ zu filmen - ausser in der Staatsbibliothek Bamberg“. Im konkreten Fall musste ein Ressortleiter des BR telefonisch auf die „Herausgabe der Akten“ bestehen … und man kann nur Danke sagen an den BR, denn gerade die erste Sendung zum Thema mit Pfarrer Hegeler war der sogenannte Durchbruch für die öffentliche Aufklärung in Bamberg. 

Doch es kommt noch besser, denn im Jahr 2013 habe ich in der alten Hofhaltung die Bestseller-Autorin Sabine Weigand kennen gelernt, anlässlich der Dreharbeiten zu „Die Seelen im Feuer“.

An einem der Orte in Bamberg, in denen man quasi „knietief“ im Blut der Opfer steht, entwickelte sich ein hochinteressantes Gespräch über das Buch und dessen aktuelle Verfilmung. Nicht wirklich überrascht war ich dann von ihrer persönlichen Episode mit besagtem Leiter der „Staatsbibi“: selbst der promovierten Historikerin Sabine Weigand wurde die Akteneinsicht bei ihrem ersten Besuch nachdrücklich verweigert. Autsch

Frau Weigand musste also unverrichteter Dinge wieder nach Nürnberg fahren - dort ihren Verlag anrufen, der dann wiederum das Kultusministerium in München einschaltete … und schon in paar Tage später durfte sie dann endlich an den einzigartigen Aktenbestand im Archiv. 

Unter Umständen verstehen Sie als Leser jetzt auch einen Satz im Buch von Frau Weigand erst richtig, den sie in der Beschreibung des männlichen Protagonisten verwendet hat: „Die Rückständigkeit Bambergs war ihm zuwider.“

Frau Weigand ist eine anerkannte Historikerin, die für ihre akribische Recherchen bekannt ist. Deshalb ist dieser Satz eindeutig zweideutig, denn mit dem Malefizhaus, seinen neuen Foltermethoden und dem Hexenofen in Zeil am Main war der Fuchs von Dornheim ein weit gereister Herrscher mit zwei akademischen Titeln, der alles andere als ein rückständiger Hinterwäldler war. Er hatte - ohne zu übertreiben - die modernsten Tötungsmaschinen Europas entwickeln lassen, die teilweise selbst nach heutigen Massstäben als „ökologische Installationen“ gepriesen werden würden, denn der Ofen wurde nur aus einem Grund erfunden und realisiert: um teures Brennholz zu sparen, denn eine Hexenleiche galt erst dann als komplett verbrannt, wenn nur noch Asche und Staub übrig blieben …

Insofern darf man die besagte Textpassage durchaus als unmissverständlichen Wink mit dem Zaunpfahl interpretieren … dann verdankt der meist gelesene historische Bestsellerroman über Bamberg diese kleine Anekdote der Verbohrtheit eines fehlgeleiteten "Rumpelstilzchens" und genau wie das neue Hexenmahnmal handelt es sich hier um eine dauerhafte Qualifizierung und nicht um den „sprichwörtlichen Pickel am Arsch der Geschichte, der eines Tages ganz von alleine wieder verschwindet“… Nein - der Text bleibt für immer in diesem Buch und das Mahnmal für die ca. 1000 Opfer wird auch noch spätere Generationen zum Nachdenken anregen …

Da ist es schon fast nebensächlich, dass auch die Historikerin Birke Grieshammer bereits im Jahr 1985 am Zugang zu den Datensätzen gehindert wurde, denn damals war ja noch der Vorgänger des heutigen Bibliotheksleiters im Amt. 

Das es auch eindeutig weltoffener geht - sogar in Bamberg - beweisen eindrucksvoll andere öffentliche Beamte im Staatsarchiv und im Stadtarchiv, die sich nicht nur wirklich bemüht haben, sondern bei denen man sogar mich zu einem netten Gespräch inklusive Kaffee eingeladen hat …“


Dies ist ein Auszug aus einer neuen Publikation, die voraussichtlich ab Juli 2015 vorbestellt werden kann … Namen verrate ich noch nicht .. .:) 

Montag, 16. März 2015

"Eine Zensur findet in Bamberg nicht statt ... wir gehen ehrlich mit dem schwierigen Thema um."

Immer wieder bekomme ich Mails von Leuten, die es nicht glauben können, was sich in meiner kleinen Heimatstadt abspielt: Diese Menschen wollen wissen, wie sich das Projekt HEXENBRENNER-MUSEUM entwickelt hat … wann es los ging und vor allem: wie sich die aktuelle Situation nach dem ZDF-Themenabend (2. März) darstellt?

Der Einfachheit halber haben wir die gesamten „Events“ die sich während den letzten Jahren ereignet haben, in der folgenden Grafik aufgearbeitet.

Sollten wir ein Event „vergessen haben“ - dann sagen Sie uns bitte Bescheid - wir werden das dann kurzzeitig prüfen und gegebenenfalls ausbessern - bzw. erweitern.

Begonnen hat die „heisse Phase“ mit unserer Entdeckung des Kupferstiches aus dem Jahr 1628 -  das war im Mai 2005. Dann haben wir das Malefiz-Gebäude insgesamt 5 mal digital rekonstruiert und das Ergebnis im Oktober 2007 dem neugewählten Bürgermeister Andreas Starke persönlich vorgestellt. 

Seit dieser Zeit existiert bereits ein BLOG, der die gesamte Entwicklung des Projektes chronologisch begleitet. (malefiz.blogspot.com.es).

Wir stellen diese Daten deshalb zur Diskussion, weil wir öffentlich fragen, welche Daseinsberechtigung ein lokales Printmedium hat, dass zu den größten Verbrechen, die sich in dieser Stadt jemals ereignet haben, nicht einmal eine eigene Meinung hat.

Am 2. März 2015 war Bamberg eine sprichwörtliche Geisterstadt: Man hätte „den Asphalt von den Strassen stehlen können“, denn die gesamte Stadt war während der Ausstrahlung von Film und Doku eine sprichwörtliche „Geisterstadt“: Niemand war auf den Strassen zu sehen und selbst die meisten Kneipen waren menschenleer - ganz Bamberg hat diesen Themenabend regelrecht „aufgesaugt“.

Das lokale „Leitmedium“ hat erneut entschieden, keine eigene Meinung zu diesem Themenabend abzuliefern: dadurch werden Leserbriefe und eine weitere öffentliche Diskussion komplett ausgehebelt obwohl es in Bamberg nach dem ZDF-Themenabend tagelang nur noch EIN EINZIGES THEMA gab.

Die vielzitierte JOURNALISTISCHE SORGFALTSPFLICHT wird durch die Themenverweigerung des FT (und Radio Bamberg) massiv verletzt. Eine Standard-Vorankündigung abzudrucken langt definitiv nicht aus bei einem Thema, dass bis zum Jahr 2008 komplett in-existent war - sprich vertuscht wurde. 

Die Journalisten und die Chefetage, die diese Entscheidungen getroffen haben, sollten sich mMn in Grund und Boden schämen.


Die nachfolgenden Links führen Sie zu Film-Rezensionen anderer Medienunternehmen. 








Donnerstag, 5. März 2015

Mehr als 4000 Leser in 24 Stunden ... Wir danken Euch



Liebe Leser 

auch ich musste ja erst einmal die SEELEN IM FEUER „verdauen“ - ich habe das Buch ja schon 2008 als Vorabversion gelesen - und habe das vorhin mit einer Stunde „Kommentare-Lesen“ getan: Bis auch wenige Dauermeckerer (Billigfilm), christliche Hardliner und ein paar Hyper-Esotheriker (musste ausschalten - konnte das nervlich nicht verkraften) ist der generelle Duktus der Kritiken eindeutig extrem positiv und oftmals wird auch der aktuelle Vergleich gezogen mit ISIS und Nazis …  und genau das zeigt mir, das dieser Film wirklich bahnbrechend für die weitere, aktuelle Aufklärungskampagne sein wird.

Da ich selber schon an einigen Filmproduktionen mitgewirkt habe (zuletzt: EXODUS von Ridley Scott) glaube ich zu wissen, was man für kleine Budgets realisieren kann und deshalb beschwere ich mich keine Sekunde über das im Film dargestellte Malefizhaus - ein realistischerer Kulissen-Nachbau wäre wohl einfach zuu teuer gewesen - aber natürlich: es sah komplett anders aus, als dargestellt … 

Allerdings weiss ich aus eigener Erfahrung, dass man ja eigentlich doch genau wissen möchte, wie dieses Horror-Gefängnis in Wirklichkeit ausgesehen hat. Eines muss klar sein: als kirchlicher Neubau war das prunkvolle Sandsteingebäude nicht nur kostspielig verziert (mit Justizia über dem Portal und zwei Kapellen, etc.) und mit den modernsten Gerätschaften ausgestattet, sondern eben auch „brandneu“ - zumindest am Anfang - denn Johannes Junius wurde ja bereits 1628 eingekerkert und verbrannt. 

Wenn man jetzt die Handlungen des Films in unsere digitale Rekonstruktion „transferiert“, wird es mit Sicherheit NOCH SPANNENDER - die Enge, der Gestank, die Angst, die Dunkelheit - die zwangsweise Verabreichung von Weihwasser - etc. etc. das alles wird noch existenter, wenn man sich die Realität der wahren Folterkammer des Malefizhauses verdeutlicht. 

Noch bis zum Montag 9. März kann jederman den Film SEELEN IM FEUER  und die Dokumentation HEXENWAHN in der ZDF-MEDIATHEK finden. 

Eine weitere TV-Ausstrahlung findet dann am kommenden Sonntag Abend 21:55 Uhr- auf ZDF-NEO statt.

Und jetzt noch ein kleines Schmankerl für alle Leser des Romans SEELEN IM FEUER, denn die haben wahrscheinlich auch auf diesen Teil der authentischen Geschichte gewartet … das traurige Schicksal der 22-jährigen Dorothea Flock in einer kurzen 7 Minuten-Doku.



Alles weitere finden Sie auf HEXENBRENNER.com 

und was den Vorwurf der aktuellen Zensur betrifft … den dazugehörigen Post haben in den letzten 24 Stunden mehr als 4000 User gelesen ! - Wow - und danke dafür. 

Dienstag, 3. März 2015

Knietief im Blut


Autoren:        Sabine Weigand    /    Ralph Kloos      "Alte Hofhaltung 2013"


Kritik zum ZDF-Themenabend Hexenverfolgung in Bamberg mit der Romanverfilmung „SEELEN IM FEUER“ und der Dokumentation „HEXENWAHN“ am 2. März 2015. 

In Wirklichkeit war alles leider noch viel viel schlimmer …

Es liegt in der Natur unserer empathischen Gefühlswelt, dass wir echtes Mitleid mit den ca. 1000 unschuldigen Opfern fühlen, die damals einfach das Pech hatten, in die kranken Mühlen des christlichen Hexenwahns zu geraten. Da leistet die Romanverfilmung von Sabine Weigand ziemlich perfekte Arbeit, denn bis dato waren HEXEN wohl für die meisten Menschen eher mystische Fantasiefiguren aus der Feder der Gebrüder Grimm und Co.

Erst jetzt sahen viele Bamberger wohl auch zum ersten Mal und in epischem HD, welcher brutale Irrsinn sich wirklich im 17ten Jahrhundert innerhalb der Mauern unserer idyllischen Heimatstadt ereignet hat … 

Eine mir unbekannte Dame, die ich 2013 dort getroffen habe, sprach nach der Lektüre des Romans den Satz aus, der seit gestern Abend selbst den größten Fans dieser Stadt über die Lippen kommen könnte: Ich sehe Bamberg jetzt mit ganz anderen Augen. Nebenbei bemerkt ist der Roman von Frau Weigand noch einen ganzen Zacken besser als die aktuelle Verfilmung - aber das ist ja öfters der Fall - trotzdem hat mir der Film sehr gut gefallen.

Europaweit existierten zu jener Zeit die widerlichsten Auswüchse menschenverachtender Foltermethoden - doch die Bamberger Folterknechte legten noch ein paar eigene Perversitäten „oben drauf“. Eine ausführliche Demonstration dieser Methoden kann man wirklich keinem Zuschauer zumuten, denn „das Reissen der nackten Brüste mit glühenden Zangen“ (bis zu 15 Mal), das „Brennen mit der Schwefelfeder“ oder auch das Abbrennen des Haupthaares mit Alkohol sind mit Sicherheit zu abartig, um sie im TV zu zeigen. Trotzdem sind all diese schriftlich fest gehaltenen Brutalitäten in drei lokalen Archiven gesichert und somit genauso real, wie der berühmte Junius-Brief, den wir bereits im Jahr 2008 öffentlich auf unserer Website präsentiert haben.

Das ZDF hat mMn wirklich großen Mut bewiesen, dieses unbequeme und unschöne Thema zur Primetime zu senden, auch wenn es vor allem an der nachfolgenden Dokumentation einige Details zu berichtigen gibt.

Dennoch: „Seelen im Feuer“ lässt bei vielen Menschen definitiv die Frage aufkommen: Warum wurde dieser offensichtlich historische Stoff erst im Jahr 2013 verfilmt und warum wusste bis zum Jahr 2008 noch nicht einmal die Bamberger Bürgerschaft, was für ein einmaliger und abscheulicher Massenmord sich real in den Mauern ihrer wunderschönen Stadt abgespielt hat? Wie konnten diese abartigen Verbrechen so lange erfolgreich unter den Tisch gekehrt werden? Und wer ist dafür verantwortlich?

Dazu muss man wissen, das unser Team bereits im Jahr 2008 für die Deutsche Stiftung Denkmalsschutz „in den Ring gestiegen ist“ und das Malefizhaus am „Tag des offenen Denkmals“ vor etwa 450 Besuchern präsentiert hatte.


Wir wurden im Vorfeld und nach dieser einmaligen Veranstaltung von der Stadt und der Presse mehrmals gemobbt, verleugnet, zensiert, belogen, belächelt, beleidigt und sogar mit der Polizei bedroht, weil wir es gewagt hatten, einen offenen Brief an den damaligen Chefredakteur der einzigen Tageszeitung zu schreiben …  und trotzdem haben wir bis heute niemals aufgegeben - denn es geht uns auch insbesondere um die Ehre und die moralisch-ethische Rehabilitation der unschuldigen Opfer, die man in Bamberg - sie werden es nicht glauben - bereits zwei Mal im Kultursenat abgeschmettert hat - Dafür werden im Welterbe frevelhaft-korrupte Bauvorhaben abgewickelt, bei denen - schwuppdiwupp - einfach einmal 12 (zwölf) laufende Meter der alten historischen Sandstein-Stadtmauer illegal und insgeheim abgetragen werden (Zentralsaal-Neubau) -  trotz UNESCO-WELT-KULTURERBE-STATUS. 

Erst im Jahr 2012 hat die Stadt Bamberg zumindest ansatzweise reagiert, aber was soll schon dabei herauskommen, wenn man eine Kommission aus "Spezialisten" einberuft, die jahrelang „Ihr Bestes“ gegeben haben, um die perversen Grausamkeiten so gut es eben ging, zu vertuschen? Die einzigartige Ikone des lokalen Hexenwahns war zweifellos der prunkvolle Neubau namens Malefizhaus (dazu gehört auch der Hexenofen in Zeil), denn das Phänomen der Verfolgung hatte ganz Europa wie ein unsichtbarer Virus verseucht … doch nur im Hochstift von Bamberg wurden die Hexen dermassen kreativ und stolz mit einer hochmodernen und nagelneuen Tötungsmaschine „abgearbeitet“.

Trotzdem war der ZDF-Thementag ein sehr erfreuliches Ereignis für mich, mein kleines Team und all die Menschen, die uns auf dem langen Weg aktiv seit 2008 begleitet, unterstützt und geholfen haben.

Wirklich ernst gemeinte Hilfe hat es in der „Bildungsstadt Bamberg“ für uns niemals gegeben … von keiner Institution … dafür hat man unsere konkreten Museumspläne in den Jahren 2011 und 2013 erfolgreich torpediert … 

In dieser Stadt kann jedes Problem gemeinsam weggesoffen werden - das klappt im „Schrein des Grauens“ einfach immer - da ist es auch egal, wenn gewisse Schlipsträger entgegen eigener Lippenbekenntnisse dreist und unverfroren ihre zahlenden Gäste belügen und damit jedes Jahr ca. 2 Millionen Touristen um die wichtigste Geschichte der Stadt Bamberg betrügen …

Zur Dokumentation HEXENWAHN hätte ich dann noch Folgendes anzumerken: 
Der 14jährige Hänschen Morhaubt wurde im Jahr 1627 verbrannt - bis zu diesem Zeitpunkt hatte man in Bamberg und Zeil bereits mehr als 500 Menschen „zur Seelenreinigung ins Feuer geschickt“. Die Verbrennungen fingen also auf keinen Fall mit seinem Tode an …
Die erste „Bamberger Hexe“ wurde bereits im Jahr 1595 vor Ort verbrannt (Margareta Böhmerin) - und nicht, wie behauptet, in Zeil. Insgesamt wurden in Zeil am Main etwa 400 - in Bamberg ca. 600 Hexen verbrannt. Zeil war quasi das „Vernichtungslager“ von Bamberg.
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Ganz so abhängig, wie dargestellt, war der Fuchs von Dornheim nicht von seinem Generalvikar Förner, denn bereits 10 Tage nach dessen Tod am 5. Dezember 1630, wurden in Bamberg und Zeil jeweils eine Hexe verbrannt.
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Es ist richtig, dass der kaiserliche RHR in Wien die Prozesse in Bamberg am Liebsten beenden wollte … Allein, dem Hexenbrenner Fuchs von Dornheim war das anscheinend ziemlich - verzeihen Sie mir die Wortwahl - scheissegal. Zuerst liess er einen Großteil der von Wien angeforderten Prozessakten einfach „neu schreiben“, was durch wissenschaftliche Tintenanalysen bestätigt werden konnte, und dann wusste er ganz genau, dass ihm „nichts Großartiges“ passieren konnte - schliesslich war Krieg im Heiligen Römischen Reich Deutscher Länder und der Fuchs von Dornheim stellte dem kaiserlichen Heer jede Menge Truppen zur Verfügung. Die letzten 10 Insassen des Malefizhauses wurden dann auch erst am Tag vor dem Einmarsch der schwedischen Armee im Februar 1632 aus dem berüchtigten Hexengefängnis entlassen. Am selben Tag flüchtete der Hexenbischof über Forchheim nach Wien und Kärnten unter Mitnahme des gesamten Domschatzes.
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Die Opferzahlen, die Herr Professor Behringer seit Jahren publiziert, sind spätestens seit der kürzlichen Wiederentdeckung der „Flamersheimer Hexenprotokolle“ in den USA vor wenigen Monaten leider ziemlich „OUTDATET“ und damit FALSCH, denn seit diesem Fund spricht selbst die katholische Kirche in ihren eigenen Medien von mindestens 60.000 Opfern, die es alleine in Deutschland gegeben haben soll!
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Bei der Auswahl der präsentierten Opferschicksale habe ich auch so meine Probleme, denn selbst wenn die Episode der geschundenen Wirtin Barbara Schwarz wirklich dramatisch und einzigartig ist, so ist ihre Gewichtung im Vergleich zu dem Mord am höchsten deutschen Beamten - dem Kanzler Dr. Georg Haan - einfach nur marginal. Der Kanzler und seine gesamte Familie wurden allesamt und nacheinander in kurzer Zeit verbrannt und ihr Grundstück konfisziert. Damit war selbst für den letzten Bamberger Bürger ersichtlich, dass es nach diesem Justizmord keinerlei Grenzen mehr für die Hexenkommissare geben würde.
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Jetzt komme ich zum wirklich „heiklen Thema“ und ich habe erst mehrere Journalisten gefragt, ob ich dieses Problem evtl. etwas „zu eng sehe“ … aber man hat mich durchaus positiv bestärkt und so stelle ich ganz einfach folgende öffentliche Frage: Wie sehen es die Leser dieses Blogs, wenn es das ZDF, als eines der wichtigsten Deutschen Leitmedien, ablehnt (ich habe zweimal freundlich schriftlich interveniert) den Verbrennungsofen in Zeil am Main, der zweifelsfrei existiert und funktioniert hat, im Rahmen der gestern Abend gesendeten Dokumentation zu präsentieren? 
In jedem anderen Land der Welt würde ich nonchalant über diesen kleinen Fauxpas hinwegsehen … aber als Deutscher habe ich im Zusammenhang mit Verbrennungsöfen und Vernichtungslagern (nichts anderes passierte in Zeil) einen seltsamen Nachgeschmack, der mich irritiert hat und auf den ich meine Vertragspartner beim ZDF selbstverständlich schriftlich und mit Nachdruck im Vorfeld hingewiesen habe. Die aufgeführten Zitate zu diesem Ofen stammen von Rolf Hochhuth und Karlheinz Deschner; ich habe sie lediglich verwendet.

Eines noch: Nachdem jetzt klar sein sollte, was - zumindest im Ansatz - in diesen schrecklichen Zeiten im Namen Gottes in den Folterkammern der Inquisition passierte - stellen Sie sich doch einfach mal vor, Sie müssten sich unter folgenden imaginären Szenarien für Eines davon zwingend entscheiden: Sie wären dann wahlweise ein Gefangener von GESTAPO, ISIS, CIA oder der katholischen Inquisition und warten auf ihre bevorstehende Hinrichtung nach „Art des Hauses“ … 
Also ich wüsste zumindest ganz genau, „für was ich mich NICHT ENTSCHEIDEN WÜRDE … - was meinen Sie?“

Fazit: Im Frühsommer 2015 soll am Schloss Geyerswörth ein abstraktes Mahnmal für die Opfer des lokalen Hexenwahns aufgestellt werden .. und einige der Schlipsträger, die immer rigoros gegen eine lückenlose Aufklärung waren, werden sich dann garantiert im Scheinwerferlicht der Kameras räkeln und großspurig ihre Lügen zum Thema verzapfen … 
von wegen „hier wurde ja niemals etwas vertuscht“.

In der selbst ausgerufenen „Traumstadt der Deutschen“ übernachten jedes Jahr mindestens 500.000 Touristen. Wie viel Prozent hatten ihrer Meinung nach bis dato eine realistische Chance zu erfahren, was auf Bamberger Grund und Boden damals wirklich passierte ? Ich behaupte, wir reden hier von Promille-Werten und erst wenn sich dieser Zustand eines Tages ändert und an der Bamberger Autobahnausfahrt ein ähnliches Schild steht, wie seit zwei Jahren in Zeil am Main, erst dann ist die immer noch bestehende Vertuschung auch wirklich vorbei - und keine Minute früher.

Wir versprechen Ihnen, dass Sie nirgendwo mehr verifizierte Informationen über die damaligen Hexenverbrennungen finden werden, als im virtuellen Hexenbrenner-Museum oder in unseren Büchern… Darauf gebe ich Ihnen mein Wort. 

Momentan ist dieses Angebot bereits in Deutsch und Englisch erhältlich … weitere Sprachen werden in Zukunft folgen.

PS.: Wie Sie in der rechten Leiste sehen, ist dieser Blog bereits seit 2007 aktiv ... Klicken Sie doch mal rein, wenn Sie die Entwicklung dieses Themas von Anfang an nachlesen möchten.

Montag, 27. Oktober 2014

Stadt Schleswig und Dortmund haben rehabilitiert ...



Eine weitere Deutsche Stadt hat die 38 Opfer, die während der lokalen Hexenprozesse dort lebendig verbrannt wurden, heute offiziell moralisch-ethisch rehabilitiert.

Damit ist die Stadt Schleswig (ca. 25.000 Einwohner) die dreißigste Stadt in Deutschland, die öffentlich dazu steht, dass in den Grenzen ihrer Stadt ein fürchterliches Unrecht geschehen ist.

Bin gespannt, wann die Stadt Bamberg diesen längst überflüssigen Akt der Aufarbeitung gehen wird … bis dato wurde diese Geste der Menschlichkeit bereits bei zwei Gelegenheiten mehrheitlich im Kultursenat abgelehnt -- obwohl Bamberg seit 1993 UNESCO-Welterbe ist und ca. 1000 Menschen in dieser Stadt verurteilt und dann in Zeil und Bamberg verbrannt wurden …

1 1993 Winterberg/ NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche 6 Opfer
2 1996 Idstein/ Hessen 1 Opfer
3 2002 Kammerstein, 2003 Kammerstein - Barthelmesaurach 1 Opfer
4 2007 Eschwege/ Hessen, Stadt und ev. Kirche 2 Opfer
5 2008 Fulda/ Hessen 250 Opfer
6 2010 Hofheim a.T./ Hessen 11 Opfer
7 2011 Rüthen/ NRW 59 Opfer (169 ?? )
8 2011 Hilchenbach/ NRW 18 Opfer
9 2011 Hallenberg/ NRW 43 Opfer
10 2011 Sundern/ NRW 1 Opfer
11 2011 Menden/ NRW 89 Opfer
12 2011 Werl/ NRW 73 Opfer
13 2011 Suhl/ Thüringen 72 Opfer
14 2012 Bad Homburg/ Hessen 76 Opfer
15 2012 Detmold/ NRW 21 Opfer
16 2012 Lemgo/ NRW (und 1992) 200 Opfer
17 2012 Rheinbach/ NRW 70 Opfer
18 2012 Köln/ NRW 33 Opfer
19 2012 Meiningen/ Thüringen 86 Opfer
20 2012 Osnabrück/ Niedersachsen 250 Opfer
21 2012 Büdingen/ Hessen 400 Opfer
22 2013 Soest/ NRW 67 Opfer
23 2013 Freudenberg/ NRW 18 Opfer (oder 23 )
24 2013 Rehburg-Loccum Niedersachen 33 Opfer
25 2013 Lutherstadt Wittenberg/ Sachsen-Anhalt 21 Opfer
26 2013 Datteln/ NRW 130 Opfer
27 2014 Horn-Bad Meinberg/ NRW 47 Opfer
28 2014 Trier/ Rheinland-Pfalz. 400 Opfer
29 2014 Dortmund 25 Opfer
30 2014 Stadt Schleswig 38 Opfer

Freitag, 10. Oktober 2014

Die Wunden der Anderen





Zuerst die Gute Nachricht: mit einjähriger Verspätung wurden heute die Gewinner des Kunstwettbewerbs zur Gestaltung eines „Hexenmahnmals“ in Bamberg nominiert: Miriam Giessler und Hubert Sandmann, ein Künstlerpaar aus Essen haben ihre 184 Konkurrenten aus dem Feld geschlagen - kassieren jetzt 40.000 € und werden mit ihrem Entwurf „bis ans Ende aller Tage“ an die Massenmorde der katholischen Kirche in Bamberg und Zeil erinnern.

Das ist prinzipiell eine richtig gute Nachricht, denn abgesehen davon, dass die Idee „nur“ ca. 9 Jahre bis zu ihrer Verwirklichung benötigte, sollte vielleicht erst einmal die Urheberschaft dieses Kunstwerkes klipp und klar benannt werden.

Nein - wir waren das nicht, denn als wir 2008 das Malefiz Haus der Öffentlichkeit vorgestellt haben, kannten wir diese Forderung bereits, denn sie stammt originär vom ehemaligen evangelischen Pfarrer von St. Stephan, Dieter Potzel. Da dieser aber vor Jahren schon zu „einer anderen Sekte“ konvertiert ist (Freie Christen) wurde dieser Mann noch gnadenloser gemobbt und verleugnet als wir.

Trotzdem vielen und aufrichtigen Dank an die Mitglieder des Bürgervereins Mitte, die diese Idee von Dieter Potzel dann im Jahr 2012 aufgegriffen haben und jetzt wirklich ein Mahnmal für die etwa 1000 gefolterten und verbrannten „Hexen und Zauber des 17ten Jahrhunderts“ realisieren. Chapeau.

Zum Standort

Seit wann wird das Mahnmal eines Massenmordes am Wohnort der Täter aufgestellt?

Nein - und da zitieren wir gerne und mit seiner Genehmigung den Bamberger Mundartpoeten "Gerhard C. Krischker", der dazu sagt: "Das wäre ja dasselbe, als wenn man ein Judendenkmal auf die Reste der alten Reichskanzlei in Berlin bauen würde!" Punkt. Besser kann man es nicht erklären.

Aber es kann ja später immer noch umziehen … das Kunstwerk.

Zum Entwurf

Es gibt in Bamberg bereits eine negativ Säule auf dem Domberg; erschaffen vom 1939 geborenen deutschstämmigen israelischen Künstler Micha Ullmann, der seine Wurzeln in Bamberg hat. Diese in den Boden gehende Säule ist nächst der 1775 abgebrochenen Tattermannsäule errichtet. Diese Säule symbolisierte den Nabel der Welt. Sie sehen es auf jedem Foto des Domplatzes! Wenn Sie dann trotzdem NIX sehen, liegt es daran, dass die Kunst nur im Untergrund statt findet. Ausserdem ist die Glasscheibe oftmals mit Tau beschlagen und man sieht noch weniger.

Zurück zum Hexendenkmal

Die im aktuellen Entwurf gezeigte Beleuchtung wird an einem strahlenden Sommertag wohl kaum zu sehen sein - und nachts sind ja generell sehr viel weniger Menschen und vor allem Touristen unterwegs … es besteht also zu befürchten, dass man „dieses Mahnmal schon suchen muss“, um es auch zu finden. Es springt nicht „so richtig ins Auge“.

Betrachten wir nun das offizielle Presse-Foto von heute …





Links sehen wir die beiden Künstler: An ihrem „freudigen Gesichtsausdruck“ sieht man ihnen geradezu an, dass sie gerade eine Ausschreibung mit ausgelobten 40 Tsd € gewonnen haben. Sie wirken statt dessen eher „staatstragend“ und sind sich offensichtlich dem Gewicht ihrer Arbeit bewusst, denn schliesslich geht es bei ihrer Denkmals-Kunst ja um ca. 1000 getötete Menschen.

Auf der anderen Seite sieht man eine erleichtert lachende Frau Sauer, die einfach nur eine „ehrliche Haut ist“ - meinen vollsten Respekt hat und garantiert froh ist, dass es zumindest bei der Objektfindung eine demokratische Entscheidung gegeben hat. Sie haben einen tollen Job gemacht Frau Sauer.

Dann aber wird es kritisch, denn hinter Ihr grinst ein Dr. Thomas Lange in die Kamera und mMn hätte der auf diesem Bild garantiert NICHTS VERLOREN, denn er hat noch im Juli 2013 gegen eine moralisch-ethische Rehabilitierung der Opfer gestimmt.

Deshalb persönlich: „Herr Dr. Lange - verfügen Sie eigentlich über einen Funken Schamgefühl? Sie stimmen einerseits gegen eine kostenlose und längst überfällige Rehabilitierung der Opfer im Kultursenat der Stadt und brüsten sich nun als neuer Kultur-Bürgermeister mit einem „Denkmal für die verbrannten Opfer“.

Als katholischer Theologe müssten sie die Wahrheit über die Taten ihrer historischen Glaubensgemeinschaft progressiv publizieren - aber das Gegenteil ist der Fall. Warum heisst es eigentlich DENK MAL?

Weder ein von OB Starke angedachter Straßennamen, noch ein Tag des Andenkens oder gar ein Messe für die unschuldigen Vorfahren der Bamberger hat man seitens der katholischen Kirche in den Jahren seit 2008 auf die Reihe bekommen - aber immer schön sabbeln von „aufgeklärt“ und Bildungsleuchtturm. Einfach nur rückständig bis maximal lächerlich ist das.

Deshalb fehlen auf dem Foto höchstwahrscheinlich die Gesichter der üblichen lokalen Weltkultur-Erbe-Fanatiker, die es jetzt schon im zweiten Jahr hintereinander „versäumt“ haben, am nationalen UNESCO-Tag auch dem „unbequemen Teil der Bamberger Welterbe-Geschichte“ zu gedenken … man sollte diese Leute wirklich auf die Strasse setzen. Würden sie das Gleiche in Bezug auf das dritte Reich veranstalten säßen sie sowieso schon längst wegen Volksverhetzung in Haft.

Schon bald wird also das neue Mahnmal installiert werden und die Bamberger werden nicht lange brauchen, um einen passenden Spitznamen für die „zsammagequetschte Lavalamben“ zu finden und dann werden auch garantiert einige der angesprochenen Lügner in die anwesenden TV-Kameras grinsen und ihre „historischen Weisheiten“ verzapfen - von wegen „niemals vertuscht“, etc. - das einmalige historische Welterbe - unser weltweites Alleinstellungsmerkmal, blabla, sabbel, etc.

Ich persönlich hätte mir einen emotionaleren Entwurf - irgend etwas Einmaliges gewünscht, dass auch irgendwie dem Leiden und Schicksal der Opfer gerecht wird.

So sehe ich einen „abstrahierten Entwurf“ aus beleuchtetem Metall und Acryl - eines Denkmals, dass auf dem Boden liegt - ich muss mein Haupt beugen - es möglichst bei Dunkelheit besuchen … Aber wahrscheinlich gibt es für 40 Mille eben nicht mehr Andenken zu kaufen. Zumindest nicht auf Augenhöhe der Geschichte.

Trotzdem ist es, bei aller Kritik, immer noch besser als gar kein Denkmal. Die Mindestanforderung der Ausschreibung wurde also gerade noch erreicht.

… vor wenigen Augenblicken erfahren: Auch der Rat der Stadt Dortmund beschliesst heute die moralisch-ethische Rehabilitierung seiner Opfer. Wann steht Bamberg endlich auf dieser Liste???


1 1993 Winterberg/ NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche 6 Opfer
2 1996 Idstein/ Hessen 1 Opfer
3 2002 Kammerstein, 2003 Kammerstein - Barthelmesaurach 1 Opfer
4 2007 Eschwege/ Hessen, Stadt und ev. Kirche 2 Opfer
5 2008 Fulda/ Hessen 250 Opfer
6 2010 Hofheim a.T./ Hessen 11 Opfer
7 2011 Rüthen/ NRW 59 Opfer (169 ?? )
8 2011 Hilchenbach/ NRW 18 Opfer
9 2011 Hallenberg/ NRW 43 Opfer
10 2011 Sundern/ NRW 1 Opfer
11 2011 Menden/ NRW 89 Opfer
12 2011 Werl/ NRW 73 Opfer
13 2011 Suhl/ Thüringen 72 Opfer
14 2012 Bad Homburg/ Hessen 76 Opfer
15 2012 Detmold/ NRW 21 Opfer
16 2012 Lemgo/ NRW (und 1992) 200 Opfer
17 2012 Rheinbach/ NRW 70 Opfer
18 2012 Köln/ NRW 33 Opfer
19 2012 Meiningen/ Thüringen 86 Opfer
20 2012 Osnabrück/ Niedersachsen 250 Opfer
21 2012 Büdingen/ Hessen 400 Opfer
22 2013 Soest/ NRW 67 Opfer
23 2013 Freudenberg/ NRW 18 Opfer (oder 23 )
24 2013 Rehburg-Loccum Niedersachen 33 Opfer
25 2013 Lutherstadt Wittenberg/ Sachsen-Anhalt 21 Opfer
26 2013 Datteln/ NRW 130 Opfer
27 2014 Horn-Bad Meinberg/ NRW 47 Opfer
28 2014 Trier/ Rheinland-Pfalz. 400 Opfer
29 2014 Dortmund 25 Opfer


P.S.: Es sind - entgegen der oben genannten 40.000 € - in Wirklichkeit 50.000 € - da hat man offensichtlich nachgebessert. 

Dienstag, 30. September 2014

Schrein des Grauens oder Traumstadt der Deutschen?



In wenigen Tagen soll sich entscheiden, welches Mahnmal in Zukunft in Bamberg an die über 1000 verbrannten Hexen-Opfer der katholischen Inquisition erinnern wird. 

Das ist prinzipiell eine sehr gute Nachricht - aber leider gibt es wieder einmal grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, was die Bedeutung dieses Denkmals für die Zukunft Bambergs darstellt.

Es gibt ja die verschiedensten Legenden über die tatsächlichen Opferzahlen und die angewendeten Foltermethoden, selbst über den Standort des Folterhauses ist man sich uneins .. usw. usw.

Doch mehrere Tatsachen müssen selbst die kritischsten Bürger akzeptieren: 

Schon bevor das Malefiz-Haus entstand, wurden in unmittelbarer Nähe des Doms - in der alten Hofhaltung - über 300 Bamberger Bürger in der Büttelstube gefoltert, in unteririschen Kerkern eingesperrt und danach meist lebendig verbrannt.

Warum wurde dann im Jahr 1626 ein weiteres prunkvolles und mit Sicherheit sehr kostspieliges Foltergefängnis an der Stadtmauer errichtet? 

Weil der Hexenbrenner Fuchs von Dornheim insgesamt 3.000 Hexenverdächtige einfangen und töten wollte. 

Diese Zahl errechnete sich aus den Geständnissen, die man in den ersten zwei Wellen der lokalen Hexenverfolgung (1616/17) unter Fürstbischof von Aschhausen aus den gefolterten Opfern erpresst und protokoliert hatte. 

In Würzburg gab es ebenfalls eine notariell beglaubigte Komplizen-Liste, die sogar 8.000 angebliche Hexen aufführte - trotzdem wurden im Hochstift von Würzburg insgesamt zehn (10) kleine Verliese und Kerker hergerichtet, die für Inhaftierung der etwa 1.200 Opfer in dieser Stadt verwendet wurden. 

Nur in Bamberg musste es ein neuer hochmoderner Prunkbau sein, der als Mehrzweckgebäude traurige Berühmtheit erlangte, denn das Malefiz-Haus wurde bereits 1627 in Liedern besungen und als Bilddruck in einer Nürnberger Hexenzeitung präsentiert … da war es überhaupt noch gar nicht in Betrieb.

Neben diesen Fakten, die exakt nachzuvollziehen sind, existieren weitere Tatsachen und diese wurden in der Sprache der Mathematik verfasst und sind deshalb nicht anzuzweifeln.

So wurde zum Beispiel der Architekturplan des Malefiz-Hauses mit einem genormten Maßstab versehen (die sogenannte Bamberger Elle oder der Bamberger Schuh - hängt auch heute noch an der linken Seite des Domportals) und konnte deshalb bis auf den Millimeter digital rekonstruiert werden … und genau daran haben wir uns bereits seit 2005 strikt gehalten; denn zu dieser Zeit haben wir das Gebäude zum ersten Mal rekonstruiert.

Das Ergebnis unserer computerberechneten, fotorealistischen Rekonstruktion ist eine exakte räumliche Annäherung. Da keine offiziellen archäologischen Funde zu diesem „Einzeldenkmal des Horrors“ existieren, müssen wir spekulieren, welche Farbe die Ziegel oder das verwendete Holz hatten und ob Kerzen oder Fackeln zur Beleuchtung benutzt wurden.

Was aber kein Computerprogramm jemals rekonstruieren kann, sind die üblen Gerüche. bzw. der bestialische Gestank  welche in diesem Wänden geherrscht haben und vor allem nicht die tagtägliche Todesangst, welche die damaligen inhaftierten Bamberger Bürger in diesem Horror-Knast teilweise bis zu drei Jahren erleiden mussten, bevor sie dann an den Folgen dieser Haft verstarben.

Der folgende Filmausschnitt ist also eine - wie wir meinen - extrem exakte Nachbildung von dem grausamsten Gebäude, dass jemals in der Welterbestadt Bamberg existierte - und da es innerhalb der historischen Stadtmauern lag, gehört es mit Sicherheit ebenfalls zum UNESCO-Welterbe, was einige lokale Würdenträger aber schwer zu überfordern scheint; sie sabbeln weiterhin von der Medienkompetenz und dem Bildungsleuchtturm Bamberg - der Traumstadt der Deutschen, der schönsten Stadt der Welt und ähnlichem Schwachsinn.

Egal welches Denkmal in naher Zukunft an die Bamberger Hexenverfolgung erinnern wird - das Malefiz-Haus war die absolute Ikone der lokalen Massenmorde - perfide bis ins Detail geplant: So behaupten wir, dass der „Bach, der unter der Folterkammer“ hindurch führte, garantiert als nutzvoller Abwassergraben angelegt wurde, um sich z.B. einfach des Blutes und der Exkremente zu entledigen, die „bei einer ausgedehnten Foltersitzung in dieser peinlichen Frage anfielen“.


Wer sich aktuell schockiert beim Anblick der Gräueltaten zeigt, welche islamische ISIS-Kommandos unter den Ungläubigen anrichten, der sollte sich darüber im klaren sein, dass es im idyllischen Bamberg weitaus brutaler und blutiger zuging. 

Vier eigens in Bamberg „erfundene“ Foltermethoden zeugen davon, dass der Bau und die Nutzung dieses Folterknastes eine Dimension erreichten, die auch ohne die Existenz elektronischer Medien bereits im 17ten Jahrhundert dafür sorgte, dass man Bamberg nur noch als „Schrein des Grauens“ betitulierte und die „Bambergische Tortur“ der Inbegriff des Bösen wurde - zumindest bei den Menschen, die man schon damals als „aufgeklärt“ bezeichnen konnte. 

Warum es trotzdem so schwer ist das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte öffentlich so zu beleuchten, wie es sich in einer weltoffenen Stadt gehören würde, liegt einfach daran, dass sich die Bewohner und Fans dieser architektonisch einzigartigen Kleinstadt zwar als moderne Vertreter der Gattung Mensch verstehen, weil sie vielleicht ein Smartphone bedienen können - trotzdem gilt im Allgemeinen anscheinend eher der Kernsatz von Sabine Weigand aus dem Roman „Seelen im Feuer“, der dem Protagonisten der Erzählung in den Mund gelegt wurde: DIE RÜCKSTÄNDIGKEIT BAMBERGS WAR IHM ZUWIDER.

In der „Traumstadt der Deutschen“ verkleiden sich unter dem Deckmantel der „Tradition“ einige Kulturträger, die in diesem Jahr von der SZ-Journalistin Katja Auer öffentlich als die „Bamberger Kulturbanausen“ bezeichnet wurden, doch mir geht diese Klassifizierung einfach nicht weit genug, denn ich bin der Meinung, dass ein „Banause“ eigentlich ein bemitleidenswertes „Dummerle“ ist, der es einfach nicht besser weiß. 

Anders im UNESCO-Welterbe von Bamberg: Hier wird seit Jahren von einigen selbsternannten Gralshütern (mit und ohne Dr.-Titel) der Bamberger Historie versucht, jeden nationalen und internationalen Touristen, der Bamberg besucht sprichwörtlich um die „spannendste Geschichte dieser Stadt“ zu betrügen, denn es gibt trotz vollmundiger Zusagen nichts, was man auch nur ansatzweise als „zeitgemäße Aufklärungsinitiative der bis vor kurzem vollkommen verschleierten Massenmorde“ der katholischen Kirche bezeichnen könnte.

Anders als in Zeil am Main, wo die Stadtverwaltung 600.000 € für ein Dokumentationszentrum ausgab, ist es in Bamberg einem Bürgerverein zu verdanken, dass zumindest ein Mahnmal entsteht - für 40.000 € - das sagt eigentlich schon ALLES.

Das zukünftige Mahnmal wird mit Sicherheit ein längst notwendiger Teil der Aufklärung werden - keine Frage, aber noch weit wichtiger wird die Ausstrahlung von „SEELEN IM FEUER“ im ZDF im Februar 2015 und die dazugehörige Dokumentation von Terra X sein!

Freuen wir uns darauf. 

Diesen Text wird man mir garantiert „um die Ohren hauen“ - schon alleine für die Unverschämtheit, dass ich es wage die ISIS-Terroristen mit den katholischen Würdenträgern des 17ten Jahrhunderts zu vergleichen.

Fakt ist auch hier: Im historischen Bamberg wurde über die Dauer von vierhundertvierzehn Jahren (414) grausame Folter ausgeübt - mit einer solchen Brutalität, dass das reine „Kopf abschneiden der ISIS“ geradezu wie ein Gnadenakt eingeordnet werden muss, denn auch in Bamberg wurden Menschen geköpft. 

Allerdings nur, wenn etwas zu holen war für die Mörder; denn nur dann gab es den fürstbischöflichen Gnadenzettel. Alle anderen Opfer wurden lebendig verbrannt und großteils noch mit glühenden Zangen gerissen - bis zu dokumentierten fünfzehn (15) Mal - das war barbarisch und auch „reißerisch“ im wahrsten Sinne des Wortes. 

Uns haben ein paar ewig gestrige Kulturbanausen schon 2008 vorgeworfen, reißerisch zu berichten, obwohl wir bis dato sogar darauf verzichtet hatten, die rekonstruierte Folterkammer zu präsentieren. 

Auf was wir garantiert niemals verzichten ist unsere Forderung nach einer unbedingten moralisch-ethischen Rehabilitation der ermordeten Opfer - denn wie soll das denn zusammen passen, dass man jetzt endlich nach so langer Zeit ein Denkmal installiert und trotzdem will man nicht öffentlich sagen: „Da ist damals ein bedauerlicher Justizmord passiert, weil zwei Fürstbischöfe im Krieg mit der eigenen Bevölkerung waren.“ 

Wie soll das denn zusammen passen? Zur Ehrenrettung meiner Heimatstadt, die ich wirklich sehr liebe, muss erwähnt werden, dass es im benachbarten Würzburg anscheinend auch nicht möglich ist, die angemessene Erinnerungskultur zu installieren - aber dort hat es ganz andere Gründe, als in Bamberg.

Vielleicht dauert es noch ein bis zwei Generationen bis die angesprochenen „Kultur-Dinos“ in dieser Stadt und in Würzburg ausgestorben sind … und es auch einen „Bamberger Frühling“ geben wird, der zumindest ermöglicht, dass Touristen und Bürger dieser Städte einen "unverbauten Blick" auf die wahre Vergangenheit werfen können.

Bis dahin gilt allerdings die Devise: Armes Bamberg - armes Würzburg.