Montag, 5. Oktober 2009

Die offizielle Aufarbeitung ... und ihre Fehler


Am vergangenen Freitag wurde erfreulicherweise ein Flyer im Bamberger Rathaus vorgestellt, der erstmals ansatzweise eine Erklärung für diesen vergessenen Massenmord der katholischen Inquisition zu vermitteln versucht.

Download Link zum Flyer

Trotzdem würde ich gerne etwas dazu anmerken und habe zur Sicherheit einen Rechtsanwalt und einen Historiker konsultiert: die letzten 10 Gefangenen wurden nach der Aktenlage erst im Februar 1632 frei gelassen - und mussten deshalb auch die Urfehde schwören (keine Rache am Gericht, Schweigen über die Folterhaft).

Da diese 10 Angeklagten alle unter der Anklage der Hexerei eingefangen wurden und deshalb im MALEFIZ HAUS interniert waren (teilweise mehrere Jahre), sind die Prozesse also definitiv nicht schon im Jahr 1631 beendet gewesen - sondern erst 1632.

Es wäre schön, wenn diese Fakten zumindest in der zweiten Auflage korrigiert werden würden.

Trotzdem: ein erster hoffnungsvoller Schritt zur Aufarbeitung der wahren Geschichte der Stadt Bamberg - weiter so.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich bin zufällig über Youtube auf dieses Blog gestoßen, habe es nun komplett durchgelesen und muss sagen, dass ich in seiner Bewertung noch recht schwanke. Der Elan von Herrn Kloos ist begrüßenswert und ich bin sehr gewillt ihn und seine Projekte zu unterstützen, aber irgendwie kommt mir hier vieles etwas zu überspitzt rüber.

Ich persönlich kenne das Thema jetzt schon seit ich zwölf bin durch das Buch "Die Hexe von Zeil" von Harald Parigger. Ich habe die (zugegeben teilweise nicht besonders guten) "Hexenführungen" verschiedener Führungsdienste in Bamberg mitgemacht und mich erst kürzlich ein wenig eingelesen, ich kenne Zeil und Herrn Winkler ... und ja ich habe auch die Mühlen und Mühen kleinstädtischer Tourismuspolitik schon kennen lernen dürfen.

Deswegen meine Meinung:
1) Die "Aufdeckermentalität" hier schmeckt mir nicht. Alle Informationen sind für Interessenten doch leicht zugänglich: Stadtführungen, Unterhaltungsliteratur, an der Uni fragen, selbst in die Bibliothek gehen, oder einfach googlen. Natürlich muss man wissen was man sucht, aber das ist bei anderen interessanten Themen (Bamberger Königsmord, Pesttote in den Katakomben, Schweinfurter Fehde)auch der Fall. Und Hexenverfolgung war in den 90ern doch geradezu ein Modethema. Hier wird letztendlich nicht viel Neues erzählt (abgesehen von der sehr gut gemachten Lokalisation des Malefizhauses).
2) Die Stoßrichtung gegen die katholische Kirche (Achtung: Ich selbst bin evangelisch getauft und pflege eine agnostische Einstellung): Der Hexenwahn ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, bei dem man sich vor Erklärungsansätzen mit drei bösen Bischöfen (und erst recht mit einer allgemein katholischen Inquisition) hüten sollte. So brannten zum Beispiel auch in der calvinistischen Schweiz die Scheiterhaufen kräftig und im päpstlichen Italien blieb es vergleichsweise ruhig.
3) Der Vorwurf von Geschichtsklitterung und Zensur: Man kann es dem Domkapitel und dem Erzbischöflichen Ordinariat kaum vorwerfen seine Ressourcen eher auf das Betreiben von Kindergärten und Kirchen als auf das aufwendige Öffentlichmachen eines (aus ihrer Sicht wohl schon oft genug wiedergekauten)düsteren Kapitels zu verwenden. Und sucht man beim FT im Archiv nach "Hexenverbrennung" kriegt man seit 2005 etwa 40 Treffer, bei "Hexenwahn" etwa 20 und bei "Hexenverfolgung" etwa 240. Zensur schaut anders aus. Dass ein Reporter, der über ein Tote-Hosen-Konzert für ein Lokalblatt in wenigen Sätzen berichten soll, kein historisches Statement (zu dem er selbst wahrscheinlich auch keine Ahnung und keine Kompetenz hatte) auswalzt - wen wunderts? Der FT ist halt ein Provinzblatt, in dem das steht was die Leute in den Dörfern lesen wollen. Hinter diesem und dem Im-Sand-verlaufen von Vorschlägen und Anfragen in städtischer Richtung eine tiefere Absicht oder Zensur/Unterdrückung zu sehen heißt nur sich und sein Projekt etwas zu wichtig zu nehmen. So ist das in Kleinstädten nun mal.
4) Ich mag den Feuereffekt in den Videos nicht und mir fehlen in ihnen Hinweise und Erklärungen auf den gesellschaftlichen Aspekt "Hexenwahn" - aber das ist mein persönlicher Geschmack.

Ich werde dieses Blog auf jeden Fall weiter verfolgen, vielleicht mehr.
Und nicht vergessen: Nicht der bewusste Wille zu Schaden hat die großen Verbrechen der Menschheisgeschichte ermöglicht, sondern die Gleichgültigkeit und Selbstzentriertheit, die jeder von uns in sich hat. Ich weigere mich über Leute zu richten deren Taten in ihrem speziellen Umfeld so erschreckend viel Sinn gemacht haben, sondern bemühe mich schlicht meine Lehre daraus zu ziehen.

Viele Grüße und - holla ist das spät geworden...
Sebastian

Anonym hat gesagt…

Im neuen PM-history Magazin steht zu dem Thema Hexenverbrennungen u.a. daß es in Würzburg die meisten(900) gab und es in Bamberg "nur" 300 waren.
liegt da etwa eine Verwechslung vor??
Viele Grüße
der Anonyme