Montag, 12. Juli 2010

Sie waren keine Hexen, sondern sie sind unsere Schwestern und Brüder




und wenn man es nicht ganz so christlich betrachtet, so waren diese gemordeten Märtyrer ja auch die Vorfahren der Menschen, die teilweise noch heute in dieser Gegend leben …


Auszug aus der Predigt von Pfarrer Hartmut Hegeler zum

Gedenkgottesdienst für die Opfer der Hexenprozesse am
2. Ökumenischer Kirchentag in München, Mai 2010


" Inmitten von 100 000 Christen auf dem Ökumenischen Kirchentag in München bekennen wir:

Sie waren keine Hexen, sondern sie sind unsere Schwestern und Brüder.

  • Sie sind unschuldig verfolgt worden. Sie gehören zur Gemeinschaft der Heiligen.
  • Ihr Name wurde mit Füßen getreten, ihre Körper geschunden, ihre Leiber verbrannt, ihre Asche in alle Winde verstreut.
  • Sie wurden hingerichtet. Gott will sie aufrichten.
  • Deswegen heben wir ihr Andenken aus dem Schmutz der Asche auf.
  • Deswegen nehmen wir sie wieder in unserer christlichen Mitte auf.
  • Deswegen bekennen wir: Aufleben soll euer Herz für immer. (Psalm 22, 27)

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre
unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus.

Amen. "


Was diese Predigt so einzigartig macht, ist die Tatsache, dass zum Beispiel auch ein Teil des Briefes von Bürgermeister Johannes Junius verlesen wurde.


Dem Andenken der "Bamberger Hexenopfer" wird also nicht am Ort ihres Lebens und Leidens gedacht, sondern in der Landeshauptstadt München - und dummerweise ist es dann auch noch die "falsche Kirche", (denn die evangelische Kirche hat in Bamberg niemanden zu Tode gefoltert ) die sich der undankbaren Aufgabe der Aufarbeitung verschrieben hat.


Dass es auch anders ginge, zeigt der aktuelle folgende Fall eines katholischen Erzbischofs:


Stellungnahme von Erzbischof Dr. Alois Kothgasser zum Prozess um die „Hexe“ von Mühldorf 1749/50
SALZBURG (eds – wk/ 18. 6. 2009) / Zur heutigen Pressekonferenz im Büro von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer zum Thema „Die Mühldorfer Hex“ wird nachfolgende Stellungnahme des Salzburger Erzbischofs Dr. Alois Kothgasser veröffentlicht:


- Der Justizmord an Maria Pauer, die im letzten Prozess dieser Art auf dem Boden des damaligen Erzstiftes Salzburg als „Hexe“ verurteilt worden ist, stellt ein entsetzliches Verbrechen dar, in welches auch die Kirche von damals nicht nur aufgrund der handelnden Personen hinein verwoben ist. Es gibt daran nichts zu beschönigen, sondern sich der unmenschlichen geschichtlichen Wirklichkeit zu stellen und Gott und die Menschen um Vergebung für diese Gräueltat zu bitten.

Zugleich geht es darum, eine Lehre daraus zu ziehen und die Verantwortung für die Menschen unserer Tage wahrzunehmen, damit deren Würde als Gottes Ebenbild alle gebührende Achtung zukommt.


- Den Hintergrund für dieses grausame Ereignis bildet ein magisches Gottes- und Menschenbild, das mit der biblisch-christlichen Tradition nicht begründbar ist, sondern heidnische Wurzeln aufweist. Damit ist die Aufgabe verbunden, sich noch mehr für die Verkündigung des christlichen Gottes- und Menschenbildes einzusetzen und alle theologische Mühe aufzuwenden, damit der Glaube an Gott freigehalten wird von irrationalen und menschenverachtenden Elementen.


- Unser ganzer Einsatz muss heute der Verwirklichung der Menschenrechte und – auf deren Basis – einer geordneten Rechtspflege gelten, dies nicht nur in unserem Land, sondern weltweit. Dies anzuerkennen ist Lehre der Kirche und ihrer Soziallehre: „Die Kirche fühlt sich selbst verletzt, wenn die Rechte des Menschen, wer immer es sei und wo immer er sich befinden mag, missachtet und verletzt werden.“[1]


[1] Papst Paul VI. am 4. Oktober 1965 vor den Vereinten Nationen, zit. nach: Putz, Gertraud, Kleiner sozialethischer Ratgeber für die Praxis in Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Berlin 2008, S. 286.

Amt für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese Salzburg, Kaigasse 8, 5020 Salzburg


Wer gerne erfahren möchte, wie die katholische Kirche im Erzbistum Bamberg mit diesem Thema umgeht, dem legen wir folgenden Link ans Herz:

http://www.malefiz-haus.de/d-mh/epilog-de.html




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