Sonntag, 25. März 2012


... es geschehen noch Wunder - oder: was am 30. September 2007 begann, scheint endlich einen entschiedenen Schritt in die richtige Richtung zu gehen.
                                                                                                                                                 Bamberg,  15.3.2012
Rehabilitation der  Opfer der Hexenprozesse,  beispielhaft an der Person des Johannes Junius, ehemals  Bamberger Bürgermeister; hier: Antrag
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
die Berichte in der Bamberger Internetzeitung „freie WeBZet“ über „Hexenprozesse in Bamberg“ haben bewirkt, dass sich etliche Bürgerinnen und Bürger zu dem Thema geäußert haben. Besonders das Interesse außerhalb unserer Stadt war für uns überraschend. Darunter könnten auch Menschen sein, die im Laufe des Jahres unsere Stadt anlässlich der Landesgartenschau besuchen. 
Nun hat die Stadt Bamberg schon einiges getan, um der moralischen und sozialethischen Rehabilitation Ausdruck zu verleihen. Es erscheint deshalb selbstverständlich, dass alle relevanten Kräfte in der Stadt, sich von dem begangenen Unrecht distanzieren und der Ehre
und Würde der verurteilten Personen gerne Gerechtigkeit widerfahren lassen würden. Das kann leider nur posthum geschehen und ist auch juristisch nicht mehr möglich. 
Unser Anliegen bezieht sich deshalb auf eine sozialethische, moralische Rehabilitation. Grundsätzlich meinen wir, dass
  • das Ausmaß der Jahrhunderte dauernden Hexenverfolgung, das heißt der Zahl als auch der grauenhaften Umstände wegen, eine Beschäftigung mit diesem Thema rechtfertigt. 
  • die Art und Weise, wie unschuldige Menschen in diese Prozesse gerieten, durch abergläubische Vorstellungen, Vorurteile - vor allem gegenüber Frauen-, Ausgrenzung, Dämonisierung und haltlose Schuldzuweisungen uns an die Verletzlichkeit eines humanen Zusammenlebens erinnern und mahnen sollte.
  • wir sowohl als Demokraten als auch als Christen die damaligen Taten als Unrecht empfinden und benennen müssen.
Nach unseren Informationen haben bereits etliche deutsche Kommunen in aller Form eine sozialethische Rehabilitation vollzogen (s. Liste unten).                     
Namens der Fraktion der Freien Wähler Bamberg stelle ich deshalb folgenden Antrag:
Der  Stadtrat von Bamberg beschließt, die  im Rahmen der sogenannten Hexenprozesse im Bereich der Stadt Bamberg unschuldig verurteilten Personen sozialethisch zu rehabilitieren.  Er will einen Beitrag leisten,  damit die Ehre der durch die Hexenprozesse verfolgten und hingerichteten Bürgerinnen und Bürger wieder hergestellt wird.  Er tut das  auch, um im Namen aller Demokraten und Christen  die damaligen Taten als Unrecht zu benennen und den Schmerz darüber auszudrücken. 
Wir möchten das Anliegen  beispielhaft an das Schicksal des damaligen Bamberger Bürgermeisters Johannes Junius knüpfen, der im August 1628 in Bamberg als angeblicher Hexer hingerichtet wurde. Des Weiteren meinen wir, dass der Stadtrat sich auch an das Erzbistum Bamberg wendet, mit dem Ziel, sich gemeinsam von dem ergangenen Unrecht zu distanzieren.
Mit freundlichen Grüßen
                                                     Dieter Weinsheimer
                                                  Vorsitzender der FWB-Stadtratsfraktion                                            

Eine Rehabilitation der als Hexen hingerichteten Frauen und Männer ist bereits in etlichen Orten durch den Rat der Stadt erfolgt:
u.a.
1993 Winterberg/ NRW, Stadt, kath. und ev. Kirche
1996 Idstein/ Hessen
2002 Kammerstein, 2003 Kammerstein - Barthelmesaurach/ Bayern
2007 Eschwege/ Hessen, Stadt und ev. Kirche
2010 Hofheim a.T./ Hessen
2011 Rüthen/ NRW
2011 Hilchenbach/ NRW
2011 Hallenberg/ NRW
2011 Düsseldorf/ NRW
2011 Sundern/ NRW
2011 Menden/ NRW
2011 Werl/ NRW
2011 Suhl/ Thüringen
 

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